Sanierung der Bielefelder Kunsthalle kostet 10 Millionen Euro

Joachim Uthmann

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Modern - vor 50 Jahren: Die Kunsthalle bietet auch heute noch einen besonderen Anblick. Doch Dach und Technik des 1968 eröffneten Gebäudes müssten dringend saniert werden. Die neue Perspektive ist ein Umbaubeginn ab 2021. - © Sarah Jonek
Modern - vor 50 Jahren: Die Kunsthalle bietet auch heute noch einen besonderen Anblick. Doch Dach und Technik des 1968 eröffneten Gebäudes müssten dringend saniert werden. Die neue Perspektive ist ein Umbaubeginn ab 2021. (© Sarah Jonek)

Bielefeld. Die Kunsthalle feiert 2018 ihr 50-jähriges Bestehen. Das markante Gebäude, entworfen vom bekannten amerikanischen Architekten Philip Johnson, hat dem Alter gemäß einen erheblichen Sanierungsstau.

Seit Langem gibt es Forderungen, es zu modernisieren. Doch es fehlt an Geld und Geldgebern. Jetzt hat die Stadt neue Zahlen vorgelegt und eine Finanzplanung ab 2021 in Aussicht gestellt.

Alte Schätzungen mit der Hoffnung auf Fördergeld lagen noch bei 7,5 Millionen Euro. Jetzt geht der städtische Immobilienservicebetrieb (ISB) eher von zehn Millionen Euro aus, bestätigte der kaufmännische Leiter Jürgen Bültmann.

Das sei aktuell "eine belastbare Summe". Er fügt aber hinzu: "Die Sanierung ist noch nicht voll durchgeplant." Und das zeigen andere Großprojekte: In der Regel wird es teurer.

"Die Sanierung ist noch nicht voll durchgeplant."

Längst sollte die Sanierung laufen, eine Kollision mit dem Jubiläum 2018 wurde diskutiert. Doch Planung und das Bemühen um Zuschüsse zogen sich ohne greifbare Ergebnisse hin. Kämmerer Rainer Kaschel (CDU) kündigt jetzt an, dass in die mittelfristige Finanzplanung der Stadt 2021 ein Investitionsvolumen von drei Millionen Euro vorgesehen ist.

Für die Folgejahre gehe der ISB von weiteren 6,6 Millionen Euro aus, heißt es in einer Vorlage für den Hauptausschuss am morgigen Donnerstag.

Die Politiker befassen sich mit dem Thema, weil der Rat noch im Dezember einen wichtigen Beschluss fassen soll, der der Kunsthalle mehr Spielraum gibt. Die Stadt will den laufenden Nutzungsvertrag ändern.

Die Frist dafür läuft am Jahresende aber aus. Weil man sich über die Inhalte noch nicht einig ist, soll der Rat die Frist um ein halbes Jahr auf den 30. Juni 2018 verlängern.

Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) ist bereit, der Kunsthalle eine Gleitklausel einzuräumen, die eine Steigerung des Personalaufwands in Höhe der Tarifsteigerung vorsieht.

Außerdem bietet er an, die Miete für das Gebäude um jährlich 200.000 Euro zu senken. Kulturdezernent Udo Witthaus (SPD): "Damit hätte die Kunsthalle mehr Geld für ihre Aktivitäten."

Insgesamt schießt die Stadt pro Jahr 2,4 Millionen Euro zu, etwa die Hälfte fließt als Miete zurück. Weitere Mitgesellschafter sind die Sparkasse und die Kulturstiftung Pro Bielefeld.

Um die Vertragsgestaltung ringen Stadt und Geschäftsführung aber noch. Der Aufsichtsrat der Kunsthalle wollte im Oktober eigentlich den Weg freigeben, verschob aber einen Beschluss auf eine Sondersitzung am 11. Dezember, drei Tage vor der Ratssitzung.

Hintergrund ist, dass die Politiker von der Geschäftsführung eine "Präzisierung der künftigen Strategie" fordern. "Die Gedanken zur Zukunft der Kunsthalle erachtet der Aufsichtsrat als nicht ausreichend", schreibt Kaschel in der Hauptausschuss-Vorlage.

Kunsthallendirektor Friedrich Meschede sieht keinen Dissens über "die grundsätzliche Ausrichtung". Er werde am 11. Dezember drei Zahlenszenarien vorlegen: Finanzierung ohne Veränderung, bei Mietsenkung oder "nach dem Wunschkonzert".

Meschede verweist auch darauf, dass schon sein Vorvorgänger Ulrich Weisner in den 1990er-Jahren die Modernisierung angemahnt habe.

Vor allem das Dach macht der Kunsthalle zu schaffen. Verdunkelt wird es im Sommer mit Lkw-Planen, die mit Schnüren per Hand aufgezogen werden müssen. Klima-, Haushalts- und Beleuchtungstechnik sind nicht mehr auf dem Stand der Technik.

Günter Küppers vom Förderverein sieht neben dem Renovierungsbedarf aber auch weiter die Notwendigkeit, die Kunsthalle zu erweitern: "Sie platzt aus allen Nähten. Eine Sanierung müsste darauf ausgerichtet sein."

Mit Blick auf andere Städte, die mehr in ihre Kunsthallen stecken, sagt Küppers: "Wir müssen in die Zukunft schauen." Doch die Stadt hat bisher kein Geld für eine Erweiterung. Und private Geldgeber halten sich zurück.

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