So lange müssen Sie in OWL auf einen Arzttermin warten

Matthias Bungeroth

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Schlechter behandelt? Die Diskussion um den Unterschied zwischen gesetzlich Versicherten und Privatpatienten in Deutschland dauert an. - © dpa
Schlechter behandelt? Die Diskussion um den Unterschied zwischen gesetzlich Versicherten und Privatpatienten in Deutschland dauert an. (© dpa)

Bielefeld. Wer in Ostwestfalen-Lippe als Kassenpatient einen Termin bei einem Facharzt haben will, muss 61 Tage warten, 43 Tage länger als ein privat Versicherter. Das zumindest geht aus Testanrufen in landesweit 405 Facharztpraxen im Auftrag der grünen Bundestagsfraktion hervor. Damit nimmt der Großraum Bielefeld, der mit 45 Praxen in der Erhebung vertreten ist, die negative Spitzenstellung in Nordrhein-Westfalen ein.

Theodor Windorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, wies die Untersuchung der Grünen auf Nachfrage als „statistisch fragwürdig" zurück. Es sei nicht verwunderlich, dass eine Arzthelferin bei Anfragen mit diffusen Beschwerden wie Rückenschmerzen die Termine entsprechend disponiere.

Im Durchschnitt ist die Wartezeit laut der Untersuchung landesweit bei Kassenpatienten 27 Tage länger als bei Privatpatienten, wie die Münsteraner Bundestagsabgeordnete Maria Klein-Schmeink mitteilt.
Sie ist gesundheitspolitische Sprecherin ihrer Fraktion. Am besten gestellt sind die Patientinnen und Patienten im Raum Düsseldorf. Hier müssen Kassenpatienten „nur" 16 Tage Extrawartezeit in Kauf nehmen.

Eigentlich sollten vom Gesetzgeber eingeführte Terminservicestellen dazu führen, dass sie innerhalb von einer Woche einen Arzttermin bekommen. Doch das funktioniert den Analysen der Grünen zufolge nicht. Klein-Schmeink fordert: „Wir müssen das Problem endlich bei der Wurzel packen. Das bedeutet, die Anreize, gesetzlich und privat Versicherte unterschiedlich zu behandeln, endlich zu beseitigen."

Mit einer Bürgerversicherung würden diese Unterschiede bei den unterschiedlichen Vergütungssystemen in der gesetzlichen Krankenversicherung und in der privaten Krankenversicherung angeglichen und fair verteilt, so Klein-Schmeink.

Dem widerspricht Windhorst vehement. „Die Privatversicherer sind Vorreiter für innovative Medizin", so der Ärztepräsident. Das MRT und andere Technologien seien nur auf diesem Wege auch in die Versorgung der Kassenpatienten gekommen.

„Die Grünen wollen das System verändern, nicht die Versorgung", kritisiert Theodor Windhorst. Einen Arzttermin zu bekommen, sei schließlich kein unmögliches Unterfangen. „Wenn man wirklich Beschwerden hat und zum Hausarzt geht, wird man auf jeden Fall weiter geschickt."

In Deutschland sind etwa 87 Prozent der Bevölkerung bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichert. Ende des Jahres 2016 gab es 117 gesetzliche Kassen mit rund 72 Millionen Versicherten.

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