Vor zehn Jahren fegte Orkan Kyrill über Lippe hinweg

Nele Wehmöller

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Ein Wald liegt am Boden: Das Bild eines Waldbestandes im Eggegebierge bei Altenbecken verdeutlicht die Dimension des Orkanschadens. Insbesondere Fichten wurden umgeworfen oder abgeknickt. - © Jan Preller
Ein Wald liegt am Boden: Das Bild eines Waldbestandes im Eggegebierge bei Altenbecken verdeutlicht die Dimension des Orkanschadens. Insbesondere Fichten wurden umgeworfen oder abgeknickt. (© Jan Preller)

Paderborn/Düsseldorf. Der 18. Januar 2007 ist ein trüber Tag in Ostwestfalen-Lippe. Der Himmel ist wolkenverhangen und die Luft ist für einen Wintertag im Januar erstaunlich mild. Der Wetterdienst gibt Unwetterwarnungen heraus, weil ein Tiefdruckgebiet Richtung Mitteleuropa zieht.

Orkan Kyrill ist mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 225 Kilometer pro Stunde auf dem Weg. Doch wie schrecklich die Folgen der Sturmnacht für OWL und den Rest von NRW werden, ahnt noch niemand.

Information

Orkan Kyrill im Kreis Lippe

Etwa 2.100 Feuerwehrleute waren vor zehn Jahren im Kreis Lippe im Einsatz, um die Folgen von Orkan Kyrill zu beseitigen. Insgesamt koordinierte die Leitstelle Lemgo damals rund 990 Einsätze und bewältigte 2.900 Anrufe. Beschädigte Gebäude, vollgelaufene Keller und demolierte Autos waren unter anderem die Folge.13.380 Schäden sind der Versicherung damals gemeldet worden.

In der Sturmnacht kommt das öffentliche Leben zum Erliegen. Behörden, Hochschulen, Betriebe und Schulen schließen vorzeitig. In Hunderten Haushalten fällt der Strom aus. Umgestürzte Bäume zerstören Häuser und verursachen ein Verkehrschaos. Die Bahn stellt zum ersten Mal in ihrer Geschichte den Betrieb flächendeckend ein.

Alleine an den Bahnhöfen in OWL stranden Hunderte Reisende, die teilweise in Zügen übernachten, weil die Hotels schnell ausgebucht sind. An der Infrastruktur in NRW entstehen Schäden von mehr als 500 Millionen Euro.

In der Sturmnacht kommen in NRW sechs Menschen ums Leben. 153 Menschen werden zum Teil lebensgefährlich verletzt. Die Einsatzkräfte des Katastrophenschutzes und der Polizei sind im Dauereinsatz, sie fahren 55.000 Einsätze.

Gefährliche Aufräumarbeiten: Forstwirt Norbert Schillings trennt den Stamm einer Fichte vom Wurzelteller im Haarener Wald in Bad Wünnenberg. - © Friedrich Bertmann
Gefährliche Aufräumarbeiten: Forstwirt Norbert Schillings trennt den Stamm einer Fichte vom Wurzelteller im Haarener Wald in Bad Wünnenberg. (© Friedrich Bertmann)

Doch erst, als am 19. Januar nach der verheerenden Sturmnacht die Sonne aufgeht, zeigt sich das gesamte Ausmaß der Zerstörung, das Kyrill zurückgelassen hat.

In NRW ist die Kraft des Orkans besonders in den Wäldern im Sauerland und im Siegerland spürbar, aber auch im Eggegebirge entstehen große Schäden. Kyrill wirft auf einer Schadensfläche von 50.000 Hektar 25 Millionen Bäume um.

Zum Vergleich: Die in der Sturmnacht umgeworfene Holzmenge wird sonst in drei Jahren durch normalen Holzeinschlag erreicht. „Für viele Waldbauern hat Kyrill die Arbeit von Generationen und damit auch Existenzen vernichtet", erklärt der Leiter des Regionalforstamts Hochstift, Roland Schockemöhle.

„Kyrill war auch für die Region OWL eine Katstrophe, auch wenn Südwestfalen und andere Teile des Landes noch stärker betroffen waren." Der Schaden in den Wäldern in NRW beläuft sich auf mehr als 1,5 Milliarden Euro. Kyrill entwurzelt vor allem Fichten, weil die Baumart flach wurzelt und der Boden am 18. Januar durchnässt ist. „Die Fichte sollte deshalb aber nicht verteufelt werden, weil sie nach wie vor eine wichtige Baumart für die heimische Waldwirtschaft ist", sagt Schockemöhle. „Doch seit Kyrill wird mehr auf eine gesunde Mischung im Wald geachtet, obwohl waldbaulich nur bedingt Sturmschäden verhindert werden können."

Bereits am Tag nach Kyrill beginnen landesweit Aufräumarbeiten. In NRW verunglücken dabei acht Menschen tödlich. Zudem verletzen sich 800 Menschen. Allein die Aufarbeitung der Hauptschäden im Wald dauert mehr als zwei Jahre.

Zerstörung: Luftbild eines geworfenen Waldbestands im Eggegebirge bei Altenbeken-Buke im Kreis Paderborn. - © Joachim Padberg
Zerstörung: Luftbild eines geworfenen Waldbestands im Eggegebirge bei Altenbeken-Buke im Kreis Paderborn. (© Joachim Padberg)

Fakten zum Orkan Kyrill in OWL

Verletzte:

  • 153 Verletzte in der Kyrillnacht
  • 800 Verletzte bei den Aufräumarbeiten

Todesopfer:

  • 6 Tote in der Kyrillnacht
  • 8 Tote bei den Aufräumarbeiten

Einsätze:

  • 41.500 Einsätze des Katastophenschutzes
  • 13.500 Einsätze der Polizei

Finanzen:

An der Infrastruktur in NRW entsteht ein Schaden von mehr als 500 Millionen Euro. In den Wäldern des Landes liegt der Schaden bei mehr als 1,5 Milliarden Euro. Die EU schüttet Fördergelder aus, im Zentrum der Förderung steht die Instandsetzung der Infrastruktur. NRW erhält mehr als 65 Millionen Euro. Nach OWL fließen rund 4,6 Millionen Euro. Kreis Paderborn: 1,6 Millionen Euro, Kreis Höxter: 1,2 Millionen Euro, Kreis Lippe: 950.000 
Euro, Kreis Minden-Lübbecke: 393.000 Euro, Kreis Herford: 291.000 Euro, 
Kreis Gütersloh: 124.00 Euro und Bielefeld: 23.000 Euro.

Holzschaden

Die Schadensfläche in den Wäldern in NRW ist 50.000 Hektar groß. Der Privatwald war am stärksten betroffen. Kyrill hat 25 Millionen Bäume entwurzelt oder abgeknickt. Durch den Sturm sind 15,7 Millionen Festmeter Holz angefallen. Das entspricht etwa dem Dreifachen des durchschnittlichen Jahreseinschlags in NRW. Das Regionalforstamt OWL registrierte 365.000 Festmeter Sturmholz und das Regionalforstamt Hochstift 500.000 Festmeter. Zum Vergleich: Auf einen Holztransporter passen 25 Festmeter.

Zum Herunterladen
  1. Die LZ-Ausgabe vom 19. Januar 2007
  2. LZ-Bericht zu Kyrill vom 19.1.2007
  3. LZ-Titelseite zu Kyrill vom 19.1.2007

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