Die Bilder bleiben

An diesem Samstag jährt sich der Todestag von Anja Niedringhaus zum ersten Mal

Christine Longère

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Weiße Rose: Das Grab von Anja Niedringhaus am dem Friedhof Am Wall in Höxter. - © David Schellenberg
Weiße Rose: Das Grab von Anja Niedringhaus am dem Friedhof Am Wall in Höxter. (© David Schellenberg)
Gesichter des Krieges: Mit Bildern aus Afghanistan gestaltete Anja Niedringhaus eine Holzpostkarte und einen Künstlerkoffer für die Sammlung des Dalhauseners Heiner Hussong. - © Jürgen Böker
Gesichter des Krieges: Mit Bildern aus Afghanistan gestaltete Anja Niedringhaus eine Holzpostkarte und einen Künstlerkoffer für die Sammlung des Dalhauseners Heiner Hussong. (© Jürgen Böker)

Höxter. "Wir vermissen dich" wird auf der Schleife des Kranzes stehen, der das Grab auf dem Höxteraner Friedhof am Wall schmücken wird. Nicht nur die Kollegen der amerikanischen Presseagentur Associated Press (AP), die mit diesem Gruß zum ersten Todestag der Trauer um die ermordete Fotografin Ausdruck geben, vermissen Anja Niedringhaus.

Die Schüsse aus der Kalaschnikow, die am 4. April 2014 in der Provinz Khost im Osten Afghanistans fielen, lösten weltweites Entsetzen aus. Nach Auskunft von Heide Ute Niedringhaus-Schulz, der in Höxter lebenden Mutter der Getöteten, werden zum Jahrestag Freunde und Kollegen teilweise von weither anreisen, um der Journalistin zu gedenken, die für ihren Beruf ihr Leben gab.

Information
Ausstellung

„Anja Niedringhaus – At World“ ist der Titel einer Ausstellung im Korbmacher-Museum Dalhausen.

Sie wird eröffnet am Sonntag, 12. April, um 11.30 Uhr (bis 25. Mai).

Die in Dalhausen gezeigten Bilder vermitteln einen Eindruck von der Vielseitigkeit der Fotografin.

Unter den Exponaten sind auch eine Holzpostkarte und ein Künstlerkoffer, die sie für den Dalhausener Sammler Heiner Hussong gestaltete.

"Ich mache meine Arbeit nur, um vom Mut der Menschen mit meiner Kamera und meinem Herzen zu berichten", sagte Anja Niedringhaus. Sie wollte das Gesicht des Krieges zeigen, wollte zeigen, was Krieg mit Menschen macht. Ihr Mut wurde mit Ehrungen und Auszeichnungen gewürdigt. 2005 erhielt sie als erste deutsche Frau - zusammen mit neun AP-Kollegen - den Pulitzerpreis. Im selben Jahr wurde ihr in Los Angeles der Preis für Mut im Journalismus der International Women's Media Foundation (IWMF) verliehen. Zehn Jahre später reisten die Mutter von Anja Niedringhaus und ihre Schwester Elke in die USA, um an einer Gedenkveranstaltung teilzunehmen, die daran erinnerte.

Eine Vielzahl von Ausstellungen und rückblickenden Würdigungen - ob beim Internationalen Fotofestival im französischen Perpignan, der Photokina in Köln, dem Forum für Fotografie im schweizerischen Winterthur - belegen das hohe Ansehen, das Anja Niedringhaus mit ihrem Schaffen erwarb. "Für mich war Anja eine Freundin und ein Vorbild des Fotojournalismus." Mit diesen Worten begründete der Philanthrop Howard Graham Buffett die Zuwendung in Höhe von einer Million US-Dollar für einen Anja-Niedringhaus-Preis, der an Fotojournalistinnen verliehen wird, die die Hingabe der gebürtigen Höxteranerin teilen. Erste Preisträgerin ist die freiberuflich in Jerusalem arbeitende amerikanische Fotojournalistin Heidi Levine. Anja Niedringhaus zu Ehren übergibt die IWMF den Preis am 25. Juni in Berlin.

Neben ihrer Geburtsstadt Höxter, an der sie sehr hing und wo sie bei der Neuen Westfälischen ihre ersten journalistischen Erfahrungen sammelte, und dem Wohnsitz bei ihrer Schwester Gide in dem ehemaligen Forsthaus bei Kassel war Genf mit dem Fitnessclub, in dem sie trainierte, und dem See, in dem sie gerne schwamm, ein wichtiger Rückzugsort für Anja Niedringhaus. Dort wohnte sie seit zwölf Jahren, mittlerweile hatte sie in der Schweiz ein permanentes Aufenthaltsrecht. "Ich muss nach Genf," habe sie oft gesagt, wenn sie Erholung brauchte, erzählt ihre Mutter. Ihr Plan sei gewesen, den Genfer See schwimmend zu durchqueren. Sie konnte das Vorhaben nicht mehr verwirklichen.

Bei der Auflösung der Wohnung in Genf habe sie eine Vielzahl von Festplatten mit bisher unbekannten Fotos gefunden, berichtet Niedringhaus-Schulz. Sie verstehe es als Auftrag, diese Bilder nach und nach der Öffentlichkeit zu zeigen. Einige dieser Bilder werden in der Ausstellung "Anja Niedringhaus - At World" in Dalhausen zu sehen sein. Es sind Bilder voller Dramatik, aber auch voller Poesie wie das der mit Burkas verhüllten Frauen, die die Erinnerung wach halten an eine Fotografin, der es vor allem darum ging, die Menschen in den von Konflikten betroffenen Regionen zu verstehen und ihre Geschichten zu erzählen.

Den über 2.000 Journalisten, Reportern, Kameraleuten, Fotografen, die seit 1944 in Ausübung ihres Berufes getötet wurden, ist ein Mahnmal in Bayeux in der Normandie gewidmet. Es wurde 2006 eingeweiht und geht auf eine Initiative der Stadt Bayeux, die 1944 als erste von den Alliierten befreit wurde, und der Organisation Reporter ohne Grenzen zurück. Ein landschaftlich gestalteter Weg durch einen Kiefernwald wird von weißen Marmorsäulen gesäumt. Eine dieser Stelen trägt auch den Namen Anja Niedringhaus.

Journalismus sei ein Beruf für mutige und leidenschaftliche Menschen, die die Welt fair und genau informieren wollten, wandte sich AP-Präsident Gary Pruitt im vorigen Jahr an die Mitarbeiter der Agentur. Er fügte hinzu: "Anja Niedringhaus hat diese Definition in jeder Weise erfüllt. Wir werden sie furchtbar vermissen."

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