Verkehrsteilnehmer werden immer aggressiver

Matthias Bungeroth

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Besonders gegen Radfahrer richtet sich der Zorn vieler Autofahrer. - © picture alliance / Horst Ossinger
Besonders gegen Radfahrer richtet sich der Zorn vieler Autofahrer. (© picture alliance / Horst Ossinger)

Bielefeld. Beschimpfungen, Beleidigungen, rücksichtsloses Verhalten: Das Potenzial der Gewalt auf den Straßen wächst laut Umfragen. Besonders in den Blick hierbei gerät das Verhältnis zwischen Kraftfahrern und Radfahrern. "Der Kampf um die Straße findet dort statt", sagt Arnold Plickert, Vorsitzender der Gewerkschaft der Polizei (GdP), dieser Zeitung.

Plickert zitiert eine Umfrage des Deutschen Verkehrssicherheitsrates, wonach acht von zehn Befragten eine Zunahme der Aggressivität im Straßenverkehr bejahen. 73 Prozent der Befragten sehen zu schnelles Fahren, 67 Prozent zu dichtes Auffahren und Drängeln, 65 Prozent das riskante Überholen als Ursachen an. Dieses Aggressionspotenzial hat laut Plickert konkrete Folgen: Die Zahl der verunglückten Radfahrer in NRW stieg von 15.574 auf 16.786 (plus 9,3 Prozent).

"Die Aggressivität ist nicht nur in den Stadtvierteln. Die Normakzeptanz hat sich verändert", analysiert Plickert die Hintergründe dieser Entwicklung. "Zugenommen hat die Aggressivität ganz sicher", sagt Hans Offer, stellvertretender Vorsitzender des Fahrlehrerverbandes Westfalen aus Herford. Seiner Meinung nach entstehen viele gefährliche Situationen im Straßenverkehr dadurch, dass etliche Pkw-Fahrer die Radfahrer nicht ernst nehmen, wie Offer auf Anfrage sagt.

Entscheidend sei immer der eigene Blickwinkel. So würden viele Fahrschüler so lange auf die Autofahrer schimpften wie sie selbst mit dem Rad zur Fahrschule kämen. Anschließend kehre sich bei vielen die Haltung um.

Aggressivität weit verbreitet

Insgesamt allerdings sei dies ein komplexes Thema, wie Offer zu bedenken gibt. Dies erkennt man auch daran, dass die Bielefelder Polizei auf Anfrage nicht feststellen kann, dass Anzeigen bei Straftatdelikten wie Gefährdung oder gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Nötigung oder Beleidigung zugenommen hätten. Diese Anzeigen sind aber nach Ansicht vieler Experten auch nur die Spitze des Eisbergs einer Entwicklung, die viele dennoch für sehr bedenklich halten.

Ralf Collatz, Sprecher des ADAC in Ostwestfalen-Lippe: "Immer wieder berichten uns Mitglieder davon, dass sie eine Zunahme aggressiven Verhaltens im Straßenverkehr beobachten." In einer Umfrage der Mitgliederzeitschrift des Automobilclubs gaben fast alle Autofahrer an, schon einmal Opfer eines rücksichtslosen Verhaltens im Straßenverkehr geworden zu sein. Aufklärungsarbeit statt höherer Strafen sei hier angezeigt. "Perspektivwechsel ist das wichtige Stichwort", sagt Carla Borman vom Verkehrssicherheitsrat.

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