Digitalisierung hält immer mehr Einzug in Kommunen

Christine Warnecke

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Oberbürgermeister Pit Clausen (v. l.), Sabine Kubitza (BGW), Petra Eggert-Höfel (AG Wohnungswirtschaft OWL) und Alexander Rychter (Direktor Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft) - © Wolfgang Rudolf
Oberbürgermeister Pit Clausen (v. l.), Sabine Kubitza (BGW), Petra Eggert-Höfel (AG Wohnungswirtschaft OWL) und Alexander Rychter (Direktor Verband der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft) (© Wolfgang Rudolf)

Bielefeld. Wer eine Wohnung sucht, kann sich Lage und Umgebung mit Google Street View anschauen. Lebensmittel kann man längst auch im Internet bestellen und nach Hause liefern lassen. Der Stromverbrauch kann digital abgelesen werden, ohne, dass jemand ins Haus kommen muss. Drei Beispiele für Auswirkungen, die die Digitalisierung auf die Alltagswelt hat – und auf die Entwicklung der Städte.

„Neue Techniken verändern die Städte – die Wohnungswirtschaft muss sich dieses Themas annehmen", sagt Sabine Kubitza, Geschäftsführerin der Bielefelder Gesellschaft für Wohnen und Immobiliendienstleistungen. „Der technische Wandel vollzieht sich schneller denn je und ist eines der größten Themen unserer Gesellschaft." Die 12. Bielefelder Stadtentwicklungstage standen daher unter dem Motto „Stadt 4.0 – smarte Städte durch Digitalisierung". Die Industrie 4.0 habe es vorgemacht, wie die Vernetzungs- und Automatisierungsprozesse ablaufen können, so die Experten.

Für die Städteplanung gebe es interessante Ideen. „Wir können zum Beispiel durch Online-Plattformen die Bürger an Planungsprozessen aktiver teilhaben lassen", erklärt Norbert Metzger, Abteilungsleiter im Bauamt der Stadt Bielefeld. „Man kann dann den aktuellen Planungsstand abbilden. Und Bürger können ihre Meinung dazu direkt online abgeben."

Ein anderes Beispiel: In Lemgo arbeite bereits ein interkommunales Rechenzentrum, in das die umliegenden Kommunen ihre Daten aus der Verwaltung einspeisen können. Grundbesitzbescheide etwa können so schneller erstellt werden. Die interkommunale Zusammenarbeit soll weitergehen, einen NRW- oder gar bundesweiten Fahrplan gibt es aber noch nicht.

Alexander Rychter, Direktor des Verbands der Wohnungs- und Immobilienwirtschaft Rheinland-Westfalen, sieht in der Digitalisierung auch eine Chance für ländliche Regionen: „Homeoffice, also das Arbeiten von zu Hause aus, verbreitet sich immer mehr. Dann kann der Nachteil, nicht nahe eines Zentrums zu wohnen, durch eine schnelle Internetverbindung ausgeglichen werden." So seien technische Fragen mitbestimmend für die Entwicklung einer Region.

„Beim Umzug in eine neue Wohnung spielt für viele Menschen heute eine große Rolle, wie gut die Internetanbindung ist", betont Petra Eggert-Höfel, Vorsitzende der AG Wohnungswirtschaft OWL. Ältere Menschen könnten durch die Telemedizin besser betreut werden, etwa durch die elektronische Fernabfrage von Gesundheitswerten, meint Metzger. „Die Frage, welche Bedürfnisse die Bürger haben, muss bei der Gestaltung der Quartiere berücksichtigt werden." Gleichzeitig gelte es, auch für Bürger, die die digitalen Angebote nicht nutzen können oder wollen, analoge Alternativen vorzuhalten.

Wo digitale Daten vorliegen, ist stets die Frage, wer über sie verfügt. Die Einhaltung des Datenschutzes hängt jeweils an den Projekten, erklären die Beteiligten. „Wer welche Daten wo speichert, muss vor dem Einsatz des jeweiligen digitalen Programms geprüft werden", so Kubitza. „Dazu gibt es gesetzliche Vorgaben." Metzger ergänzt: „Außerdem gibt es in den Unternehmen und Behörden Datenschutzbeauftragte, mit ihnen sind die Schritte abzusprechen."

Von der neuen NRW-Regierung erwarten sich die Wohnungswirtschafter Rückenwind. „CDU und FDP haben das Vorantreiben der Digitalisierung in ihren Wahlprogrammen stehen", sagt Rychter. „Wir würden das sehr begrüßen. Bei uns rennen sie offene Türen ein."

Information

Was ist Digitalisierung?


  • Digitalisierung meint entweder die Umwandlung von analogen in digitale Daten. Beispiel: einen Einkaufszettel nicht mit der Hand zu schreiben, sondern auf dem Handy.
  • Digitalisierung bedeutet aber auch die Automation von Prozessen und Geschäftsmodellen durch das Vernetzen digitaler Technik, Informationen und Menschen. 
  • Nach Berechnungen des Vereins Deutscher Ingenieure gibt es in Deutschland fast 29.000 unbesetzte Stellen für Informatiker.

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