Streit um OWL-Bahnlinien geht weiter: Tauziehen zwischen Westfalen- und Eurobahn

Unterlegenes Unternehmen zeigt sich überrascht und denkt über rechtliche Schritte nach

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Noch ist das Teutoburger-Wald-Netz Stammgebiet der Westfalenbahn. - © Symbolbild
Noch ist das Teutoburger-Wald-Netz Stammgebiet der Westfalenbahn. (© Symbolbild)

Bielefeld. Bahner sind eigentlich entspannte Leute. Doch dieser Paukenschlag überrascht selbst langjährige Experten der Szene. Es geht um 5,3 Millionen Zugkilometer pro Jahr und rund 11 Millionen Fahrgäste. Dies sind die imposanten Rahmendaten der Linien, die das sogenannte Teutoburger-Wald-Netz künftig umfasst. Das aktuelle Stammgebiet der in Bielefeld ansässigen Westfalenbahn war vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) für die Jahre 2017 bis 2032 neu ausgeschrieben worden. Mit einem zunächst eindeutigen Ergebnis.

"Die Eurobahn wird neuer Betreiber des Teutoburger-Wald-Netzes", schrieb der NWL Anfang November vergangenen Jahres. Doch nun kassierte die Vergabekammer Westfalen, wie berichtet, diese Entscheidung. Ein Einspruch der Westfalenbahn hatte damit Erfolg. Keines der Angebote dürfe einen Zuschlag erhalten, entschied die Vergabekammer.

Eine Entscheidung, die wiederum die Verantwortlichen der Eurobahn, die sich schon auf die Beschickung des Netzes eingestellt hatten, in Not bringt. "Wir sind über die Entscheidung der Vergabekammer überrascht", sagt Eurobahn-Sprecher Karsten Peter Winter auf Anfrage.

Zwar will er sich inhaltlich nicht im Detail äußern, doch er sagt: "Wesentliche Aspekte zu dem Verfahren sind aus unserer Sicht nicht oder nur eingeschränkt berücksichtigt worden." Deshalb prüfe die Eurobahn "mit dem NWL zusammen" eine mögliche Beschwerde gegen die aktuelle Entscheidung der Vergabekommission.

Ungewisser Ausgang
Über diese müsste dann beim Oberlandesgericht (OLG) Hamm entschieden werden - mit ungewissem Ausgang. Das wiederum kann den Zeitplan zur Vorbereitung des Fahrbetriebs gehörig durcheinanderbringen. Denn sollte das OLG die Entscheidung der Vergabekammer bestätigen - dies könnte nach Ansicht von Experten kaum vor dem Sommer geschehen -, müsste das Ausschreibungsverfahren für das Teutoburger-Wald-Netz komplett neu abgewickelt werden. "Es geht um Fahrzeuge, Personal und Sicherheit für den Fahrgast", betont Winter. Die Eurobahn mit Sitz in Hamm, die auch einen Standort mit Werkstatt in Bielefeld unterhält, legt derzeit 11 Millionen Zugkilometer pro Jahr zurück.

Seit 1999 ist die Eurobahn in Deutschland aktiv; sie hat rund 400 Mitarbeiter. Das Eisenbahnunternehmen gehört zur weltweit aufgestellten Keolis-Gruppe mit rund 55.000 Mitarbeitern. Sitz des Mutterkonzerns ist in Paris.

Die Westfalenbahn GmbH mit Sitz in Bielefeld wird von den Gesellschaftern Mobiel (Bielefeld), Mindener Kreisbahnen GmbH (Minden), der Abellio GmbH (Essen) sowie den Verkehrsbetrieben Extertal (Extertal) gleichberechtigt getragen. Sie hatte zum Jahresende rund 300 Mitarbeiter.

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