Zahl der Überfälle auf Lastwagen nimmt zu

Matthias Bungeroth

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Hier ist die Ladung teilweise verschwunden: Dieses Foto zeigt einen Lkw der Spedition Kottmeyer und den beträchtlichen Schaden, den sogenannte Planenschlitzer am Fahrzeug und an der Ladung angerichtet haben. Taten wie diese ereignen sich im Laufe der Jahre immer häufiger. - © Firma Kottmeyer
Hier ist die Ladung teilweise verschwunden: Dieses Foto zeigt einen Lkw der Spedition Kottmeyer und den beträchtlichen Schaden, den sogenannte Planenschlitzer am Fahrzeug und an der Ladung angerichtet haben. Taten wie diese ereignen sich im Laufe der Jahre immer häufiger. (© Firma Kottmeyer)

Bad Oeynhausen/Bielefeld. Sie kommen bei Dunkelheit, haben scharfe Messer dabei und haben es auf die Ladung von Lkw abgesehen. Sogenannte Planenschlitzer, die die Abdeckplanen von Lastwagen auftrennen, die Ladung mit Endoskopen ausspähen und oftmals Teile davon dreist mitgehen lassen, werden für die Transportbranche zu einem wachsenden Problem.

„Wir haben das nahezu jeden Tag", berichtet Horst Kottmeyer, Spediteur aus Bad Oeynhausen und Vizepräsident des Bundesverbandes Güterkraftverkehr und Logistik (GDL), auf Anfrage. Damit haben diese Delikte nach seiner Beobachtung erheblich zugenommen. „Die Hemmschwelle ist bei solchen Sachen offenbar gesunken", unterstreicht Kottmeyer.

Zwar gehe es den Tätern zumeist nur darum, den Inhalt der Lkw auszuspähen. Denn nur in geschätzt zehn Prozent der Fälle werden auch Teile der Ladung entwendet. „Doch wenn, dann sind es meist größere Schäden", so Kottmeyer. Der bundesweite Schaden durch solche Taten liegt pro Jahr bei rund 300 Millionen Euro. Das geht aus einer Studie des Bundesamtes für Güterverkehr (BAG) hervor.

Hinzu kommen noch die volkswirtschaftlichen Kosten durch Verzögerungen und Produktionsausfälle. Gestohlen werden der BAG-Studie zufolge ganz unterschiedliche Waren. Dazu zählten jüngst insbesondere Computer und Laptops, Baumaterial und Werkzeuge, Haushaltsgeräte und Möbel sowie Kleidung.

Doch selbst wenn kein Inhalt aus dem Lkw gestohlen wird, sind die Beschädigungen am Fahrzeug, an der Verpackung oder durch Nässeeinwirkung erheblich, wie Kottmeyer zu Bedenken gibt.

Der Studie zufolge werden insbesondere die Bundesautobahnen in West-Ost-Richtung von osteuropäischen Tätern genutzt. Dazu zählt auch die wichtige Autobahn 2 von Köln über Bielefeld, Hannover und Berlin mit Anbindung bis nach Warschau.

Eine Anfrage bei der Autobahnpolizei Ostwestfalen-Lippe ergab, dass die Fallzahlen zwischen 2015 und 2017 steigend sind. Genaue Zahlen gibt es jedoch nicht, da das Delikt „Planenschlitzen" in Nordrhein-Westfalen nicht einzeln erfasst wird. Man kann allerdings von Tatzahlen im zweistelligen Bereich ausgehen, die allein in OWL an der A 2 verübt werden. Tatschwerpunkte sind laut Polizei die beiden neu gebauten Autobahnraststätten Lipperland.

Die BAG-Studie zitiert Erhebungen der Fachorganisationen Freightwatch und Transported Asset Protection Association (TAPA), wonach Nordrhein-Westfalen das Bundesland mit den häufigsten Ladungsdiebstählen ist. Etwa 26 Prozent aller bei TAPA gemeldeten Diebstähle von Ladung aus Lkw wurden danach 2013 im bevölkerungsreichsten Bundesland verübt.

„Die Dunkelziffer bei Diebstählen im Transportbereich wird aufgrund der schwierigen Datenlage als hoch eingeschätzt", heißt es in der BAG-Studie. Einer der Gründe hierfür liegt auf der Hand: Die Fahrer merken oft von dem Eindringen in den Laderaum des Fahrzeugs nichts, da sie in vielen Fällen schlafen. Entdecken sie den Schaden am Fahrzeug, sind sie oftmals schon viele Kilometer weit gefahren.

„Zur Anzeige bringen wir die Schäden am Fahrzeug deshalb nicht", sagt Kottmeyer. Dies bringe in der Regel nichts, wenn der oder die Täter nicht auf frischer Tat ertappt würden. „Die Strafverfolgung ist dann praktisch nicht gegeben", so der Spediteur. Allerdings versuchen die Unternehmen der Transportbranche, auch selbst prophylaktisch tätig zu werden, um Übergriffe auf die Fahrzeuge nach Möglichkeit zu verhindern. „Wir kaufen mittlerweile schnittfeste Planen", berichtet Kottmeyer.

„Deutschland ist aus verschiedenen Gründen ein attraktives Ziel für Ladungsdiebstähle", heißt es in der BAG-Studie wörtlich. Einerseits würden aufgrund des vergleichsweise großen produzierenden Gewerbes viele Güter innerhalb Deutschlands transportiert. „Andererseits gilt Deutschland als Transitland in der Mitte Europas."

Zudem biete das engmaschige Netz von Autobahnen und Bundesstraßen den Tätern schnelle Fluchtmöglichkeiten in andere Staaten. 37 Spediteure hätten gegenüber dem BAG betont, dass sich die Anzahl der Vorfälle seit der Öffnung vieler nationaler Grenzen im Rahmen der EU-Osterweiterung signifikant erhöht hätten. Neben der durch OWL führenden A 2 zählen auch die Rastplätze entlang der Autobahnen 4 und 7 zu den Brennpunkten des Tatgeschehens. Genaue Zahlen gibt es für Niedersachsen. Dort waren Planenschlitzer im Vorjahr 750 Mal aktiv. Ein Plus von zehn Prozent innerhalb eines Jahres.

Information

Parkplätze sind die Haupttatorte

  • Rund 63,3 Prozent der registrierten Ladungsdiebstähle im Jahr 2015 fanden auf Parkplätzen statt. Das berichtet die Transported Asset Protection Association (TAPA).
  • Der größte Teil davon entfiel auf ungesicherte Parkplätze (61,7 Prozent).
  • Lediglich ein sehr geringer Teil der registrierten Diebstähle entfiel auf gesicherte Parkplätze (1,7 Prozent).
  • Weitere 21,7 Prozent der bei TAPA gemeldeten Vorfälle waren zudem einem Betriebsgelände zuzuordnen.

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