So viele Flüchtlinge kamen in den vergangenen drei Jahren nach OWL

Carolin Nieder-Entgelmeier

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2016 sind den 70 Kommunen in der Region 7.171 Zuwanderer zugewiesen worden. - © dpa
2016 sind den 70 Kommunen in der Region 7.171 Zuwanderer zugewiesen worden. (© dpa)

Bielefeld. Das Flüchtlingsaufkommen in OWL ist 2016 deutlich zurückgegangen. 7.171 Flüchtlinge sind den 70 Kommunen zugewiesen worden, was ungefähr dem Niveau von 2014 mit 5.211 Zuwanderern entspricht.

Zum Vergleich: 2015 waren es noch 26.749 Flüchtlinge. Verändert habe sich nach Angaben des Bielefelder Sozialdezernenten Ingo Nürnberger auch die Zusammensetzung der Gruppen.

„Der Anteil der Iraker ist deutlich gestiegen und der Anteil der Syrer gesunken. Zudem kommen mehr Frauen und Kinder, der Anteil alleinreisender Männer sinkt." In den Kommunen hat sich die Lage demnach entspannt, doch noch immer gibt es viele Probleme. Experten aller Kreisstädte geben einen Überblick:

Flüchtlingsaufkommen in OWL - © Quelle: Bezirksregierung Arnsberg
Flüchtlingsaufkommen in OWL (© Quelle: Bezirksregierung Arnsberg)


Bielefeld

683 Flüchtlinge sind der Stadt 2016 zugewiesen worden. „Aufgrund der sinkenden Zahlen und der verbesserten Infrastruktur von der Anmeldung bis zur Integration hat sich die Lage entspannt", sagt Nürnberger. „Wir müssen Flüchtlinge nicht mehr in Turnhallen unterbringen und können die Zahl großer Gruppenunterkünfte verringern."

Durch die Stärkung des sozialen Wohnungsbaus können immer mehr Flüchtlinge dezentral untergebracht werden. Die Schaffung zusätzlicher Kita- und Schulplätze habe zudem Wartezeiten verkürzt. „Wenn Kinder Deutsch lernen, profitieren auch die Eltern. Deshalb sind Kinderbetreuung und Schule die wichtigsten Wege zur Integration."

Problematisch seien nach wie vor die langen Wartezeiten im Bundesamt für Migration (BAMF). „Es gibt Menschen, die länger als ein Jahr auf ihren Bescheid warten und in dieser Zeit keinen Anspruch auf die BAMF-Sprachkurse haben." Auch die Vermittlung in den Ausbildungs- oder Arbeitsmarkt sei trotz erster Erfolge schwierig. „Es wichtig, dass das Land Teile der Integrationspauschale vom Bund an die Kommunen weiter gibt."

Paderborn

Diese Forderung unterstützt auch der Paderborner Sozialdezernent Wolfgang Walter. „Ich schätze, dass 30 Prozent der Kosten nicht erstattet werden." Mehr Unterstützung fordert Walter auch für die kommunalen Ausländerbehörden im Bereich der Abschiebungen. „Das Zusammenspiel zwischen den Behörden muss verbessert werden."

Problematisch sei zudem die Betreuung unbegleiteter Flüchtlinge. „Der Betreuungsaufwand und die zuleistende Überzeugungsarbeit sind gewaltig. Die Familien erwarten häufig, dass sie Geld nach Hause schicken und nicht, dass sie eine Ausbildung machen." Grundsätzlich habe sich die Situation in Paderborn, mit 747 Flüchtlingen 2016, aber deutlich verbessert. „Es stehen immer mehr Wohnungen und Schulplätze in Berufskollegs zur Verfügung."

Herford

Ähnlich ist Herford aufgestellt. Der Stadt wurden 2016 70 Flüchtlinge zugewiesen, weil bereits 600 Menschen in der Landeseinrichtung in Herford leben. Für die zugewiesenen Flüchtlinge gibt es laut der Beigeordneten für Soziales, Birgit Froese-Kindermann, ausreichend Wohnraum.

Handlungsbedarf gebe es bei Einzelpersonen. „Dank der Bereitschaft der Schulen, Auffangklassen zu bilden, haben alle Kinder einen Platz erhalten." Neben einer Refinanzierung der Kosten hofft Froese-Kindermann auch darauf, vor einer Zuweisung mehr über die Menschen zu erfahren, die nach Herford kommen.

Minden

Die Stadt Minden wünscht sich darüber hinaus, dass das Land einen Teil der Integrationspauschale des Bundes an die Kommunen weitergibt und eigene Mittel für die Integrationsaufgaben bereitstellt. Minden wurden 2016 410 Flüchtlinge zugewiesen.

„Derzeit sind fast alle Flüchtlinge in Wohnungen untergebracht", erklärt Sprecherin Katharina Heß. „Seit einigen Monaten werden Asylbewerber als Flüchtlinge anerkannt. Ab diesem Zeitpunkt endet eigentlich die Unterbringung durch die Stadt. Die Flüchtlinge müssen eine eigene Wohnung anmieten. Allerdings stehen nicht ausreichend Wohnungen zur Verfügung."

Höxter

Auch in Höxter ist die Unterbringung von Flüchtlingen, insbesondere die allreisender Männer ein Problem. „Da wir Herkunft, Religion und Sprache beachten, ist eine Unterbringung trotz Platz in einer Einrichtung nicht immer möglich", erklärt Sprecherin Sabine Hasenbein. Problematisch seien auch die langen Wartezeiten für Integrations- und Sprachkurse, fehlende Praktikums- und Fortbildungsplätze und volle Arztpraxen und Auffangklassen.

Die Integration von Familien mit schulpflichtigen Kindern laufe hingegen gut. Kinder geben das Erlernte an ihre Eltern weiter. „Zur Entlastung, sollten Menschen mit geringer Bleibeperspektive den Kommunen nicht mehr zugewiesen werden und Menschen mit negativem Ausgang des Asylverfahrens schneller ausgewiesen werden."

Detmold

Nach Detmold kamen 2016 212 Flüchtlinge. „Dank der verbesserten Zusammenarbeit der Behörden, Organisationen und Ehrenamtler hat sich viel verbessert", sagt Sprecherin Petra Schröder-Heidrich. „Doch insbesondere bei der Sprachvermittlung, der Integration in den Arbeitsmarkt und bei den Kosten der Unterbringung ist mehr finanzielle Unterstützung nötig."

Gütersloh

Ähnliche Forderungen formuliert der Gütersloher Geschäftsbereichsleiter Soziales, Joachim Martensmeier: „Vom Bund und Land wünschen wir uns eine Vereinfachung der Bürokratie, beim Zugang zu Sprach- und Integrationskursen ebenso wie bei Integrationsmaßnahmen in den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt." Problematisch sei zudem, dass sich viele Flüchtlinge, 452 kamen 2016 nach Gütersloh, seit langem in einem schwebenden Asylverfahren befinden.

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