Anwohner fordern, zu Silvester das Böllern nur noch unter Aufsicht zuzulassen

Alexander Lange

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Spektakel: In der Silvesternacht verwandelt sich der Himmel über Bielefeld zu einem bunten Lichtermeer. Unter die Freude mischt sich mancherorts auch Angst. - © Sarah Jonek
Spektakel: In der Silvesternacht verwandelt sich der Himmel über Bielefeld zu einem bunten Lichtermeer. Unter die Freude mischt sich mancherorts auch Angst. (© Sarah Jonek)

Bielefeld-Sennstadt. Wenn Christine und Mutter Marianne K.* an Silvester denken, verfinstern sich ihre Mienen. Große Sorge statt Vorfreude macht sich bei den beiden breit: "Wir haben einfach nur schreckliche Angst." Seit Jahren nehme das Feuerwerk vor ihrer Haustüre in der Sennestädter Altmühlstraße exzessive Ausmaße: "Nach der Silvesternacht 2016/17 dachten wir, dass es so nicht weitergehen kann. Wir fühlen uns hier nicht mehr sicher."

Information

Eingeschränkt

  • Auf der Sparrenburg war es jahrelang erlaubt, Feuerwerkskörper abzubrennen.
  • Aufgrund von zunehmender Gefahr für Hobby-Pyrotechniker und Besucher beschloss die Stadt 2008, die Sparrenburg zur böllerfreien Zone zu machen.
  • Auch auf dem Boulevard gilt von 22 bis 2 Uhr Feuerwerksverbot.

Also richteten die Sennestädterinnen ihr Anliegen an die Bezirksvertretung, am kommenden Donnerstag wird sich sogar der Hauptausschuss der Stadt Bielefeld damit beschäftigen. Die Forderung der Frauen: In ganz Bielefeld sollen Privatleute in der Silvesternacht nur an speziell ausgewiesenen Stellen Feuerwerk unter behördlicher Kontrolle abbrennen dürfen.

Denn das, was sich vor ihrer Haustür zum Jahreswechsel abspiele, sei kaum noch auszuhalten. "Seit 1950 lebe ich jetzt hier, aber Silvester ist hier erst seit den letzten Jahr so extrem", erinnert Marianne K.: "Etwa zwanzig Leute treffen sich hier auf der Kreuzung. Und ab Viertel vor zwölf geht es dann los." Eine Dreiviertelstunde dauere dann die "heiße Phase", so Christiane K. Raketen, Batterien, Knallkörper, alles sei im Sortiment der jungen Männer. Alkohol spiele auch einer Rolle. Silvester ohne Rücksicht auf Verluste: "Wir trauen uns gar nicht mehr vor die Haustür. Die Raketen fliegen bis an die Tür."

Noch ist es ruhig: Auf der Kreuzung vor dem Haus von Christiane (Foto) und Marianne K. wird es Silvester laut. - © Alexander Lange
Noch ist es ruhig: Auf der Kreuzung vor dem Haus von Christiane (Foto) und Marianne K. wird es Silvester laut. (© Alexander Lange)

Auch der Polizei berichteten die beiden von ihrer Sorge: "Die haben versprochen, vorbeizukommen, aber nichts. In unserer Not haben wir sogar überlegt, einen privaten Wachmann zu engagieren." Nicht nur der durchgängige Lärm sei beängstigend, auch die Sorge vor Sachbeschädigungen oder Brandherde, sei groß, sagt Christiane K.: "Dann dachten wir, dass wir verreisen sollten, aber wir können das Haus nicht alleine lassen."

Niemand überprüfe, was abgeschossen werde, beschwert sich Marianne K.: "Die machen, was sie wollen. Es würde mich nicht wundern, wenn hier Sprengkörper abgeschossen werden, die sonst was anrichten." Die Silvesternacht unter freiem Himmel zu verbringen, ist seitdem für die beiden unvorstellbar. Auch mit den Nachbarn ins Gespräch zu kommen, haben die beiden versucht - hoffnungslos: "Die riefen uns nur zu, wir sollten uns wieder aufs Sofa setzen und Fernsehen gucken."

Jetzt hoffen die beiden, dass ihnen im Hauptausschuss geholfen wird. Viel Hoffnung will Anja Ritschel, erste Beigeordnete der Stadt, Marianne und Christine K. aber nicht machen: "Silvester ist eine Tradition, die rechtlich so abgesichert ist." Würde es die Stadt verbieten, an bestimmten Orten Pyrotechnik abzufeuern, käme es zu Präzedenzfällen: "Dann will hinterher jeder, dass vor seiner Haustüre nicht geböllert wird." Der beste Weg sei es, mit den Nachbarn sachlich zu reden. "Natürlich sind die Böllerei und der ganze Müll nicht schön, aber es ist auch nur einmal im Jahr."

Marianne und Christine K. reicht das nicht: "Wir fühlen uns bedroht und bedrängt. So ein Silvester stehen wir nicht noch einmal durch."

Aus Angst vor den Nachbarn, möchten die K.'s ihre Namen nicht in der Zeitung lesen.

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