Yacht-Explosion in Minden: Ursache noch nicht bekannt

Stefan Koch und Carsten Korfesmeyer

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Trümmerfeld: Ein Bild der Verwüstung bietet sich rund um die zerstörte Jacht. - © Carsten Kohfesmeyer
Trümmerfeld: Ein Bild der Verwüstung bietet sich rund um die zerstörte Jacht. (© Carsten Kohfesmeyer)

Minden. Bei der Explosion auf einer Yacht am Mittellandkanal im Hafen von Minden sind 15 Feuerwehrleute und ein Polizist verletzt worden. Nach Polizeiangaben sind darunter drei Schwerverletzte. Sie seien operiert worden und stabil, sagte der Leiter der Feuerwehr Minden, Heino Nordmeyer, als er die Bilanz des nächtlichen Einsatzes zieht.

Es waren nicht einmal Flammen zu sehen, als die Löschgruppe Hahlen der Freiwilligen Feuerwehr am Dienstagabend als erste bei einem Boot im Hahler Hafen erschien. Dort wurde lediglich eine Rauchentwicklung gemeldet. Wenig später explodierte das Schiff mit zwei Feuerwehrleuten an Bord. Beide liegen auf der Intensivstation – zusammen mit einem dritten Kameraden, den Trümmerteile schwer verletzt hatten.

Wie Feuerwehrchef Heino Nordmeyer erklärt, traf am Dienstag, gegen 22.23 Uhr der Alarm wegen eines Schwelbrandes im Hahler Hafen ein. Schon um 22.30 Uhr waren die Einsatzkräfte aus Hahlen vor Ort. Wenig später traf die Berufsfeuerwehr ein. „Es gab nur eine Rauchentwicklung", so Nordmeyer. Kräfte der Löschgruppe Hahlen gingen an Bord, um die Ursachen des Rauchs zu erkunden. Die Sicht war stark eingeschränkt. Vor dem Boot verlegten weitere Einsatzkräfte vorsorglich die Wasserversorgung für mögliche Löscharbeiten. Den beiden Kräften an Deck wurde eine Wärmebildkamera gereicht, um die Quelle der Verrauchung aufzuspüren.

Und dann geschah, was Nordmeyer nach dem dem Unglück so beschrieb: „Bislang hatte der Rauch eine weiße Farbe. Im hinteren Teil des Schiffs wurde plötzlich der Rauch schwarz – dann explodierte das Schiff. Vorn waren die Feuerwehrleute."

Wie die Aufnahmen einer privaten Drohnenkamera während des zunächst harmlos wirkenden Einsatzes zeigen, stößt eine Explosionssäule steil in den Himmel. Trümmerteile werden über das Hafengelände geschleudert und regnen zu Boden. Menschen rennen vom Zentrum der Explosion weg, um nicht getroffen zu werden.

Was sich danach unten abspielte, berichtet Nordmeyer: „Als ich das Schiff sah, dachte ich, dass wir die Leute nicht mehr wiederfinden." Nur noch der Rumpf des Bootes war übrig. Darauf lag ein Mitglied des Erkundungstrupps und rief um Hilfe. Unversehrte Einsatzkräfte entledigten sich ihrer Ausrüstung und sprangen ins Hafenbecken, um mögliche Opfer zu finden. Dann wurde auch der zweite Feuerwehrmann entdeckt. Er lag auf dem Boot unter Trümmern begraben mit dem Kopf halb im Wasser.

Ein Notfallteam mit psychosozialer Betreuung kümmerte sich um die Männer und Frauen. Es meldeten sich noch in der Nacht Freiwillige aus den Reihen des Rettungsdienstes und der Berufsfeuerwehr zum Dienst. Zum Einsatz kamen Polizeitaucher aus Petershagen, da ein Senior sowie ein niederländisches Ehepaar im Hahler Hafen vorübergehend vermisst wurden. Auch ein Hubschrauber der Polizei war an der Suche beteiligt. Später wurden die Vermissten wohlbehalten gefunden.

Zu den Ursachen des Explosionsunglücks in dem Boot mit einem Hybridantrieb kann Nordmeyer keine Erklärung abgeben. „Wir hatte es in der Erkundungsphase mit einem Entstehungsbrand zu tun, der nicht größer als eine Plastikkiste war." Nicht einmal ein richtiges Feuer sei zu sehen gewesen. „So etwas ist mir noch nicht begegnet."

Information

Feuerwehrverband ist erschüttert

  • „Wir sind erschüttert und betroffen vom tragischen Einsatz in Minden, bei dem 15 Feuerwehrangehörige teils schwere Verletzungen erlitten haben", erklären Hartmut Ziebs, Präsident des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV), und Jan Heinisch, Vorsitzender des Verbands der Feuerwehren in Nordrhein-Westfalen (VdF NRW).
  • „Feuerwehreinsätze bergen immer Risiken, die manchmal auch mit der besten Ausbildung nicht zu beherrschen sind", resümiert Heinisch.

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