Brandanschläge behindern Zugverkehr in OWL massiv

Matthias Bungeroth

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Polizeiabsperrung - © Paul Zinken/dpa
Polizeiabsperrung (© Paul Zinken/dpa)

Bielefeld. Mindestens 13 Brandanschläge auf Kabelschächte in Bahnanlagen haben in weiten Teilen des Bundesgebietes den Bahnverkehr heftig durcheinander gebracht. Zahlreiche Züge fielen aus, viele kamen nur verspätet an ihr Ziel, betroffen ist auch die Region Ostwestfalen-Lippe. Restaurants in Fernzügen konnten bei den hochsommerlichen Temperaturen teilweise keine Getränke mehr anbieten. Menschen wurden nicht verletzt.

Der Staatsschutz der Polizei in den Ländern nahm die Ermittlungen auf. Denn dort gingen Bekennerschreiben der linksextremistischen Szene ein, die nun geprüft werden. Aus der entsprechenden Szene waren bereits Aktionen und Anschläge im Zusammenhang mit dem G20-Treffen der wichtigsten Staatschefs angekündigt worden, das am 7. und 8. Juli in Hamburg stattfinden soll. Das Bundesinnenministerium prüft, ob es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen den aktuellen Taten und den Ankündigungen gibt.

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Brückenbau in Bielefeld

Die Deutsche Bahn will am Bielefelder Hauptbahnhof drei Brücken durch Neubauten ersetzen. Dadurch sollen voraussichtlich zwischen Juni 2018 und Oktober 2019 erhebliche Einschränkungen im Regionalverkehr notwendig werden.

„Je technisierter die Bahn wird, umso leistungsfähiger wird sie. Aber umso anfälliger wird sie auch", sagte Karl-Peter Naumann, Bundesvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn, auf Anfrage. „Man kann nicht 40.000 Kilometer Gleise flächendeckend überwachen", so Naumann weiter.

In Nordrhein-Westfalen gab es nach Angaben der Bahnpressestelle in Düsseldorf in der Nacht vier Anschläge auf Kabelschächte in den Räumen Köln, Leverkusen und Bochum/Dortmund. Die Tatzeiten liegen zwischen 3.16 Uhr und 4.50 Uhr. Von den Auswirkungen waren Züge der Linien RE1, RE5, RE6, RE11, S2 und S6 sowie der Fernverkehr betroffen. Auch in den Räumen Berlin, Hamburg, Leipzig und Bad Bevensen in Niedersachsen gab es Taten.

Die Auswirkungen mit Zugausfällen und Verspätungen von bis zu 30 Minuten waren bis in die Abendstunden hinein spürbar. Das betraf auch viele Reisende auf der stark genutzten Strecke zwischen Hamm, Gütersloh, Bielefeld, Herford und Minden, aber auch von Hamm nach Paderborn.

Der Innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Stephan Mayer (CSU), sieht die Anschläge als „Angriff auf uns alle". Sollte sich der Verdacht aus dem Bekennerschreiben bewahrheiten, „lässt das für den G20-Gipfel leider nichts Gutes vermuten", so Mayer gegenüber der Mitteldeutschen Zeitung. Für den Gipfel werden schwere Ausschreitungen am Veranstaltungsort Hamburg befürchtet. Tausende Polizisten sollen einen sicheren Verlauf der Großveranstaltung in der Hafenstadt an der Elbe gewährleisten.


Kommentar: "Verwundbar"

von Dirk-Ulrich Brüggemann

Alle Welt hat in letzter Zeit immer nur auf Hacker geschaut, die weltweit die Computernetze angegriffen haben und vor der Verwundbarkeit der vernetzten Rechner gewarnt. Jetzt haben Brandstifter deutschlandweit Kabelschächte der Bahn angezündet.

Mit diesen frevelhaften Aktionen haben die Täter aufgezeigt, wie empfindlich das Bahnsystem in Deutschland ist. Neben den Gleisen verlaufen sensible Steuerungsleitungen für Signale und Weichen. Sind diese zerstört, ist die Strecke nicht mehr nutzbar. Der Bahnverkehr bricht zusammen. Reisende und Güterzüge können ihre Ziele nicht mehr erreichen. Kraftwerke bekommen keine Kohle mehr und das Benzin könnte plötzlich auch knapp werden.

Der Stellwerksbrand von Mülheim hat deutlich gemacht, wie lange so ein Ausfall dauern kann. Die Reparaturen sind äußerst zeitaufwendig und dauern viele Wochen.
Wenn jetzt Extremisten sich das Streckennetz der Bahn vornehmen und dessen elektrische Lebensadern zerstören, dann bringen sie damit die Infrastruktur eines ganzen Landes schnell zum Erliegen. Die Gefahr besteht also auch im digitalen Zeitalter noch ganz analog.

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