Das ist der neue, hochmoderne Rettungswagen für Babys

Jens Reichenbach

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Der neue Baby-Rettungswagen ist mit modernster Technik ausgestattet. Dazu gehören zwei Intensivtransport-Inkubatoren. - © Jörg Dieckmann
Der neue Baby-Rettungswagen ist mit modernster Technik ausgestattet. Dazu gehören zwei Intensivtransport-Inkubatoren. (© Jörg Dieckmann)
Mit maschineller Unterstützung: Die Feuerwehrleute Marco Schmidt und Jörg Höke (v.l.) demonstrieren, wie sanft sich der Transportinkubator mit Hilfe eines Hilfsmotors entladen lässt. Drinnen steht Stefan Heinzel, Leiter der Frühchenstation Bethel. - © Joerg Dieckmann
Mit maschineller Unterstützung: Die Feuerwehrleute Marco Schmidt und Jörg Höke (v.l.) demonstrieren, wie sanft sich der Transportinkubator mit Hilfe eines Hilfsmotors entladen lässt. Drinnen steht Stefan Heinzel, Leiter der Frühchenstation Bethel. (© Joerg Dieckmann)

Bielefeld. Knapp 160.000 Euro für ein neues Fahrzeug und 225.000 Euro für zwei hochmoderne Transportinkubatoren hat die Stadt Bielefeld investiert, um künftig Frühchen und kranke Neugeborene möglichst schonend und sicher ins Kinderkrankenhaus Bethel bringen zu können.

Der neue Spezial-Rettungswagen heißt Baby-Intensiv-Transportwagen (B-ITW) und ähnelt äußerlich den üblichen Rettungswagen des Bielefelder Rettungsdienstes. Aber innen drin ist alles auf die intensivmedizinische Versorgung und Behandlung der kleinsten Patienten überhaupt eingerichtet.

Seit 1969 kooperiert der Rettungsdienst der Stadt mit dem Kinderkrankenhaus. Während zwei Rettungsassistenten für Fahrt und Transport der Babys zuständig sind, kümmern sich ein Neugeborenen-Notarzt und ein Kinderkrankenpfleger vom Evangelischen Klinikum Bethel um die Versorgung des Patienten.

300 Einsatzfahrten mit Neugeborenen absolviert der Rettungsdienst pro Jahr

Sie werden stets vom B-ITW, das an der Hauptfeuerwache Am Stadtholz stationiert ist, am Kinderkrankenhaus abgeholt und fahren dann gemeinsam zum Einsatzort. Meistens geht es zu Entbindungskliniken oder Geburtshäusern, manchmal aber auch zu Hausgeburten.

Fotostrecke: Bielefeld: Das ist der neue Rettungswagen für Babys


Rund 300 Einsatzfahrten pro Jahr wird auch das neue Fahrzeug in Bielefeld und den umliegenden Landkreisen zu bewältigen haben.

Die Patienten sind nach Angaben von Dr. Stefan Heinzel, Leiter der Frühchen- und Neugeborenen-Station, vor allem unvorhersehbare Frühgeburten und Säuglinge, bei deren Geburt es zu Komplikationen gekommen ist. 650 Neu- und Frühgeborene (vor der 37. Schwangerschaftswoche) werden pro Jahr auf seiner Station intensivmedizinisch behandelt.

Ein Zehntel der kleinen Patienten wiegt weniger als 1.500 Gramm

Ein Zehntel von ihnen wiegt bei der Geburt weniger als 1.500 Gramm. "Für solche Frühchen stellt jede Erschütterung eine ernstzunehmende Gefahr dar", erklärt der Kinder- und Jugendarzt.

Erklärung: Die LED-Anzeige am Heck sagt den Verkehrsteilnehmern erklären: "Baby an Bord - deshalb fahre ich langsam". - © Joerg Dieckmann
Erklärung: Die LED-Anzeige am Heck sagt den Verkehrsteilnehmern erklären: "Baby an Bord - deshalb fahre ich langsam". (© Joerg Dieckmann)

Deshalb wundern sich Autofahrer oft, wenn vor ihnen ein Rettungswagen mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs ist, der aber trotzdem regelrecht über die Straße schleicht. "Das ist dann unser B-ITW mit einem Patienten an Bord", erklärt Jörn Bielinski, Abteilungsleiter Rettungsdienst bei der Feuerwehr. Um die "Schleichfahrt" den Verkehrsteilnehmern zu erklären, informiert künftig eine LED-Anzeige in der Hecktür: "Baby an Bord".

Doch auch bei der Versorgung im Innern des Fahrzeugs und beim Be- und Entladen der kleinen, ständig beheizbaren Transportinkubatoren (laut Heinzel "wie eine kleine Intensivstation") müssen Erschütterungen, die bei solchen Patienten zu Hirnblutungen führen können, vermieden werden. Heinzel betont: "Bei Frühchen kommt es auf den schonenden Transport an."

Luftfederung, Elektrohydraulik und Motorhilfe für den schonenden Transport

Dazu wurde für die Hinterachse des Baby-Rettungswagens eine spezielle Luftfederung installiert und der Kastenaufbau noch einmal 20 Zentimeter niedriger gesetzt als bei den herkömmlichen Rettungswagen. "Das bringt eine noch bessere Straßenlage", so Bielinski. Zudem sei auch das Fahrgestell, auf dem der Inkubator mit dem Baby fixiert wird, elektrohydraulisch gefedert.

Feuerwehrchef Rainer Kleibrink betont, dass der B-ITW gut investiertes Geld für den Rettungsdienst sei. Denn das Vorgängermodell namens "Kinder-Intensiv-Mobil" ist inzwischen 15 Jahre alt. Einige Arbeitsschritte, die in dem alten Rettungsfahrzeug nötig waren, gelten aus heutiger Sicht als "unfallträchtig", so Bielinski: "Es ist zwar nie etwas passiert, aber der Transport der Inkubatoren musste ungemein vorsichtig vonstatten gehen."

Die neu angeschafften Fahrgestelle für die beiden Inkubatoren unterstützen die Retter beim Be- und Entladen sogar maschinell: "So sanft und gleichmäßig lässt sich das durch den Menschen einfach nicht bewerkstelligen", betont Bielinski.

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