IG Metall fordert 28-Stunden-Woche

Florian Pfitzner

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Kampfbereit: Die Gewerkschaft erwartet eine längere Auseinandersetzung. - © dpa
Kampfbereit: Die Gewerkschaft erwartet eine längere Auseinandersetzung. (© dpa)
Düsseldorf. Zum ersten Mal seit Mitte der neunziger Jahre verlangt die IG Metall wieder kürzere Arbeitszeiten. Der dafür geforderte teilweise Lohnausgleich verärgert die Arbeitgeber schon vor Beginn der Verhandlungen.

Nach den Vorstellungen der Gewerkschaft sollen die bundesweit rund 3,9 Millionen Beschäftigten, davon 700.000 in NRW, sechs Prozent mehr Geld erhalten.

Zudem sollen sie ihre Arbeitszeit vorübergehend von 35 auf bis zu 28 Stunden in der Woche absenken können. Einige Gruppen sollen dafür einen finanziellen Ausgleich von ihrem Arbeitgeber bekommen, zum Beispiel wenn sie in Schichten arbeiten, Kinder erziehen oder Angehörige pflegen.

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Start in die Verhandlungen
Den Auftakt der Tarifrunde machen am Mittwochnachmittag die Tarifregionen in Norddeutschland und Berlin/Brandenburg. In Hamburg hat die IG Metall eine Demonstration angekündigt, zu der sie rund Tausend Teilnehmer erwartet. Am Nachmittag treffen sich die Verhandler in Baden-Württemberg zum ersten Mal. Am Donnerstag sind Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Bayern und Nordrhein-Westfalen dran.

Die Beschäftigten wollen Arbeitszeiten, „die zu ihrem Leben passen", teilte die IG Metall in Düsseldorf mit. Verkürzte Arbeitszeiten dürften „nicht in die Teilzeitfalle samt Einkommensverlust, Karriereknick und Altersarmut führen", warnte die Gewerkschaft. Ihr Vorschlag sei am Ende „gut investiertes Geld", die Mitarbeiter seien länger leistungsfähig und seltener krank.

Die Beschäftigten wünschen sich laut einer Befragung der Gewerkschaft mehr Selbstbestimmung – viele könnten es sich jedoch nicht leisten, kürzer zu arbeiten. „Flexibilität darf keine Einbahnstraße sein", sagte Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall Nordrhein-Westfalen, kurz vor dem Auftakt der Verhandlungen. „Die Arbeitgeber dürfen sich vor dieser gesellschaftspolitischen Aufgabe nicht verstecken."

Bislang lehnen die Arbeitgeber die Forderung jedoch kategorisch ab. In der Arbeitszeitregelung liege „der eigentliche Sprengstoff", hatte Luitwin Mallmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands Metall NRW, in einem Gespräch mit dieser Zeitung gesagt. Mit dem Aufschlag „gäbe es Geld für nicht geleistete Arbeit" – aus Mallmanns Sicht „eine Zumutung, die das gesamte Lohngefüge durcheinander bringt".

Während die Arbeitgeber die Gesamtlage in den Betrieben als solide einschätzen, ist die deutsche Wirtschaft aus Sicht der Gewerkschaft „in guter Verfassung". In der Metall- und Elektroindustrie stiegen die Umsätze deutlich, genauso die Produktivität. „Wenn man sich die Konjunkturdaten anguckt", sagte Giesler, „dann ist es möglich, das zu stemmen."

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