Forscher entdecken im Paderborner Boden Spuren des Mittelalters

Einblick in mehrere Kapitel der Stadtgeschichte

Angela Wiese

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Dr. Sven Spiong und Mitarbeiter gruben Reste vom Hellweg auf dem Domplatz aus - © Hans-Hermann Igges
Dr. Sven Spiong und Mitarbeiter gruben Reste vom Hellweg auf dem Domplatz aus (© Hans-Hermann Igges)
LWL-Archäologen bei Grabungen im Domplatz Paderborn. - © Hans-Hermann Igges
LWL-Archäologen bei Grabungen im Domplatz Paderborn. (© Hans-Hermann Igges)

Paderborn. Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe haben auf dem Paderborner Domplatz Spuren des Mittelalters freigelegt. Unter anderem entdeckten die Forscher die älteste Variante des Hellwegs als zentralem Handelsweg der Region. Sogar mittelalterlichen Müll haben die Archäologen gefunden.

Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) erforschen derzeit das Herzstück der Stadt Paderborn, den Domplatz. Dort ist diese älteste Variante des Hellwegs als zentraler Handelsweg der Region zum Vorschein gekommen. Und nicht nur das. Auch andere archäologische Funde sorgen dafür, dass die Paderborner Stadtarchäologie ihre Erkenntnisse über das Werden der Stadt weiter präzisieren kann, schreibt der LWL in einer Pressemitteilung.

Einblick in die Stadtgeschichte

Bauarbeiten auf dem Platz vor dem Dom ermöglichten den Archäologen nach Angaben des LWL einen Blick in den Boden und damit auch den Einblick in mehrere Kapitel Paderborner Stadtgeschichte. Zwei Schächte wurden hier errichtet - mit wissenschaftlicher Begleitung durch die Archäologen. Dabei kam in einer Tiefe von 1,05 bis 1,30 Metern das historische Pflaster des Hellwegs zum Vorschein.

Um 1150/80 erhielt der Weg, der die Menschen der Region seit jeher mit wichtigen Handelszentren verband, eine erste Pflasterung und damit auch den Garant für eine bessere Mobilität. Der Hellweg verlief zwischen dem Domkirchhof im Norden und der 1170/80 errichteten Gaukirche im Süden. Der Domkirchhof war wiederum durch eine Kirchhofmauer abgegrenzt, die ebenfalls unter den Werkzeugen der Archäologen zum Vorschein kam.

Teile der Friedhofsmauer noch erhalten

Die 80 Zentimeter breite Friedhofsmauer war noch 75 Zentimeter hoch erhalten. Auch den ursprünglichen und später wieder verschlossenen Zugang zum Friedhof konnten die Archäologen noch nachvollziehen. Das später über dem ersten Hellweg gebaute Pflaster wurde bei den Ausgrabungen wieder sichtbar - inklusive des mittelalterlichen "Mülls". Die grün glasierte Keramik ist von vielen Füßen und Wagenrädern in das Pflaster eingetreten worden und zeigt, dass die Paderborner bis ins 16./17. Jahrhundert diesen Weg nutzten.

Begeistert sind die Fachleute von einem Mauerrest, der noch älter als das Hellwegpflaster ist. Für die Pflasterung wurde diese mit 1,60 Metern Fundamentstärke sehr eindrucksvolle Mauer abgebrochen. Darüber bauten die Paderborner um 1170/80 die Gaukirche. Zu welchem Gebäude diese Mauer gehörte, lasse sich nicht mehr klären. Es könnte sich um einen ebenfalls sakralen Bau handeln oder um ein funktional völlig anders ausgerichtetes Gebäude.

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