Jeder zweite Hausarzt findet keinen Nachfolger

Florian Pfitzner

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Arzt (© Pixabay)

Düsseldorf. Der Mangel an Hausärzten in NRW droht noch größere Versorgungslücken zu reißen als bislang befürchtet. Nach jüngsten Zahlen des Gesundheitsministeriums standen im Herbst landesweit 574 Praxen leer. Die Zahl der Hausärzte, die jährlich in den Ruhestand gehen, hat sich seit 2006 um fast 80 Prozent auf zuletzt 457 erhöht. Dagegen ist die Zahl der neu zugelassenen Hausärzte kaum halb so hoch. Folge: Für jede zweite Hausarztstelle lässt sich kein Nachfolger finden. „Wenn wir nicht schleunigst etwas tun, steuern wir auf eine Katastrophe zu", warnte Landesgesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Die Lage verschärft sich vor allem in Westfalen-Lippe. Hier sind bereits 57 Prozent aller 5.007 Hausärzte über 60 Jahre alt, beinahe 20 Prozent über 65. In der Ärzteregion Nordrhein ist die Situation nicht ganz so angespannt, doch auch hier ändert sich die demografische Lage unter Medizinern gewaltig: 40 Prozent aller 6.261 Hausärzte sind jenseits der 60, über 12 Prozent über 65 Jahre alt.

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Landärztequote

In NRW sollen künftig bis zu zehn Prozent der Studienplätze an Bewerber vergeben werden, die sich verpflichten, bis zu zehn Jahre als Hausärzte auf dem Land zu praktizieren. Bis die „Landärztequote" greift, vergehen freilich noch Jahre.

Die schwarz-gelbe Landesregierung rechnet damit, dass in den nächsten zehn Jahren jeder zweite der heute in NRW niedergelassenen Hausärzte in Rente geht. Damit breche „das Rückgrat der medizinischen Versorgung" weg, sagte Laumann. „Wir müssen vor allem mehr Allgemeinmediziner ausbilden." Bis zum Herbst werde die NRW-Regierung einen Fahrplan für den Aufbau einer Medizinischen Fakultät in OWL vorlegen.

Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, räumt ein: „Wir haben viel Zeit verplempert und laufen nun den Ereignissen hinterher." Gleichzeitig wehrt er sich gegen Alarmismus. „Niemandem ist geholfen, wenn wir jetzt Panik schüren. Sonst laufen bald alle Patienten in die Notaufnahmen", sagt Windhorst. Und die seien eh schon überlastet.

Josef Neumann, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, fordert strukturelle Veränderungen bei den Medizinern. „Die Hausärzte sollten sich noch enger vernetzen." Denn: „Nachwuchs werden wir nicht so schnell bekommen." Zwölf Jahre dauert die Ausbildung, „jeder dritte Mediziner wandert dann in die Industrie oder in die Wissenschaft ab".

Mehrdad Mostofizadeh (Grüne) kritisiert: „Laumann soll nicht lamentieren, sondern handeln." Der ehemalige Patientenbeauftragte der Bundesregierung sei „schlicht nicht bereit zu sagen, woher das Geld für die Versorgung kommen soll", sagt Mostofizadeh. Er müsse sagen, ob die Ärzte weniger verdienen oder ob die Kassenbeiträge steigen sollten.

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