Rauchverbot im Auto könnte in Zukunft Kinder besser schützen

Lothar Schmalen

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Rauchen im Auto ist eine Gefahr für Kinder. - © dpa
Rauchen im Auto ist eine Gefahr für Kinder. (© dpa)

Düsseldorf. Seit zehn Jahren gibt es jetzt das Rauchverbot in Gaststätten. Dagegen ist das Rauchen in viel kleineren Räumen wie etwa im Auto weiterhin erlaubt, auch dann, wenn Kinder mitfahren. Die oppositionelle SPD im NRW-Landtag will das ändern und hat deshalb einen Antrag eingebracht für ein Rauchverbot in Autos, in denen auch Minderjährige sitzen. Heute wird er erstmals beraten. Die Antragsteller wollen erreichen, dass die Landesregierung in einer Bundesratsinitiative ein entsprechendes Gesetz einbringt.

Vorbild sind ähnliche Regeln in anderen Ländern. In England gilt ein Rauchverbot für Autos, in denen Minderjährige mitfahren, bereits seit 2015, Schottland zog 2016 nach. Ähnliche Verbote gibt es in Irland, Frankreich, Italien, Griechenland und Teilen der USA. In Österreich ist ein solches Rauchverbot am 1. Mai in Kraft getreten. Es gilt für den Fahrer wie für alle Mitreisenden. Bei einem Verstoß werden Bußgelder fällig, in England beispielsweise 60 Euro. Der Deutsche Ärztetag forderte ein vergleichbares Verbot für Deutschland schon 2016.

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Mehrheit für Verbot

Aus dem Gesundheitsmonitor von 2014 geht hervor, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung (87 Prozent) ein Rauchverbot in Gegenwart von Kindern im Auto begrüßen würden. Sogar 78 Prozent der Raucher sind dafür.

„Passivrauchen schädigt insbesondere die Gesundheit von Kindern, da sie eine höhere Atemfrequenz haben und sich die Lungen bis zum 20. Lebensjahr noch herausbilden", unterstreicht der Detmolder SPD-Landtagsabgeordnete Dennis Maelzer, der auch familienpolitischer Sprecher seiner Fraktion ist. Maelzer verweist auf Erkenntnisse des Deutschen Krebsforschungszentrums. Auf den Rücksitzen eines Autos würde selbst bei teilweise geöffneten Fenstern beim Rauchen einer Zigarette vergleichbar schlechte Luft gemessen wie in einer verrauchten Bar. Bei geschlossenen Fenstern lägen die Werte sogar um bis zum Sechsfachen höher.

Nach Erkenntnissen von Experten verzichteten etwa zwei Drittel der Raucher freiwillig auf das Rauchen im Auto, wenn ein Kind mitfährt. Ein Drittel der Raucher vermeidet das Rauchen im Auto aber nicht grundsätzlich. Rechne man den Anteil auf die Bevölkerung hoch, seien schätzungsweise mehr als eine Million Kinder und Jugendliche direkt von Tabakrauchbelastung im Auto betroffen, heißt es in einem Faktenpapier des Krebsforschungszentrums.

Maelzer weist auch darauf hin, dass der wissenschaftliche Dienst des Bundestags bereits festgestellt hat, dass ein Rauchverbot in Autos, in denen Minderjährige mitfahren, verfassungskonform wäre. Für ein solches Verbot setzt sich auch eine Initiative von Bundestagsabgeordneten aus CDU und SPD ein, ebenso die Bundesdrogenbeauftragte Marlene Mortler (CSU).

Kommentar: Kindeswohl geht vor

von Lothar Schmalen

Dichter Zigarettenqualm im Auto, wenn hinten auf dem Rücksitz Kinder mitfahren – eigentlich sagt schon der gesunde Menschenverstand, dass das nicht gut sein kann. Und dennoch gibt es offenbar immer noch Raucher, die auch mit den Kleinen an Bord die Finger nicht vom Glimmstängel lassen können.
Jeder dritte Raucher nimmt, das haben Umfragen ergeben, am Steuer nicht immer Rücksicht auf die Gesundheit der eigenen Kinder. Und das, obwohl die Luft im engen Auto beim Rauchen noch viel schlechter ist als in jeder Raucherkneipe.

Manche mögen es nach den Rauchverboten in Gaststätten und an öffentlichen Plätzen wie beispielsweise Bahnhöfen als eine weitere Einschränkung ihrer persönlichen Freiheit empfinden. Doch geht hier schlicht das Kindeswohl vor. Das hat die Politik in einer ganzen Reihe von anderen Ländern bereits erkannt. Dort gilt eine entsprechende Regelung teilweise schon seit Jahren. Warum nicht in Deutschland?

Manche ältere Semester mögen sich vielleicht noch an ihre eigene Kindheit erinnern, als der Vater (seltener: die Mutter) bei der Fahrt in den Urlaub den voll besetzten Pkw wie selbstverständlich vollqualmte und einwenden, dass sie das unbeschadet überstanden haben. Damals allerdings saßen die Insassen inklusive der Kinder unangeschnallt im Wagen – auch bei 170 Stundenkilometern oder mehr auf der Autobahn. Niemand käme deshalb auf die Idee, die Anschnallpflicht infrage zu stellen.

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