Zukunft ungewiss: Streit um Schuldenberg des Ringlokschuppens

Stefan Gerold

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Plötzlich ein Fall fürs Gericht: Der Ringlokschuppen in Bielefeld ist eine der bekannten Veranstaltungsstätten in OWL. - © Oliver Krato
Plötzlich ein Fall fürs Gericht: Der Ringlokschuppen in Bielefeld ist eine der bekannten Veranstaltungsstätten in OWL. (© Oliver Krato)

Bielefeld. Die Insolvenz des Ringlokschuppens-Betreibers hat hohe Wellen geschlagen. Viele Menschen bringen den Bielefelder Veranstaltungsort mit positiven Erinnerungen an Konzerte in Verbindung. Insolvenzverwalter Yorck Streitbörger sieht „im Moment das operative Geschäft nicht gefährdet." Doch im Hintergrund schwelen Konflikte zwischen dem nun insolventen Betreiber und dem Besitzer der Immobilie.

Streitbörger ist zuversichtlich, dass zumindest in den kommenden drei Monaten im Ringlokschuppen Umsätze erwirtschaftet werden können, die „die laufenden Kosten decken". Auf einer Betriebsversammlung habe er den Mitarbeitern ihre Gehälter vorläufig zusichern können. Mit der weiteren Liquidität der „Ringlokschuppen Bielefeld GmbH" habe er sich noch nicht beschäftigt.

Gegen Letztere erhebt der Sprecher des Inhabers schwere Vorwürfe. „Wir hätten den Ringlokschuppen Freitag räumen lassen, weil wir über 700.000 Euro Mietrückstände offen haben. Die haben seit zwei Jahren keine Miete bezahlt", erklärt Eling Wissik für den Investmentfond ND Winkels II.

Die Niederländer halten nach eigenen Angaben 110 Immobilien in Holland und Deutschland, zumeist Supermärkte. Der marode Boden des Gebäudes sei dem Vermieter bekannt, einen Grund die Miete zu mindern, sieht Wissik aber nicht. Im Gegenteil: „Hätten sie die Miete bezahlt, hätten wir saniert."

„Das stimmt nicht. Wir haben letztes Jahr mehrfach Einigungen angestrebt und mehrfach die Miete bezahlt", erklärt Andreas Schneider, der als Prokurist der „Ringlokschuppen Bielefeld GmbH" geführt wird. Er klagt über den schlechten Zustand des Bodens, der ihn mehrfach lukrative Veranstaltungen gekostet hätte. So sei eine Mietminderung gerechtfertigt.

Er rechnet ein Guthaben von 270.000 Euro beim Vermieter vor. „Das ist alles höchst strittig. Man ist sich nicht mal bei der Höhe der monatlichen Miete einig. Die eine Partei behauptet knapp 20.000 Euro, die andere wesentlich mehr", so Insolvenzverwalter Streitbörger, der von etwa 320.000 Euro Mietrückständen ausgeht.

Der holländische Fonds hat eine Räumungsklage gewonnen. Wie hoch die Mietrückstände genau sind, hat der Richter nicht bewertet. Die Räumung ist letztendlich durch die Insolvenz des Betreibers gestoppt worden. Wie es langfristig mit dem Ringlokschuppen weitergeht, ist offen.

Die „Ringlokschuppen Bielefeld GmbH" ist laut Bundesanzeiger nicht auf Rosen gebettet. Im Jahresabschluss 2015 wird ein Fehlbetrag von knapp 764.000 Euro ausgewiesen, im Jahr davor 553.000 Euro. Schneider behauptet, dass diese Summen größtenteils wegen der Forderungen des Vermieters vorsorglich eingestellt wurden.

„Wir schauen, was der Insolvenzverwalter macht", so Wissik. Er ließ durchblicken, dass sein Fond einem Verkauf der Immobilie (geschätzter Wert 2,7 Millionen Euro) nicht abgeneigt sei. Schneider wiederum hat nach eigenen Angaben Investoren parat, „aber nicht zu dem überteuerten Preis".

Vom Insolvenzverfahren nicht betroffen ist die eigenständige „Ringlokschuppen Veranstaltungen GmbH", die dort Konzerte, Bankette und Abi-Bälle ausrichtet. Geschäftsführer sind die Konzertveranstalter Hans Stratmann und Marc Hülsewede.

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