Universität Bielefeld auf Wachstumskurs

Carolin Nieder-Entgelmeier

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- © Illustration: Uni Bielefeld
So soll die Universität einmal aussehen. (© Illustration: Uni Bielefeld)

Bielefeld. Mit 24.000 Studenten, 2.750 Mitarbeitern, 115 Studienangeboten und 1.000 Fächerkombinationen ist die Universität Bielefeld die größte Hochschule in Ostwestfalen-Lippe. Die Universität hat sich in den vergangenen Jahren mit steigenden Studierendenzahlen, Erfolgen in der Exzellenzinitiative und zahlreichen Baumaßnahmen massiv verändert.

Auch künftig wird die Hochschule ihren Wachstumskurs fortsetzen. Mit der Modernisierung des Hauptgebäudes, der Einrichtung einer medizinischen Fakultät und dem Ziel, zu den forschungsstärksten Hochschulen in Deutschland zu gehören, wird die Universität Bielefeld auch Ostwestfalen-Lippe als Wissenschaftsregion verändern.

Ziele und Visionen

Forschung und Lehre sind die beiden Kernmissionen von Hochschulen. Doch eine weitere dritte Mission, international als „Third Mission" bezeichnet, ist im Laufe der vergangenen Jahre hinzugekommen und soll an der Uni Bielefeld ausgebaut werden. Dabei geht es um den Auftrag, die Uni mit der Zivilgesellschaft und Unternehmen zu verknüpfen. Mit dem Ausbau von Kooperationen und Netzwerken mit Partnern außerhalb der Hochschullandschaft.

„Derzeit arbeitet die Universität Bielefeld an der Gründung einer GmbH mit der Fachhochschule, der Stadt und der Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen, um die Zusammenarbeit mit Unternehmen zu stärken und so Ansiedelungen von gemeinsamen Forschungsinstituten auf dem Campus zu ermöglichen", erklärt Rektor Gerhard Sagerer. „Zudem ernennt die Universität mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen Professoren.

Wir hoffen, dass daraus auch langfristig die Gründung von außeruniversitären Instituten erleichtert wird." Mit dem Helmholtz-Zentrum Berlin hat die Uni Bielefeld bereits gemeinsam eine Professur in Chemie besetzt, genauso wie mit dem Max-Planck-Institut Leipzig (Mathematik) und dem Forschungszentrum Jülich (Biotechnologie). Geplant sind zudem weitere gemeinsame Professuren mit dem Helmholtz-Zentrum (Physik) sowie mit dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (Soziologie).

Kooperationen sollen künftig auch innerhalb der regionalen und internationalen Hochschullandschaft gestärkt werden. „Die fünf staatlichen Hochschulen der Region haben sich als Verbund ’Campus OWL’ bereits erfolgreich um das Landesprogramm Talentscouting beworben. Diesen Weg gemeinsamer ambitionierter Förderanträge wollen wir fortführen, um OWL als Wissenschaftsregion zu stärken", sagt Sagerer.

Mit strategischen Partnerschaften, die derzeit mit Universitäten in Osaka, Bologna und Paris bestehen, will die Uni Bielefeld zudem ihre internationale Sichtbarkeit erhöhen. „Diese Partnerschaften auf zentraler Ebene ermöglichen uns nicht nur den Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern, sondern auch die Bildung neuer Forschungsnetzwerke", erklärt Sagerer.

„Wir wollen weitere Forschungsbereiche international sichtbar machen und im nationalen Maßstab zu den forschungsstärksten Standorten gehören." Mit innovativen Studienangeboten, die künftig einfacher und transparenter dargestellt werden sollen, will die Uni Bielefeld zudem ambitionierte Studierende rekrutieren und binden, ergänzt Sagerer.

Als Reaktion auf diese Herausforderungen seien mit der Einstellung 40 zusätzlicher Professoren personell bereits erste Weichen gestellt worden. „Mit der Personaloffensive ’Uni Plus’ stärken wir auch unsere Interdisziplinarität, die den Leitgedanken der Universität Bielefeld seit ihrer Gründung prägt." Zudem werden Lehrangebot und -qualität verbessert sowie das Forschungsprofil geschärft, ergänzt Sagerer. Um sich als forschungsstarke Universität zu profilieren, hat sich die Uni Bielefeld mit drei Anträgen im Rahmen der Exzellenzstrategie beworben.

