Bakterien fressen Wrack der Titanic auf

Janet Binder

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Ein Foto des Wracks von 2001. - © imago
Ein Foto des Wracks von 2001. (© imago)

Bremerhaven. Der Untergang der „Titanic" ist die wohl bekannteste Katastrophe der Seefahrt: Nach der Kollision mit einem Eisberg auf seiner Jungfernfahrt sinkt der Luxusdampfer in der Nacht vom 14. auf den 15. April 1912. Rund 1.000 Menschen sterben. Bald schon könnte auch das Wrack nur noch Geschichte sein.

1985 wurde das Schiff in 3.800 Meter Tiefe auf dem Grund des Atlantischen Ozeans entdeckt. Inzwischen ist es in keinem guten Zustand mehr. Schon in 15 bis 20 Jahren könnten die Überreste komplett verschwunden sein, schätzen Wissenschaftler des Bremerhavener Alfred-Wegener-Instituts für Meeresforschung (AWI). Die Ursache: bakterieller Eisenfraß.

„Das Wrack ist von Biofilmen und Rost überzogen", erklärt Antje Boetius vom AWI. Forscher entdeckten vor einigen Jahren in den Rostflocken eine Bakterienart, die eigentlich vor allem im Warmen bei über 30 Grad gedeiht. „Aber dort, wo das Wrack liegt, sind es vier Grad", sagt Boetius.

In der kalten Tiefsee müssten die Schiffsüberreste also eigentlich geschützt sein. Tatsächlich aber zersetzen die Mikroben trotz der Kälte die Schiffswände. „Sie tragen dabei nicht langsam Millimeter für Millimeter die Oberfläche ab, sondern verursachen Lochfraß", so die Tiefseeforscherin. „Dadurch wird das Wrack instabil und fällt irgendwann zusammen."

Die Bakterien entzögen dem Eisen Elektronen als Energiequelle, um wachsen zu können", sagt die Professorin. Dadurch roste das Metall. Auch für moderne Unterwasserbauwerke, etwa Öl-Pipelines sei der Eisenfraß gefährlich. Der Vorsitzende des „Deutschen Titanic-Vereins von 1997", Malte Fiebing-Petersen, sagt, es sei „der Lauf der Dinge", dass sich die Natur das Schiff zurückhole. Allerdings sieht er eine längere Frist. Die eigentliche Schiffshülle aber sei aus dickerem Stahl. „Den aufrecht stehenden Bug werden wir noch Jahrzehnte haben."

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