In 20 Tagen zum Soldaten

Dirk-Ulrich Brüggemann

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Bundeswehr (© Foto: Bernhard Preuss)

Höxter. Der Verband der Reservisten der Deutschen Bundeswehr (VdRBw) hat vorgeschlagen, ungediente Bundesbürger innerhalb von 20 Tagen zu Reserve-Soldaten auszubilden. Dazu gehört auch der Dienst an der Waffe. So steht es in einem Papier, das Verbandspräsident Oswin Veith abgezeichnet hat.

Michael Michl, Bezirksorganisationsleiter des Reservistenverbandes, sieht für den Bereich der Bezirksgruppe Detmold, die deckungsgleich mit dem Regierungsbezirk Detmold ist, das Ansinnen seines Verbandspräsidenten skeptisch. „Die Belastung, eine solche Aufgabe mit ehrenamtlichen Kräften durchzuführen, ist zu hoch", sagt der Oberstleutnant der Reserve (d.R.).

Obwohl die Bezirksgruppe Detmold in ihren drei Kreisgruppen Höxter-Paderborn, Bielefeld-Herford und Minden knapp 3.100 Mitglieder hat, scheint es kaum vorstellbar, dass sich unter diesen Reservisten genügend Ausbilder für die überwiegend an den Wochenenden terminierten Unterrichtsstunden finden werden.

Verbandspräsident Oswin Veith, CDU-Bundestagsabgeordneter und Oberst d. R., hat die Vorstellungen des Verbandes so formuliert: „Zur Heranführung von Interessenten an die Reserve und zur Unterstützung der Bundeswehr in der Nachwuchsgewinnung wird der Reservistenverband in Eigenverantwortung die Ausbildung von Ungedienten zu Reservisten durchführen.

Die Absicht ist dabei, in zwanzig Ausbildungstagen Ungediente eine militärische Grundausbildung durchlaufen zu lassen, an deren Ende die Zertifizierung durch die Bundeswehr steht. Die Ausbildung findet durch Mitglieder und hauptamtliche Mitarbeiter des Reservistenverbandes in Verbandsveranstaltungen (VVag) statt." Eingeschlossen in diese Veranstaltungen ist auch die Waffen- und Schießausbildung durch Ausbilder der Reservistenarbeitsgemeinschaft Schießsport.

„Mit der Ausbildung Ungedienter zu Reservisten in Verbandsveranstaltungen will der Verband sowohl seine Mitgliederbasis verbreitern als auch Reservisten für den Dienst in der Reserve und den Streitkräften gewinnen", schreibt der Verbandspräsident in seiner zum Jahreswechsel versandten Weisung für die Reservistenarbeit.

In Ostwestfalen-Lippe ist der Verband der Reservisten bisher immer noch gut aufgestellt. Jeweils 1.350 Mitglieder zählen die Kreisgruppen Höxter-Paderborn und Bielefeld-Herford, 540 ehemalige Soldaten sind in der Kreisgruppe Minden organisiert. „In den letzten Jahren ist der Mitgliederstand konstant geblieben", sagt Michael Michl. Als Grund sieht er dafür auch die in der Region ansässigen Bundeswehrstandorte. Augustdorf verfügt über die größte Kaserne des Heeres in der Bundesrepublik und Minden ist ein großer Pionierstandort. In Höxter ist ein ABC-Abwehrbataillon stationiert.

Reservisten sind in Nordrhein-Westfalen auch in den Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskräften der Bundeswehr zusammengefasst. In diesen Kompanien engagieren sich Reservisten im Rheinland, Ruhrgebiet und Westfalen für den Heimatschutz in der Region. Mit der Ausbildung Ungedienter möchte der Reservistenverband seinen Teil dazu beitragen, dass diese Kompanien in Unna, Ahlen und Düsseldorf ihre Soll-Stärken erreichen können. „Diese beträgt 327 Soldaten, im Schnitt haben die Kompanien zur Zeit aber nur 235 Soldaten", erläutert Michl.

Dem Verteidigungsministerium in Berlin sind die Vorstellungen des Reservistenverbandes seit einer im Oktober durchgeführten Reservistentagung bekannt. Eine Stellungnahme dazu gibt es aber nicht, weil es sich laut Ministerium bei dem Papier um ein internes Dokument des Reservistenverbandes handelt.

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