Ungewöhnliches Hobby: Im Boden von OWL schlummern viele Schätze

Matthias Bungeroth

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Entdeckt: Nicole Zeisler fand eine keltische Gewandschließe. - © Foto: Privat
Entdeckt: Nicole Zeisler fand eine keltische Gewandschließe. (© Foto: Privat)

Lübbecke/Bielefeld. Wer Nicole Zeisler auf ihr Hobby anspricht, erntet spontane Begeisterung. „Das mache ich als Ausgleich zum Beruf", sagt die Vertriebsassistentin. „Ich bin gerne an der frischen Luft", fügt sie hinzu. Die 42-Jährige gehört zum erlauchten Kreis der Sondengänger, die mit Metallsonden auf Ackerflächen nach archäologischen Funden suchen.

„Unter fünf Stunden gehe ich selten vom Acker wieder runter", berichtet Zeisler, die vor rund drei Jahren mit diesem Hobby anfing. „Ich habe den Metalldetektor geschenkt bekommen." Dann sagt sie lachend: „Man meinte, das würde wohl zu mir passen." Denn ein Interesse an Fossilien sei bei ihr schon vorher da gewesen.

„Ich habe die Genehmigung für den kompletten Kreis Minden-Lübbecke", sagt sie. Zumeist sei sie aber im Raum Lübbecke unterwegs. Zeisler ist eine von rund 300 lizenzierten Sondengängern in Westfalen-Lippe (siehe Infokasten). Mehr als 130 von ihnen trafen sich jetzt in Herne zu einer Fachtagung des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL). „Ehrenamtliche Sondengänger sind wichtige Partner für uns", sagt LWL-Chefarchäologe Michael Rind.

Information

300 Sondengänger sind in OWL registriert

In Westfalen-Lippe gibt es mehr als 300 lizenzierte Sondengänger, die mit einem Messgerät unterwegs sind.
Laut Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) setzen sie sich für den Erhalt des kulturellen Erbes der Region ein.
Sie tragen zu neuen archäologischen Entdeckungen bei. Dazu zählt der jüngste Fund eines rund 60 Zentimeter langen bronzezeitlichen Schwertes aus Minden. Auch bei Ausgrabungen der LWL-Archäologie arbeiten Sondengänger ehrenamtlich mit.

»Zweimal im Jahr bringe ich alles zu einer Archäologin«

Sven Spiong, Leiter der Außenstelle Bielefeld der LWL-Archäologie für Westfalen, beziffert die Zahl der lizenzierten Sondengänger in Ostwestfalen-Lippe auf 70 bis 80. „Wir sind sehr aktiv in der Betreuung von Sondengängern." Die Genehmigungen würden in der Regel von den Kreisen erteilt. „Wo sie gehen dürfen, sagt die Broschüre ,Lizenz zum Suchen‘", sagt Julia Hallenkamp-Lumpe, wissenschaftliche Referentin der LWL-Archäologie in Bielefeld. Die Spannbreite der Hobbysucher reiche „von den Hobbyschatzsuchern bis zu an der Geschichte stark interessierten Personen". Die Zusammenarbeit mit allen sei seit Jahren sehr vertrauensvoll.

Im Mittelpunkt der Tagung stand die Frage, was mit den zahlreichen Funden passiert, die Sondengänger den LWL-Archäologen melden. Dazu erzählt Zeisler: „Zweimal im Jahr bringe ich alles zu einer Archäologin." Die Funde würden von Experten katalogisiert und teilweise auch gezeichnet.

„Die Funde sind eine bedeutende Grundlage zur wissenschaftlichen Erforschung der Bronze- und Eisenzeit sowie des Mittelalters", sagt dazu Christoph Grünewald, Leiter der LWL-Archäologie-Außenstelle Münster.

Gefragt, welche bemerkenswerten Funde sie bislang mit ihrem Metalldetektor aufgespürt hat, muss Zeisler nicht lange überlegen. „Der älteste Fund ist ein Fragment von einem eisenzeitlichen Armreif." Auch römische Silbermünzen oder eine keltische Gewandschließe, die etwa aus dem Jahr 400 v. Chr. stammt, konnte sie ausfindig machen. „Die lag lustigerweise obendrauf auf dem Acker. Der Pflug hatte sie wohl nach oben gebracht."

Für die Teilnehmer gab es bei der Tagung in Herne auch eine Einweisung in die Regeln, nach denen dieses ungewöhnliche Hobby zu praktizieren ist. Wenn nach archäologischen Funden gegraben wird, ist laut LWL eine Genehmigung der Oberen Denkmalbehörde notwendig. „Wer ohne Genehmigung nach Altertümern gräbt, betätigt sich faktisch als Raubgräber und macht sich eventuell strafbar", sagt Rind.

Archäologische Funde müssten stets bei den Denkmalbehörden vorgelegt werden. Fast alle Objekte gehen dann zurück an den Finder. Objekte von besonderem wissenschaftlichen Wert gehen gegen eine angemessene Belohnung in den Besitz des Landes über. „Dies gilt jedes Jahr aber nur für sehr wenige Objekte. Der Anteil liegt unter einem Prozent", so Rind.

Nicole Zeisler ist sich jedenfalls sicher, dass sie bei der Sondengängerei bleiben will. „Ich werde das wohl noch ein paar Jahre weitermachen, solange das der Rücken mitmacht", sagt sie. Wie anstrengend eine solche Tour in gebückter Haltung sein kann, verdeutlicht sie so: „Manchmal muss ich alle fünf Meter graben."
www.lwl-archaeologie.de

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