Hochschulen in OWL sehen kommende Studiengebühren kritisch

Carolin Nieder-Entgelmeier

  • 0
Internationale Studenten: In NRW sollen Nicht-EU-Ausländer künftig Studiengebühren zahlen. - © dpa
Internationale Studenten: In NRW sollen Nicht-EU-Ausländer künftig Studiengebühren zahlen. (© dpa)

OWL. Wer nicht aus Europa kommt und in NRW studieren will, soll künftig Studiengebühren zahlen. CDU und FDP haben sich in ihren Koalitionsverhandlungen darauf geeinigt, pro Semester 1.500 Euro von jedem Studenten zu fordern, der aus einem Land außerhalb der Europäischen Union kommt.

Die Hochschulen in OWL befürchten, dass ihre Bemühungen der vergangenen Jahre um die Internationalisierung von Forschung und Lehre durch die Einführung der Studiengebühren ausgebremst werden. Besonders besorgt sind die Musik- und Kunsthochschulen in NRW, die mit 30 bis 40 Prozent traditionell einen besonders hohen Anteil ausländischer Studenten haben.

Der Rektor der Hochschule für Musik Detmold, Thomas Grosse, ist Sprecher der Landesrektorenkonferenz der Kunst- und Musikhochschulen in NRW und fordert, dass bei der Einführung von Studiengebühren den Hochschulen im Rahmen ihrer Autonomie freigestellt wird, ob sie solche Beiträge in sozialverträglicher Höhe erheben wollen, um die besondere Stellung der Hochschulen nicht zu beeinträchtigen.

Information

Betroffene Studenten

Von den geplanten Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer in NRW wären nach Angaben von FDP-Chef Christian Lindner 30.000 der 86.000 Studenten aus Nicht-EU-Ländern wirklich betroffen. Die größte Gruppe unter ihnen sind Chinesen. Laut CDU-Landeschef Armin Laschet werden Studenten aus Drittstaaten wie der Türkei, die in Deutschland geboren sind und einen deutschen Schulabschluss haben, nicht zahlen müssen.


„Viele ausländische Studenten sind beim Studium in Deutschland bereits jetzt erheblichen finanziellen Belastungen ausgesetzt", erklärt Grosse. „Deshalb müssen die Gelder bei den Hochschulen verbleiben, um durch Förder- und Stipendiensysteme soziale Härten auszugleichen und integrative Maßnahmen zu finanzieren."

Die wenigen Studienplätze an den Musik- und Kunsthochschulen werden ausschließlich über eine künstlerische Eignungsprüfung vergeben. „Deshalb stammen die Studierenden nicht zwangsläufig aus gut situierten Familien. Es handelt sich um hoch talentierte junge Künstler, die dem exzellenten Ruf der Kunst- und Musikhochschulen in NRW nicht nur folgen, sondern ihn auch aktiv mitprägen", sagt Grosse.

Die Universitäten in NRW begrüßen die hochschulpolitischen Absichten der designierten Landesregierung grundsätzlich. Nach Angaben der Landesrektorenkonferenz der Universitäten in NRW legt der Koalitionsvertrag den Fokus auf die Verbesserung der Studienbedingungen, eine stabile Grundfinanzierung und den Hochschulbau.

Eine gemeinsame Bewertung der Universitäten zu den geplanten Studiengebühren gibt es laut Geschäftsführerin Frauke Rogalla jedoch nicht, weil die Ausführungen im Koalitionsvertrag noch zu allgemein sind.
Der Vorsitzende Gerhard Sagerer, Rektor der Universität Bielefeld, zeigt sich von den Plänen der Koalition überrascht, weil es noch keine Erfahrungen mit dem Modell gibt, das vor Kurzem erst in Baden-Württemberg eingeführt wurde.

An der Universität Bielefeld wären mehr als 1.200 Studierende von den Studiengebühren betroffen. „Die Universitäten haben sich in den vergangenen Jahren verstärkt um Internationalisierung bemüht. Diese Aktivitäten sollten nicht ausgebremst werden", sagt Sagerer. „Eine Diskussion um Studiengebühren für Nicht-EU-Bürger muss differenziert geführt werden und den Gesamtkontext der Hochschulen berücksichtigen."

Der Präsident der Hochschule OWL, Jürgen Krahl, fordert zudem, dass für Studierende aus Entwicklungsländern sowie für anerkannte Flüchtlinge und für Studierende in schwierigen sozialen Situationen Ausnahmeregelungen geschaffen werden.

„Wir wünschen uns in NRW ein attraktives Bildungsumfeld für Studierende, das vor allem junge Menschen ermutigt, ein Studium aufzunehmen und es ihnen ermöglicht, dieses erfolgreich und schnell zu absolvieren – das gilt auch für junge Menschen aus dem Ausland. Der Zugang zur Hochschulbildung darf deshalb nicht vom Geldbeutel abhängig sein."

Krahl ist davon überzeugt, dass eine Hochschule auf allen Ebenen von ihrer Internationalität profitiert und deshalb nicht eingeengt werden darf. „Darüber hinaus muss es den Hochschulen über eine gesicherte Grundfinanzierung ermöglicht werden, mehr und vor allem auskömmlich ihr Profil in Lehre und Forschung zu stärken und damit ihren Standort zu stärken."

An der Hochschule OWL bewerben sich für jedes Wintersemester mehr als 1.000 Menschen aus Drittstaaten auf einen Studienplatz. 200 internationale Studenten schreiben sich jährlich ein, die künftig Studiengebühren zahlen müssten, ergänzt Hochschulsprecherin Katharina Thehos.

Die Fachhochschule Bielefeld mahnt, dass die Diskussion über die Studiengebühren noch im Fluss ist und deshalb abzuwarten bleibt, wer betroffen sein wird und wozu das Geld verwendet wird. An der Fachhochschule sind momentan 250 Studenten aus Nicht-EU-Staaten eingeschrieben, die auch ihre Hochschulzugangsberechtigung außerhalb der EU erworben haben.

„Angesichts dieser geringen Zahl wären die Gestaltungsmöglichkeiten zur Verbesserung der Studienbedingungen voraussichtlich überschaubar", erklärt Präsidentin Ingeborg Schramm-Wölk.

Die Universität Paderborn mit derzeit mehr als 1.400 ausländischen Studenten bewertet die geplante Einführung von Studiengebühren nicht öffentlich. Vizepräsidentin Birgit Riegraf erklärt lediglich, dass die Universität alle Maßnahmen der Landesregierung begrüßt, die sie in ihren Internationalisierungsstrategien unterstützen. „Die Universität wird die Maßnahmen der Landesregierung daran messen."

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

0 Kommentare
0 Kommentare

Das Kommentieren ist nur mit einem gültigen LZ-Plus-Zugang möglich. Jetzt testen!