Softwarehersteller Orga Systems ist insolvent

Gericht bestellt vorläufigen Insolvenzverwalter / 650 Mitarbeiter betroffen

Andrea Frühauf

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  2. Orga Systems Paderborn
Das Orga-Systems-Gebäude am Hoppenhof in Paderborn, teilweise wird es genutzt von der Stadtverwaltung und anderen Firmen. - © Marc Köppelmann
Das Orga-Systems-Gebäude am Hoppenhof in Paderborn, teilweise wird es genutzt von der Stadtverwaltung und anderen Firmen. (© Marc Köppelmann)

Paderborn. Der Paderborner Softwarehersteller Orga Systems ist zahlungsunfähig und hat die Insolvenz beantragt. Die weltweit 650 Mitarbeiter, davon gut 200 am Firmensitz in Paderborn, bangen jetzt um ihre Arbeitsplätze. Das Amtsgericht Paderborn hat den Düsseldorfer Anwalt Frank Kebekus zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Der Geschäftsbetrieb soll weitergeführt werden. Die Gehälter sind im Zuge der Insolvenz für drei Monate gesichert.

Orga Systems entwickelt Abrechnungssysteme zum Beispiel für Handykarten und Stromzähler. Dem Unternehmen bleibe jetzt nur wenig Zeit, um eine Lösung zu finden, betonte Martina Bee von der Industriegewerkschaft Metall gegenüber dem WDR.

Bereits im vergangenen September hatte die Geschäftsführung einen Sanierungsversuch gestartet. Damals wurden etwa 60 Arbeitsplätze abgebaut. Grund für den geplanten Stellenabbau war damals eine "nötige Restrukturierung" des Softwareunternehmens, da die Geschäftsergebnisse sich schlechter entwickelten als erhofft und der Umsatz nach unten korrigiert werden musste. "Der Standort Paderborn steht aber nicht in Frage", wurde damals betont.
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Laut Bundesanzeiger hatte das Unternehmen bereits 2013 einen Fehlbetrag von 32,3 Millionen Euro - nach 346.000 Euro Verlust im Jahr zuvor. Zahlen zu Umsatz und Ergebnis hat das Unternehmen nie genannt. Laut Bundesanzeiger war der Umsatz der Orga-Gruppe 2012 noch um knapp 3 Prozent auf 80,15 (2011: 78) Millionen Euro gestiegen. Bestehende Kreditverträge mit Banken über 25 Millionen Euro mussten zum 31. März 2015 verlängert werden, was offenbar die Insolvenz unausweichlich machte.
2012 viel in neue Märkte investiert

Die Orga-Gruppe hatte 2012 viel Geld für den Eintritt in neue Märkte investiert. Der Nischenanbieter musste sich gegenüber großen Konkurrenten wie Oracle und SAP behaupten. Orga Systems, eine Tochter der Günther Holding GmbH (Hamburg), hat elf weitere Standorte, darunter in Berlin, Kalkutta, Rio de Janeiro, Buenos Aires, Rom und Kiew.

Das Orga-Gebäude in Paderborn steht angeblich seit längerem zum Verkauf. Schon 2011 hatte die Deutsche Immobilien-Leasing laut Berichten das Gebäude für 12 Millionen Euro, mit Sanierung für 15 Millionen Euro, angeboten. Damals hatte die Stadt einen Kauf aber abgelehnt.

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