Vorausgegangen war eine Schärfung des Forschungsprofils mit der Ausbildung von den vier Forschungsschwerpunkten „The Globalising World", „The Socio-Technical World", „The Material World" und „The Mathematical World". „Um Spitzenforschung und hervorragende Lehre zu betreiben, ist die internationale Ausrichtung essenziell", sagt Sagerer. Für die Reform-Universität Bielefeld zähle zudem auch künftig der Mut, Risiken einzugehen und alternative Modelle zu entwickeln.

Medizinische Fakultät

Als Reaktion auf den Ärztemangel in Ostwestfalen-Lippe und anderen ländlichen Regionen Nordrhein-Westfalens wird die neue schwarz-gelbe Landesregierung eine medizinische Fakultät an der Uni Bielefeld aufbauen. Wann und in welcher Form die neue Fakultät aufgebaut wird, ist noch unklar.

Fest steht aber bereits jetzt, dass die Uni Bielefeld keine bestehenden Modelle von Universitäten mit medizinischen Fakultäten für die Lehre und Forschung eins zu eins übernehmen wird. „Die Universität Bielefeld ist als Reform-Universität dafür bekannt, neue Wege zu gehen. Deshalb denken wir über alternative Formen der Medizinerausbildung und über eine eigenständige Ausrichtung der medizinischen Forschung nach", erklärt Rektor Gerhard Sagerer.

Mit der Einrichtung einer medizinischen Fakultät will die Uni zudem gesellschaftliche Verantwortung übernehmen. „Die Universität Bielefeld versorgt OWL mit akademischem Nachwuchs", sagt Sagerer. „Dieser verantwortungsvollen Aufgabe stellen wir uns von jeher, in der Juristenausbildung und zukünftig in der Medizin übrigens als einzige Hochschule der Region."

Die jährlichen Kosten für eine medizinische Fakultät in Bielefeld beziffert die neue Landesregierung in Übereinstimmung mit Sagerer auf 50 Millionen Euro. Ein nach Angaben der Ärztekammer Westfalen-Lippe ausreichender Betrag. Der Jahresetat der Medizinerausbildung der Uni Bochum liegt laut Ärztekammer-Präsident Theo Windhorst beispielsweise bei „nur" 42 Millionen Euro.

Bauliche Veränderungen

Die Modernisierung des Hauptgebäudes der Uni Bielefeld ist mit geplanten 750 Millionen Euro das teuerste Bauprojekt, was es je in Bielefeld gab. Es ist wohl auch eines der kompliziertesten Bauvorhaben, denn das Gebäude, das 1976 fertiggestellt wurde, ist mit 154.000 Quadratmetern Nutzfläche eines der größten zusammenhängenden Gebäude Europas. In sechs Bauabschnitten wird der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) NRW das Hauptgebäude modernisieren.

Aktuell kann jedoch niemand absehen, wie die Arbeiten vorankommen werden. Noch gibt es keine detaillierte Planung über den ersten Bauabschnitt hinaus, während Forschung und Lehre parallel weiterlaufen. Eine externe Risikoanalyse hat ergeben, dass die avisierten Daten für das Ende der Bauarbeiten (2010 hieß es 2025, 2016 bereits 2031) nicht gehalten werden können.

Die Verantwortlichen der Uni erhoffen sich von der Prüfung wichtige Fortschritte für die Projektorganisation, Planung und Umsetzung des Mammutprojekts. „Die Modernisierung des Hauptgebäudes wird die Universität über viele Jahre wesentlich beschäftigen. Es ist elementar, dass diese Riesenaufgabe unter den richtigen Bedingungen angegangen wird. Nur so können die Beeinträchtigungen für unsere Studierenden und Beschäftigten in Forschung und Administration während der Modernisierung gerechtfertigt werden", sagt Kanzler Stephan Becker. „Der BLB NRW muss sicherstellen, dass die Planungen im finanziellen und zeitlichen Rahmen realisierbar sind."

Mit der Modernisierung des Hauptgebäudes geht auch der Bau des Campus Bielefeld einher, den die Uni und die Fachhochschule Bielefeld in einen der modernsten Hochschulstandorte Deutschlands verwandeln wollen. Mit den Neubauten der Fachhochschule und des Studierendenwerks, dem Forschungsbau CITEC und dem Ersatzneubau (Gebäude X) sind die Hochschulen mit vier bereits fertiggestellten Bauvorhaben auf einem guten Weg. Zudem ist der Ersatzneubau für die Experimentalphysik fast fertig, der Rohbau des Innovationszentrums steht und ein neuer Bürokomplex (Gebäude Z) ist in Planung.

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