BGH bestätigt Urteil wegen Beihilfe zum NS-Massenmord

dpa und Silke Buhrmester

Oskar Gröning - © Foto: dpa
Der frühere SS-Mann Oskar Gröning. Foto: Axel Heimken (© Foto: dpa)

Karlsruhe/Lage. Erstmalig ist ein Urteil gegen einen ehemaligen SS-Mann wegen Beihilfe zum Mord im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz rechtskräftig geworden. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofes, die am Montag veröffentlicht wurde, wird sicherlich auch Auswirkungen auf die Entscheidung der Revision im Auschwitz-Verfahren gegen den ehemaligen SS-Mann Reinhold Hanning in Lage haben.

Wie der Bundesgerichtshof (BGH) am Montag mitteilte, ist das Urteil gegen den früheren SS-Mann Oskar Gröning wegen Beihilfe zum massenhaften Mord im NS-Vernichtungslager Auschwitz rechtskräftig.

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    Die Erklärung der Nebenkläger-Vertreter Thomas Walterm Cornelius Nestler und Manuel Mayer finden Sie hier


Dies hatte zuvor bereits Grönings Verteidiger Hans Holtermann gesagt. Die Karlsruher Richter verwarfen nach eigenen Angaben bereits am 20. September die Revisionen, die der 95-Jährige sowie Nebenkläger eingelegt hatten. Diese wollten, dass der in der Presse «Buchhalter von Auschwitz» genannte Gröning als Mittäter bestraft wird.

Gröning war im Juli 2015 vom Landgericht Lüneburg zu vier Jahren Haft verurteilt worden, weil er durch seinen Beitrag zur Tötungsmaschinerie in dem Lager den Mord an 300.000 Menschen befördert haben soll. Er hatte eingeräumt, das Geld der verschleppten Juden verwaltet und die Ankunft der Transporte mit beaufsichtigt zu haben. (Az. 3 StR 49/16)

Stellungnahme des Internationalen Auschwitz Komitees:

Zur Revisionsentscheidung des Bundesgerichtshofes in Sachen Gröning/Auschwitz-Prozess in Lüneburg betonte in Berlin der Exekutiv-Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees Christoph Heubner:

"Für die Überlebenden von Auschwitz ist dies ein wichtiger Tag in ihrem Verhältnis zu Deutschland: Der Bundesgerichtshof bestätigt endlich die Realität der Todeslager und die immer wieder von den Überlebenden öffentlich vorgetragenen Schilderungen des Mordsystems in Auschwitz. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofes lässt auch endgültig deutlich werden: Jeder, der in Auschwitz mitgemacht hat, ist mitverantwortlich und mitschuldig.

Für zukünftige Prozesse im Blick auf Völkermord wird dies ein lange wirkendes Signal sein. Die Entscheidung des Bundesgerichtshofes ist aber auch eine Bestätigung dafür, dass in Deutschland die meisten Täter aus Auschwitz davongekommen sind, weil man über Jahrzehnte die mörderische und perfide Gesamtstruktur des Lagersystems nicht sehen wollte."

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