Zum 50.: Happy Birthday Bobbele!

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Boris Becker (© dpa/LZ)

Kreis Lippe (dpa). Die Frage, wie er seinen 50. Geburtstag feiern wolle und ob diese Zahl eine besondere Bedeutung habe, geht Boris Becker zu weit. "Bis jetzt war die Fragerunde sympathisch, jetzt erinnern Sie mich daran, dass ich älter werde. Das ist ein privates Thema, das ich nicht öffentlich besprechen möchte", sagt Becker und schmunzelt.

Im beigefarbenen Fischgrät-Sakko sitzt er auf einem improvisierten Podium im Vereinslokal des TC Ismaning vor den Toren Münchens. Mit leichter Verspätung direkt aus London gekommen, referiert Boris Becker über die Situation im deutschen Herrentennis, lobt Jungstar Alexander Zverev und betont wieder einmal, dass sein neuer Job im Verband "eine Herzensangelegenheit" für ihn sei. Fragen nach seinem Privatleben oder seiner finanziellen Situation sind nicht gestattet.

Einen Sommer lang gibt einer der größten Sportler, die es in Deutschland je gegeben hat, der Öffentlichkeit Rätsel auf. Was ist dran an den Berichten, dass er pleite sei? Erwägt er ernsthaft, an der britischen Version des Dschungelcamps teilzunehmen? Pokert er beim Wohltätigkeitsturnier im "King's Casino" im tschechischen Rozvadov Poker tatsächlich (nur) für einen guten Zweck?

Jetzt wird Boris Becker 50 Jahre alt - und zu seinem Geburtstag tritt all das Widersprüchliche, Nicht-Greifbare, im wahrsten Sinne des Wortes Un-Fassbare in seiner Biografie wieder zutage. Becker fasziniert mit seinem mitreißenden Spiel, seinen Hechtrollen am Netz, seinen blutigen Knien und seiner Rivalität mit John McEnroe & Co. Er irritiert aber auch mit der Besenkammer-Affäre, aus der ein uneheliches Kind hervorgeht, oder peinlichen TV-Auftritten mit einer Fliegenklatsche am Kopf.



Die jungen Jahre
Die jungen Jahre
(© LZ-Archiv)
Der junge Boris, damals 9, siegte bei der Premiere 1977. Während er übrigens bei der Jüngsten-Turnier-Premiere im Kreisgebiet in der Altersklasse 5 gewann, setzte sich in der AK 4 sein späterer Doppelpartner Eric Jelen durc

"Wenn ich zurückblicke auf mein Leben, das macht man, glaube ich, zum ersten Mal mit 50 als Mann, dann habe ich mehr richtig gemacht als falsch", sagt Becker. Am 7. Juli 1985 verzaubert er im Alter von 17 Jahren die Tenniswelt mit seinem ersten Wimbledon-Titel. Viele Jahre wird Becker einfach nur "der 17-jährige Leimener" bleiben. Doch die grenzenlose Vereinnahmung ufert aus, so dass Becker in dem Film den Satz sagen wird: "Ich bin nicht euer Boris." Nicht mehr zumindest.
Im Karrierehoch
Im Karrierehoch
(© Arne Dedert/dpa)
Becker trifft den Papst in Rom, schüttelt Lady Diana die Hand, spricht mit Bundeskanzler Helmut Kohl und wird ins Weiße Haus eingeladen. Er wird zu einer der wenigen deutschen Sportlegenden.

1986 und 1989 siegt er erneut auf dem Heiligen Rasen. Während seiner Karriere feiert er 49 Turniersiege, sechs Grand-Slam-Titel und klettert am 28. Januar 1991 auf Platz eins der Weltrangliste. 1988 und 1989 gewinnt Becker den Davis Cup für Deutschland. Doch nach dem Ende seiner Karriere folgen von der Öffentlichkeit ausgeschlachtete Affären im Privatleben. "Jeden Fehler, den ich gemacht habe, bereue ich. Aber wer ist fehlerlos?", sagt Becker der Zeitschrift Gala.

Über eine eigens für ihn gebackene Geburtstagstorte freut sich Boris Becker am 22. November 1996 nach seinem Spiel bei der ATP-WM gegen den Schweden Enqvist. Für den deutschen Tennisstar, der hier seinen 29. Geburtstag feierte, sangen die 15600 Zuschauer in der Europahalle Hannover mit Musical-Star Pamela Falon "Happy Birthday" und verabschiedeten ihn mit rhythmischen Klatschen zum Geburtstagssong in die Kabine.
Heute
Heute
(© dpa)
Seit dem Sommer 2017 sorgen Meldungen über Beckers finanzielle Situation für Schlagzeilen. Nach seinem öffentlichen Auftritt in Ismaning Mitte Oktober gibt er noch zwei lange Interviews. In der Illustrierten "Gala" plaudert er über seine Ehe, seine Kinder, seine Gesundheit und die Beziehung zu Deutschland. In der «Neuen Zürcher Zeitung» spricht er erstmals detailliert über seine Schulden. Er räumt ein, dass gegen ihn privat ein Insolvenzverfahren laufe, sagt aber auch: "Es ist irrsinnig, zu glauben, ich sei pleite."

Becker trainiert nun tatsächlich wieder deutsche Tennisspieler. Er ist sich nicht zu schade, beim Davis Cup in Portugal den Platz abzuziehen. "Ihm macht das Spaß, er tut das wirklich gerne", sagt einer, der Becker schon lange kennt und eine wichtige Funktion im DTB innehat. "Aber glauben Sie mir eins: Mit uns redet er auch nie über seine finanzielle Situation." In einem Film über ihn sagt Becker einmal: "Ich muss durchhalten. Ich wäre töricht, wenn ich meine Strategie erzählen würde. Aber das Ziel ist das gleiche: das Spiel zu gewinnen."

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