Organisierte Kriminalität: Mehr kriminelle Clans in NRW

Organisierte Kriminalität: Das Landeskriminalamt legt einen neuen Lagebericht vor. Rauschgift-Banden
spielen eine immer größere Rolle. Das anonyme Internet erleichtert Verbrechern das Geschäft.

Lothar Schmalen

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen bekämpft auch die Organisierte Kriminalität. - © picture alliance / Bernd Thissen/dpa
Die Polizei in Nordrhein-Westfalen bekämpft auch die Organisierte Kriminalität. (© picture alliance / Bernd Thissen/dpa)

Düsseldorf/Bielefeld. In der organisierten Kriminalität sieht sich die Polizei in NRW zunehmend mit kriminellen Clans bestimmter Nationalitäten, darunter häufig auch Familien-Clans, konfrontiert. „Bei ihren Einsätzen gegen solche Clans treffen die Beamten häufig auf Respektlosigkeit und ein erhebliches Aggressionspotenzial, das in gewalttätige Angriffe auf Polizisten eskalieren kann", heißt es in einem neuen Lagebericht des Landeskriminalamtes zur Organisierten Kriminalität (OK) in NRW.

Zwar sei die Zahl der Verfahren, Delikte und Tatverdächtigen im Bereich der OK aktuell rückläufig, doch diese Entwicklung könne nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Trend steigender OK-Delikte langfristig ungebrochen sei, heißt es in dem Lagebericht.

Information
Zahlen und Fakten

Anzahl der Straftaten Organisierte Kriminalität: 4.881 (2015: 6.895)

Anzahl der Verfahren: 68 (77)
Davon Rauschgiftkriminalität: 61,8 Prozent (54,5), Gewaltkriminalität: 25,0 Prozent (14,3), Eigentumsdelikte: 17,6 Prozent (20,8), Waffenhandel: 7,4 Prozent (6,5).

Tatverdächtige: 1.503 (1.832), davon Ausländer: 974 (1.079), Deutsche: 529 (753).

Schaden: 320,1 Millionen Euro (74,9), Sichergestelltes Vermögen: 31,4 Millionen Euro (7)

Unter organisierter Kriminalität versteht die Polizei die planmäßige Begehung von Straftaten, wenn mehr als zwei Tatbeteiligte arbeitsteilig und mit gewerbs- oder geschäftsmäßigen Strukturen beteiligt sind. Häufig werden dabei Gewalt oder andere einschüchternde Methoden angewendet.

Rauschgift-Banden werden zunehmen zum Problem

Eine immer größere Rolle spielen organisierte Rauschgift-Banden. Der Anteil der Verfahren in diesem Bereich beträgt inzwischen 61,8 Prozent. In mehr als der Hälfte der Verfahren geht es um internationalen Kokain-Handel, wobei das Kokain meist aus Südamerika bezogen werde. Heroin werde dagegen meist über die Türkei und Cannabis über Spanien und Marokko eingeführt.

Den wirtschaftlichen Schaden gibt das Landeskriminalamt mit 320,1 Millionen Euro (2015: 74,9 Millionen) an. Allein 296 Millionen gehen auf das Konto einer international operierenden Tätergruppe, gegen die die Polizei wegen unerlaubter Finanzdienstleistungen, Anlagebetrugs und des Verdachts der Geldwäsche im Zuge der Einführung und Vermarktung einer digitalen Kryptowährung ermittelt. Immerhin konnten Finanzfahnder rund zehn Prozent der Beute, 29 Millionen Euro, wieder einziehen. Insgesamt stellten die Beamten 31,4 Millionen Euro sicher.

Diebstahl ganzer Lastzüge: Millionenschaden

Seit 2015 ermitteln die Kriminalbeamten gegen neun grenzüberschreitend agierende OK-Banden aus Polen, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Rumänien, Litauen und Georgien.

Der Bielefelder Polizei gelang es beispielsweise, in Zusammenarbeit mit polnischen Ermittlern, einer 21-köpfigen polnisch-russischen Bande das Handwerk zu legen, die sich darauf spezialisiert hatte, ganze Lastzüge zu stehlen. In dem Fall reisten immer sechs- bis achtköpfige Teams aus Polen ein, um auf Bestellung komplette Lkw-Züge der Marken DAF, Volvo und Mercedes inklusive des Transportguts zu entwenden. Insgesamt konnten so 98 Lkw-Diebstähle mit einem Gesamtschaden von 8,1 Millionen Euro aufgeklärt werden.

Anonymität im Internet erleichtert Verbrechern das Geschäft

In einem weiteren spektakulären Fall gelang es der Bielefelder Polizei, eine deutsche Bande hochzunehmen, die sich darauf spezialisiert hatte, mit Hilfe von Echtpersonalien Konten zu eröffnen, Kreditkarte zu beantragen und Immobiliendarlehen für überteuerte sogenannte Schrottimmobilien zu erlangen. In 208 Fällen soll die Bande Personalien real existierender Personen benutzt habe. Dadurch sei ein Schaden von rund 2,2 Millionen Euro entstanden.

Wie diese Bande nutzen offenbar auch immer mehr OK-Täter das Internet für ihre kriminellen Geschäfte. Die Anonymität des Netzes biete einfach anzuwendende und vielfältige Möglichkeiten, bei ihren illegalen Aktivitäten unentdeckt zu bleiben. „Kurzfristig unter falschen Personenangaben angemeldete E-Mail-Accounts und die Nutzung von Internet-Cafés ermöglichen die Kommunikation mit Dritten, ohne die eigene Identität offenbaren zu müssen", heißt es in dem Lagebericht.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.