Fahrplanwechsel: Deutsche Bahn-Tickets werden im Schnitt um 1,9 Prozent teurer

Franz Purucker

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Deutsche Bahn - © Foto: Sebastian Kahnert
Fahrkarten-Betrug: Das Unternehmen setzt nun auf Abschreckung bei den Ticket-Käufern. (© Foto: Sebastian Kahnert)

Bielefeld. Seit Dienstag. 18. Oktober ist der vom 11. Dezember an gültige Fahrplan der Bahn im Internet abrufbar. Auf einigen Strecken wird das Angebot erweitert: Zwischen Frankfurt, Köln und Brüssel zum Beispiel fahren künftig zwei zusätzliche ICE-Paare täglich.

Auch abseits großer Städte gibt es vor allem frühmorgens, abends und zum Wochenende zusätzliche Verbindungen. Sparfüchse können wieder günstige Sparpreise ergattern – ab sofort sogar für 180 Tage im Voraus. Besonders begehrt sind die 19- Euro-Tickets für Fahrten in der Weihnachtszeit. Mit dem Fahrplanwechsel gibt es einige Neuerungen im Bahnverkehr.

Freies Internet für alle

Bislang konnten nur Fahrgäste der 1. Klasse und Telekom-Kunden das Bord-WLAN in ICE-Zügen kostenfrei nutzen. Pünktlich zum Fahrplanwechsel wird das Internet für alle Reisenden kostenfrei. Dazu kooperiert die Bahn mit dem neuen Anbieter Icomera, der mit allen drei Mobilfunknetzbetreibern zusammenarbeitet. Bislang sorgte die Telekom für das Bord-WLAN.

Flexpreis nach Reisetag

Der Flexpreis (früher: Normalpreis) – also der Preis für spontane Fahrten, ohne sich auf einen bestimmten Zug festzulegen – schwankt künftig je nach Reisetag. An besonders begehrten Reisetagen, wie Freitag und Sonntag, ist dieser rund drei Prozent teuer, an Tagen mit weniger Andrang wiederum drei Prozent billiger. Das Konzept hatte die Bahn bereits auf einigen Strecken in Bayern ausprobiert und testet es nun auf Linien in ganz Deutschland. Betroffen sind nur Fernverkehrstickets.

IC 2 auf allen Fahrten

Auf der Strecke Köln-Bielefeld-Leipzig-Dresden werden sämtliche Intercity-Fahrten auf den neuen IC2-Zug umgestellt. Bereits seit September fahren einige Linien mit den neuen Zügen. Die Doppelstockwagen des Herstellers Bombardier sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Probleme, weil sie während der Fahrten wankten und es oft Probleme mit den Türen gab. Besonders bitter: Der Halt Bad Oeynhausen fällt auf dieser IC-Linie komplett weg, weil die neuen Züge langsamer sind als die alten IC-Wagen.

City-Night-Line endet

Der Nachtzug der Deutschen Bahn (DB) von Köln über Bielefeld nach Warschau und Prag wird eingestellt. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) übernehmen zahlreiche Nachtverbindungen der DB, beispielsweise von Hannover über Nürnberg und Passau nach Wien.

Die Züge heißen jetzt Nightjet und führen zum Teil sogar Wagen zur Autobeförderung mit. Angekündigt wurden Sparpreise – vor allem für Familien. Tickets dafür sind auch bei der DB erhältlich. Die durch OWL verkehrenden City-Night-Line wollen die ÖBB aber nicht weiterführen. Zwischen Köln und Berlin will die DB stattdessen Nacht-ICs einführen. Die Halte in Gütersloh und Bielefeld bleiben erhalten.

Fernverkehr teurer

Wie bereits angekündigt, erhöht die Bahn zum Fahrplanwechsel die Ticketpreise im Fernverkehr um 1,9 Prozent. Streckenzeitkarten steigen um 3,9 Prozent. Teurer wird auch die Ticket-Stornierung: Die Gebühr steigt von 17,50 Euro auf 19 Euro.

Allerdings tüftelt die Bahn an einem neuen System: Testweise wurden in ausgewählten Berliner Reisezentren Fahrkarten, verkauft, die kostenfrei storniert werden konnten, wenn der Kunde beim Umtausch einen Gutschein statt Bargeld akzeptiert. Bei einigen Fernbusanbietern ist diese Art der Stornierung üblich.

Sparpreise länger

Sogenannte Europa-Sparpreise werden künftig, wie bereits bei innerdeutschen Verbindungen üblich, bis kurz vor Abfahrt verkauft. Neu ist allerdings, dass die Bahncard nur noch auf dem Streckenabschnitt innerhalb Deutschlands anerkannt wird – nicht mehr im Ausland. Bislang gab es mit der Bahncard 25 „Europa-Spezial"-Tickets in angrenzende Eurostaaten ab 29,25 Euro.

Kommentar: "Noch mehr Fahrpreis-Wirrwarr"

von Franz Purucker

Seiner Großmutter das Tarifsystem der Bahn zu erklären, wird in Zukunft noch komplizierter. Bislang konnten Reisende entweder ein Sparpreisticket kaufen, das besonders billig, dafür aber zuggebunden ist, oder ein Normalpreisticket, das immer gleich viel kostete, aber für alle Züge galt.

Genau an letzterem dreht die Bahn in Zukunft: Künftig ist der Fahrpreis an einigen Tagen teurer, an anderen billiger – je nachdem wie beliebt der Reisetag ist. Gerade Spontanfahrer werden damit bestraft. Unverständlich, denn zur Auslastung der Züge sind doch eigentlich die Sparpreise gedacht.

Doch Bahnfahrer werden noch in weiterer Hinsicht bestraft: Wer sein Ticket storniert, muss dafür künftig 19 statt 17,50 Euro löhnen. Dabei hätte die Bahn hier vom Fernbus lernen können. Wer seine Fahrt bei Flixbus nicht wie geplant antreten kann, bekommt einen Gutschein über den vollen Fahrpreis für die nächste Fahrt – ganz ohne Gebühren.

Auch in Sachen Spontanität ist der Bus flexibler als die Bahn: Bis zu 15 Minuten vor Abfahrt können Fahrgäste auf einen anderen Bus umbuchen – ebenfalls kostenfrei. Die Bahn hat es wegen der Fusion von Flixbus und Postbus nur noch mit einem ernstzunehmenden Wettbewerber auf der Straße zu tun – das macht sich nun schmerzlich bemerkbar.

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