Breitbeinig sitzen in Madrid jetzt verboten

Talin Dilsizyan

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In Madrid gilt jetzt Rücksicht nehmen: Männer sollen nicht mehr extrem breitbeinig sitzen. - © Symbolbild: pixabay
In Madrid gilt jetzt Rücksicht nehmen: Männer sollen nicht mehr extrem breitbeinig sitzen. (© Symbolbild: pixabay)

Madrid. Männer, die in Bussen und Bahnen breitbeinig sitzen: Dieses Phänomen hat seit einigen Jahren den Namen „Manspreading". Aktivisten in Madrid haben dagegen mobil gemacht und sind jetzt bei den Verkehrsbetrieben auf Gehör gestoßen.

Eine Frau sitzt auf der Bank in einer Straßenbahn. Auf den freien Platz neben ihr setzt sich ein Mann – so breitbeinig, wie es für ihn bequem ist. Ihr missfällt das sichtlich, aber ihm einen Hinweis zu geben, das traut sie sich nicht. Oder sie fragt höflich, ob er nicht seine Beine weiter auf seiner Seite platzieren könnte und erntet ein: „Setzen Sie sich doch woanders hin!" Wer hat das so oder so ähnlich als Frau nicht schon einmal erlebt? Und welcher Frau gehen dabei nicht Gedanken durch den Kopf wie: „Was für ein Macho!?"

Das Problem ärgert Frauen in vielen Städten. In Tokio und New York weisen bereits seit Jahren Schilder in Bussen und Bahnen darauf hin, dass Passagiere sich rücksichtsvoll hinsetzen sollten. Unter dem Hashtag #MadridSinManspreading haben sich Aktivisten in sozialen Netzwerken für mehr Beinkontrolle eingesetzt. Via Online-Petition forderten sie die Stadtverwaltung auf, Schilder im Personennahverkehr einzuführen.

Mit Erfolg. In den Bussen der Madrider Verkehrsbetriebe EMT prangen inzwischen Mahnungen: „Respektieren Sie den Raum der anderen Fahrgäste", steht unter einem Piktogramm mit einer Person, die sich mit weit geöffneten Beinen auf einer Sitzbank fläzt. Darüber ein dickes rotes Kreuz, um klar zu machen, dass dieses unsoziale Verhalten nicht erwünscht ist. Strafen soll es vorerst nicht geben.

Die Verkehrsbetriebe hoffen auf Einsicht. Aber wer sich belästigt fühle, könne nun immerhin mit Hinweis auf die neue Norm das Sicherheitspersonal zu Hilfe rufen. Das gilt übrigens auch für das „Shebagging" – wenn Frauen Sitzplätze rücksichtslos mit Hand- und Einkaufstaschen besetzen.

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