Hebammen werden immer mehr gesucht

Florian Pfitzner

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In den vergangenen zehn Jahren ist die Geburtenzahl in NRW von rund 151.000 auf 169.000 pro Jahr gestiegen. - © dpa
In den vergangenen zehn Jahren ist die Geburtenzahl in NRW von rund 151.000 auf 169.000 pro Jahr gestiegen. (© dpa)

Düsseldorf. Meike Meier kennt die alltäglichen Unzulänglichkeiten. Während der Arbeit sei sie schon „froh, wenn ich überhaupt die Grundversorgung einigermaßen abdecken kann", sagt sie im NRW-Landtag. Die Hebamme kritisiert die Begleitung und Betreuung der Schwangeren und ihrer Familien, beides sei „von deutlichen Defiziten geprägt".

Generell haben Schwangere Schwierigkeiten, eine Hebamme zu finden. Je nach Wohnort wird es auch problematisch, einen Platz in einem Kreißsaal zu bekommen. Vor allem in ländlichen Regionen werden die Anfahrtswege länger. Manche Kliniken weisen Frauen ab. Auf den Entbindungsstationen ist eine Geburtshelferin oft für mehrere Gebärende zuständig. So erzählt es Meier in der Anhörung des Ausschusses für Arbeit und Gesundheit.

Laut der Hochschule für Gesundheit ist die Zahl der geburtshilflichen Kliniken im Regierungsbezirk Detmold in den vergangenen zehn Jahren von 22 auf 17 gesunken. Landesweit ging die Zahl der geburtshilflichen Abteilungen (Kliniken und Geburtshäuser) trotz steigender Geburtenrate von 194 auf 153 zurück.

Durch den Rückgang verschlechterten sich die Arbeitsbedingungen in den Kreißsälen stetig, heißt es vom Landesverband der Hebammen NRW. Die Vorsitzende Barbara Blomeier hat eine Studie in den Landtag mitgebracht, wonach die Hälfte der Hebammen häufig drei Frauen gleichzeitig betreut – wenn die Geburtshelfer „nicht gerade den Kreißsaal putzen". Blomeier verlangt eine „hochwertige Betreuung der Frauen statt Fließbandarbeit".

Wegen der schlechten Arbeitsbedingungen und der hohen Versicherungskosten geben immer mehr Hebammen ihren Beruf auf. Oder sie konzentrieren sich nur noch auf die Vor- und Nachbetreuung der Schwangeren. Mittlerweile schieben sich die Anmeldungen weit nach vorne, sagt Meier. „Wer sich nicht bis zur 20. Schwangerschaftswoche um eine Hebamme bemüht, geht meistens leer aus."

Das Deutsche Krankenhausinstitut hat bereits 2014 gewarnt, dass ein Fünftel der Kliniken in Deutschland ihre freien Stellen nicht mehr mit Hebammen besetzen kann; 2016 hat sich der Anteil auf 46 Prozent mehr als verdoppelt. Das verschärft die Arbeitsbedingungen der noch angestellten Hebammen. „Ein Teufelskreis", sagt Blomeier.

Sie fordert deshalb einen Aktionsplan. Die NRW-Regierung solle „Anreize schaffen, damit Hebammen in ländliche Regionen gehen". Blomeier dringt auf ein Melderegister für Geburtshelfer und eine Verlagerung der Ausbildung an die Hochschulen. Der Beruf gehöre auf Meisterebene, sagt Nicola Bauer von der Hochschule für Gesundheit, dies sei „unumgänglich". Gebe es nicht bald ein Konzept, warnt Blomeier, „bricht uns der Nachwuchs weg".

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