Smarthome-Technik boomt in den Küchen

Lothar Schmalen

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Schick und vernetzt: Eine Nolte-Küche, ausgestellt bei der Küchenmöbelmesse Eurocucina Mailand.  - © Frank-Michael Kiel-Steinkamp
Schick und vernetzt: Eine Nolte-Küche, ausgestellt bei der Küchenmöbelmesse Eurocucina Mailand.  (© Frank-Michael Kiel-Steinkamp)

Köln. Die Küchenindustrie zeigt sich zufrieden. Obwohl mit Alno einer der Großen der Branche durch Insolvenz ausgefallen ist, konnte der Gesamtumsatz des Rekordjahres 2016 auch 2017 bei nahezu 11,6 Milliarden Euro gehalten werden. Zu verdanken hat die Branche dies vor allem dem blühenden Exportgeschäft, das erneut um 2,6 Prozent auf 5,03 Milliarden Euro gestiegen ist.

„Noch nie konnte die Küchenindustrie so viel Umsatz im Ausland erzielen", sagte Volker Irle, seit Anfang April neuer Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft „Die moderne Küche" (AMK), in dem 143 Küchenmöbel-, Küchengeräte- und Küchenzubehörhersteller zusammengeschlossen sind. Besonders erfolgreich sind die deutschen Küchenmöbelhersteller in Frankreich (470 Millionen Euro Umsatz, plus 7,5 Prozent) und in den Niederlanden (279 Millionen Euro, plus 11 Prozent)

Der Rückgang des Inlandgeschäfts um 2,0 Prozent auf 6,54 Milliarden Euro sei unter anderem durch den zeitweiligen Ausfall von Alno verursacht, sind sich die AMK-Experten sicher. Alno hat im März 2018 nach der Zuführung von frischem Kapital die Produktion wieder aufgenommen. Produktionsengpässe nach der Alno-Insolvenz in den anderen Küchenwerken hätten für deutlich längere Lieferzeiten gesorgt, so dass viele im Jahr 2017 bestellte Küchen umsatzmäßig erst 2018 bei der Auslieferung zu Buche schlügen. Die Experten hoffen, dass sich die Lieferzeiten bis Ende 2018 wieder normalisiert haben.

Die Rahmenbedingungen für eine weitere positive Geschäftsentwicklung seien günstig: Die Zahl der fertiggestellten Wohneinheiten in Deutschland steige bis 2019 weiter, und die Kunden gäben immer mehr Geld für Küchen aus, erläuterte Martina Sedl-maier, Küchen- und Technologieexpertin des Meinungsforschungsinstituts GfK, das von der AMK mit der Marktbeobachtung beauftragt ist. 6.900 Euro ließen sich die Kunden 2017 ihre neue Küche im Durchschnitt kosten, das waren 200 Euro mehr als im Vorjahr. Vor allem das Geschäft mit den Küchen im oberen Preissegment (mehr als 10.000 Euro) expandiert. In diesem Bereich werden inzwischen 50 Prozent des Umsatzes erzielt. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren war es nur 37 Prozent.

Per Handy kann der Kunde ins Innere des Kühlschranks blicken

Nach dem Wohnzimmer erobere das Smarthome, also die vernetzten Geräte, nun auch die Küche. Kühlschränke, bei denen der Kunde sich über eine Kamera auf dem Handy das Innere, also den noch vorhandenen Inhalt, anschauen könne, Herde und Backöfen mit Koch- beziehungsweise Back-Assistent oder Kleingeräte wie Espresso-Maschinen, die vorab aus der Ferne eingeschaltet werden können, steigerten langsam ihre Verbreitung, erläuterte Sedlmaier.

Die Optik der modernen Küche ist immer häufiger matt (2017: +9 Prozent). Im oberen Preissegment (ab 20.000 Euro) wird inzwischen jede zweite Küche mit Echt-Lack-Oberfläche – glänzend oder matt – gekauft. Die seit Jahren als trendy bezeichneten Küchen ohne Griffe machen immer noch nicht mehr als sieben Prozent aus. Hier steigt der Anteil langsam, aber stetig.

Im Trend sind auch Kochfelder mit integriertem Abzug, wohingegen die mitten im Küchenraum hängende Inselesse ihren Reiz verliert. In immer mehr Küchen fänden sich, so Sedlmaier, inzwischen auch „Kopffrei"-Hauben – das sind schräge Dunstabzugshauben, die dem Kopf beim Kochen mehr Freiheit bieten.

Information

China – der Markt der Zukunft


China rangiert zwar erst auf Rang 7 im Ranking unter den Auslandsmärkten der deutschen Möbelindustrie, doch gehört das Reich der Mitte zweifellos zu den wichtigsten Zukunftsmärkten der Branche. Es weise die weltweit höchsten Wachstumsraten auf. So stieg der Umsatz der deutschen Küchenindustrie in China 2017 um 30 Prozent auf jetzt 92 Millionen Euro (nach einem Plus von 20 Prozent in 2016).

Schon heute würden in China zwei Millionen Küchen im europäischen Preissegment produziert und vertrieben – mehr als im deutschen Markt. Der Gesamtmarkt bei Kücheneinbauten soll nach Prognosen von 15 Milliarden in 2015 auf 22,6 Milliarden Euro in 2018 steigen.

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