So kaputt ist der Ringlokschuppen in Bielefeld

Christine Panhorst

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Ewiges Streitobjekt: Prokurist Daniel Elsner zeigt im großen Saal, wie schlecht der Boden tatsächlich ist. Einen Investitionsstau gibt’s auch bei der Technik. - © Wolfgang Rudolf
Ewiges Streitobjekt: Prokurist Daniel Elsner zeigt im großen Saal, wie schlecht der Boden tatsächlich ist. Einen Investitionsstau gibt’s auch bei der Technik. (© Wolfgang Rudolf)

Bielefeld. Ein Rundgang durch den Lokschuppen beginnt – natürlich – vor einem Loch im Boden. Ein Metallgitter ist unter Steinstaub erkennbar, so ausgetreten und abgebröckelt ist der Estrich an einigen Stellen. An anderen Stellen verdecken große Teppichflicken das Schlimmste, doch wer darüber läuft, fühlt sich wie auf einer Buckelpiste. Gut zwei Jahre lang waren eben jene Buckel, Löcher, Stolperfallen Zankapfel im Streit zwischen den ehemaligen Besitzern und dem Betreiber des Lokschuppens. Seit dem 2. Januar ist alles neu, zumindest auf dem Papier.

„Die Historie mit Wehmut und Respekt bewahren"

Im Veranstaltungshaus ist in den ersten Tagen der Übernahme großes Reinemachen angesagt. Und großes Wegwerfen. Im Schuppen, den vier Bielefelder Investoren erworben hatten, starten die Betreiber Sascha Berg, Marcel Lossie und Daniel Elsner mit ihrer Lokschuppen Event GmbH in dieser Woche in eine neue Ära. Handwerker stapfen durch die Hallen. Eine Bestandsliste gibt es zwar, doch wie sehr die der Realität entspricht, muss sich erst zeigen.

Der Ringlokschuppen läuft ab sofort unter neuer Leitung. - © Wolfgang Rudolf
Der Ringlokschuppen läuft ab sofort unter neuer Leitung. (© Wolfgang Rudolf)

„In so einem Gastronomiebetrieb sammelt sich über die Jahre ganz viel an", sagt Eventleiter Lossie. „Das ist genauso wie im Keller zu Hause, nur das wir hier zum Glück keinen Keller haben." Dafür gibt es ein großes Lager. Alte Strandklappliegen und Plastikstühle stapeln sich hier. Dazwischen: Krimskrams aus 14 Jahren Ringlokschuppen. Seit dem 31. Oktober 2003 gab es im Schuppen Partys, Disco und Konzerte. Vieles, was davon zeugt, kann weg, manches darf bleiben. „Wir wollen die Historie des Schuppens mit Wehmut und Respekt bewahren", verspricht Lossie und zeigt auf eine Wand im Backstagebereich. „Die wird bleiben, vielleicht sogar vergrößert, oder?" Elsner und Berg nicken zustimmend.

Vergammelter Pool

Große und kleine Bands haben sich darauf verewigt. In schwarzen Edding-Buchstaben hat sich „Kraft Club" extra viel Wandplatz gesichert, darunter die Band „Annen May Kantereit". Dazu gibt’s Zeichnungen von Geschlechtsteilen, Herzchen und ein Haus von Nikolaus – was Musiker eben so nervös vor dem Auftritt oder euphorisch danach hingekritzelt haben.

Und was muss weg, was steht ganz oben auf der Liste? Prokurist Elsner muss nicht lange überlegen. „Der Pool im Außenbereich, der geht auf keinen Fall." Es werde auch keinen Neuen geben. Zu unhygienisch. Neben dem Pool stehen moosig-grüne Strandkörbe im Nieselregen, Strandbar-Feeling kommt nicht auf. Der ganze Außenbereich werde neu gemacht, sagt Lossie. „Vielleicht als Außenbahnhof." Auch den Einsatz von alten Signalanlagen können sich die Betreiber vorstellen. Sie wollen die beste Seite des alten Lokschuppens herauskehren – seine Historie.

Tonnenweise Kabelsalat: Sascha Berg, Geschäftsführer der Lokschuppen Event GmbH, muss im Technikraum wieder Ordnung herstellen. - © Wolfgang Rudolf
Tonnenweise Kabelsalat: Sascha Berg, Geschäftsführer der Lokschuppen Event GmbH, muss im Technikraum wieder Ordnung herstellen. (© Wolfgang Rudolf)


Kebelberge

Deshalb soll auch der Name „Lokschuppen" bleiben. Die Ringlokschuppen-Seite bei Facebook haben die Betreiber bereits zurückgekauft. „Aber Abkürzungen wie Rilo und das RLS-Logo wird es nicht mehr geben", sagt Geschäftsführer Berg. Nach der zweimonatigen Modernisierungsphase im Sommer, bei der der Boden vollständig erneuert wird, gibt’s ein neues Logo. Berg zeigt auf die Podeste und Stufen vor den Theken. „Die kommen dann auch weg."

Wie genau der Schuppen in Zukunft von innen aussehen soll, daran wird jetzt gefeilt. Feststeht: Alles soll barrierefrei, modern multifunktional werden. „Den größten Investitionsstau haben wir aber im technischen Bereich", meint Berg. Er öffnet die Tür zum Technikraum, zeigt die alten Kabelberge, durch die er sich in den kommenden Wochen wühlen muss. Im Sommer werden bei den Bodenarbeiten, für die der Schuppen schließen muss, zugleich neue Netzwerkkabel verlegt. Was das alles kosten wird, will Lossie nicht sagen. Nur so viel: Allein die neue Eismaschine koste so viel wie ein Kleinwagen.

Information
  • Die Ringlokschuppen Immobilien GmbH ist neuer Besitzer des Ringlokschuppens. Hinter der Gesellschaft stecken vier Bielefelder Investoren.
  • Die Architekten Sebastian Ernst und Yannick Ruschke sowie der Orthopäde und Arminia-Mannschaftsarzt Andreas Elsner und Unternehmer Matthias Wittich waren zunächst als Käufer des Ringlokschuppens anonym geblieben.
  • Wittich und Ernst agieren als Geschäftsführer. Das Quartett hatte nach langwieriger Investorensuche durch Insolvenzverwalter Yorck Streitbörger dem ehemaligen Schuppen-Besitzer, ein niederländischer Fonds, die Immobilie abgekauft. Dabei war das neue Betreibertrio von Anfang an mit im Boot.
  • „Herr Streitbörger hat uns zusammengebracht", so Marcel Lossie, Eventleiter der Lokschuppen Event GmbH – eine Schwester der Bielefelder fast4ward GmbH, die neuer Mieter und Betreiber ist. Am Wochenende 12./13. Januar eröffnet der Schuppen unter anderem mit einer „Reloaded"-Party unter neuer Führung.

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