Bielefeld verbraucht jährlich 20 Millionen Einwegbecher

Anneke Quasdorf

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Der Kaffeebecher zum mitnehmen. - © dpa
Der Kaffeebecher zum mitnehmen. (© dpa)

Bielefeld. 320.000 Kaffeebecher werden in der Bundesrepublik laut Deutscher Umwelthilfe verbraucht – und zwar stündlich. Allein für Bielefeld schätzt die Verbraucherzentrale 20 Millionen weggeworfene Becher im Jahr. Damit hat der Kaffeebecher die Plastiktüte als Abfallverursacher Nummer eins abgelöst.

Nun gibt es Versuche, gegenzusteuern. Das niedersächsische Umweltministerium plant ein Pfandsystem. Derzeit würden mehrere Varianten für ein Pfandsystem geprüft, teilte ein Sprecher mit. Optionen seien, Mehrwegbecher einzuführen oder Kundenbecher wieder zu befüllen.

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NRW dagegen verweist auf die Bundesregierung. „Die Frage, ob dieses Problem gesetzlich angegangen werden soll, liegt zunächst beim Bund", sagt Tanja Albrecht, Pressesprecherin im Umweltministerium. Die Landesumweltminister hätten Berlin gebeten, unterschiedliche Ansätze gegen Einwegkaffeebecher zu prüfen – etwa durch mehr Konsumentenaufklärung und freiwillige Maßnahmen der Wirtschaft. Falls das nicht wirke, solle der Bund über „andere rechtliche Maßnahmen" nachdenken, heißt es aus Düsseldorf. Die sind aus Sicht der Umweltverbände dringend.

Denn selbst Kaffeeanbieter, die ökologisch handeln wollen, können freiwillig wenig ausrichten. Grund: die deutschen Hygienevorschriften. „Mir sind durch das Gesundheitsamt die Hände gebunden", sagt etwa Axel Deppe vom Coffee Store Bielefeld, der immerhin 20 Prozent seines Umsatzes mit Kaffee „to go" macht. Er dürfe keine mitgebrachten Becher hinter die Theke nehmen, weil Keime den Arbeitsbereich verschmutzen könnten. Für Gastronomen gelte das Produkthaftungsgesetz: Wenn es hinterher Beschwerden gibt, muss der Inhaber haften. Auch Henrik Krömker vom Kontor Kaffee Herford würde gern Mehrwegbecher befüllen, „aber das Risiko kann ich nicht eingehen".

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"Freiburg Cup"
Bisher gibt es nur unkoordinierte Initiativen, um der Müllflut Herr zu werden. In Freiburg wurde ein Pfandsystem eingeführt. Die Kunden erhalten dort den Mehrwegbecher „Freiburg-Cup", für den sie einen Euro Pfand zahlen.

Im Gesundheitsamt Paderborn heißt es, die Hygiene stehe stets im Vordergrund: „Wir haben in Deutschland einen sehr hohen Standard, was diese Dinge betrifft", sagt Pressesprecherin Michaela Pitz. „Sobald Gegenstände von außen hinter die Theke genommen werden, würde man den ganzen Laden infizieren. Wir haben genug Erfahrungen mit EHEC-Keimen oder Listerien, um zu wissen, dass wir strenge Richtlinien brauchen."

Thomas Keitel vom Hotel- und Gaststättenverband sieht zwar „natürlich das Problem mit dem Müll", ist beim Pfand aber skeptisch. „Das beginnt ja schon damit, dass bei einem einheitlichen Becher die Betriebe auf ihr Logo verzichten müssten."

In Paderborn hat kürzlich der erste "Unverpackt"-Laden in der Region eröffnet.

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