NSU: Zschäpe-Freund wird in OWL der Freigang gestrichen

Neonazi wieder in geschlossenem Vollzug

VON HUBERTUS GÄRTNER

NSU: Zschäpe-Freund wird in OWL der Freigang gestrichen - © Bielefeld
NSU: Zschäpe-Freund wird in OWL der Freigang gestrichen (© Bielefeld)

Bielefeld. Ein Neonazi aus Dortmund, der einen intensiven Briefkontakt mit der mutmaßlichen Rechtsterroristin Beate Zschäpe unterhalten hat, darf nicht länger im offenen Vollzug in der Haftanstalt Bielefeld-Senne bleiben. Nach Informationen der Neuen Westfälischen wurde er Anfang Januar in das geschlossene Gefängnis nach Werl verlegt, wo er keinerlei Vergünstigungen mehr erhält. Grund für die Verlegung ist die Befürchtung, dass Robin S. weiter gewaltbereit ist und womöglich mit dem NSU-Terror sympathisiert.

Der Neonazi Robin S. (30) hatte im Februar 2007 zusammen mit dem ehemaligen Verfassungsschutzspitzel Sebastian S. aus Lünen in Dortmund ein Geschäft überfallen und dabei einen Tunesier mit einer Pistole niedergeschossen. Robin S. wurde daraufhin zu acht Jahren Haft verurteilt. Während sein Neonazi-Komplize Sebastian S. sich bereits wieder auf freiem Fuß befindet und als früherer Spitzel angeblich mit einer neuen Identität ausgestattet worden sein soll, verbüßte Robin S. seine Haftstrafe zuletzt im offenen Vollzug in der Haftanstalt Bielefeld-Senne. Die Verantwortlichen hielten Robin S. lange Zeit für geläutert. Er selbst hatte stets beteuert, sich von der gewaltbereiten rechten Szene gelöst zu haben.

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(© SYMBOLFOTO: DPA)

Im Juni 2013 waren an dieser Version aber erste große Zweifel aufgetaucht. Durch Zufall wurden in der Zelle von Robin S. zahlreiche Briefe von Beate Zschäpe entdeckt. Zschäpe ist im Münchner NSU-Prozess angeklagt. Zusammen mit den Neonazi-Terroristen Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos soll sie für zehn Morde verantwortlich sein, die an neun Migranten und einer Polizistin verübt wurden.

In Briefen an Beate Zschäpe hatte Robin S. der mutmaßlichen Rechtsterroristin seine Solidarität versichert und dies damit begründet, dass er wisse, wie einsam man sich im Strafvollzug fühle. Daraufhin wurde Robin S. von der Anstaltsleitung in Bielefeld ermahnt, sich an alle Auflagen zu halten, weil er ansonsten seine Resozialisierung gefährde.

Nach Informationen dieser Zeitung wurden bei einer Kon-trolle des Haftraums bei Robin S. Ende Dezember weitere Auffälligkeiten entdeckt. JVA-Bedienstete fanden einen Siegelring mit einem Hakenkreuz sowie Fotos von Beate Zschäpe und der "Streetfighting Crew". Dabei handelt es sich um eine berüchtigte rechte Dortmunder Schlägertruppe, die den Ordnungsdienst für die Nazi-Rockband Oidoxie organisiert hatte. Auch Robin S. war Mitglied in der "Streetfighting Crew".

Der Hamburger Rechtsanwalt Thomas Bliwier, der im NSU-Prozess Nebenklägervertreter ist, hat beantragt, Robin S. und den früheren Spitzel Sebastian S. im NSU-Prozess als Zeugen zu hören. Bliwier vermutet, dass es schon früher Verbindungen zwischen der Dortmunder Neonaziszene und den NSU-Terroristen gab.

Uwe Nelle-Cornelsen, Leiter der JVA Bielefeld-Senne, bestätigte auf Anfrage die Verlegung von Robin S. nach Werl. Es habe "Verstöße gegen die Hausordnung" gegeben, sagte er. Es bestehe zudem der Verdacht, dass Robin S. weiter gewaltbereit sei.

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