Bundeswehr entfernt umstrittenen Schriftzug "Stalag 13"

Matthias Bungeroth

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Das Stammlager-Schild im Bundeswehrcamp in Afghanistan ist jetzt abgebaut worden. - © Stadt Büren
Das Stammlager-Schild im Bundeswehrcamp in Afghanistan ist jetzt abgebaut worden. (© Stadt Büren)

Bielefeld. Im wahrsten Sinne des Wortes über Nacht hat die Bundeswehr auf die Berichterstattung über einen umstrittenen Schriftzug mit dem Wortlaut „Stalag 13" reagiert, der sich offenbar lange Zeit auf dem Gelände eines Militärcamps in Masar-e-Sharif (Afghanistan) befand. „Sofort nach Bekanntwerden des Sachverhaltes sind durch das Einsatzführungskommando der Bundeswehr Maßnahmen im Deutschen Einsatzkontingent ,Resolute Support’ eingeleitet worden", sagt ein Sprecher des Einsatzführungskommandos.

„Das Schild wurde daraufhin auf Weisung des deutschen Kontingentführers vor Ort sofort entfernt", fügt der Sprecher hinzu. Die Hintergründe zu dem gesamten Sachverhalt würden aktuell durch die zuständigen Vorgesetzten in Masar-e-Sharif untersucht. „Die Bundeswehr nimmt den Vorgang sehr ernst", heißt es weiter.

Information

Das Camp

  • Der Militärstützpunkt in Masar-e-Sharif am Fuße des Hindukusch ist aktuell auf eine Belegung für 2.000 Soldaten ausgelegt, teilt das Einsatzkommando mit.

  • Die Stationierung des ersten Einsatzgeschwaders dort geht auf das Jahr 2006 zurück.

  • Der internationale ISAF-Kampfeinsatz endete im Jahr 2014.

Die Aufnahme war von der Stadt Büren veröffentlicht worden, die zu Soldaten des in Afghanistan stationierten Panzergrenadierbataillons 212 aus Augustdorf eine Patenschaft unterhält. Der Begriff ist durch seine historische Bedeutung vorbelastet. In Stammlagern der Deutschen Wehrmacht waren Kriegsgefangene grausam behandelt worden, viele von ihnen kamen dabei ums Leben.

Die CDU-Bundestagsabgeordnete Kerstin Vieregge aus Lippe erklärt dazu: „Dieses Schild ist unsensibel und geschmacklos." Auch sie bestätigte, dass das Schild nach ihren Informationen „umgehend, nachdem Kenntnis davon erlangt wurde" abgebaut worden sei. Dies sei zwischen Mittwoch und Donnerstag gewesen, so die Unionspolitikerin, die auch Mitglied im Verteidigungsausschuss ist.

Das Bundesverteidigungsministerium ermittele nun die Hintergründe, was noch andauere. „Der gesamte Vorgang zeigt, wie wichtig die Neuauflage des Traditionserlasses ist", so Vieregge, die den Wahlkreis Lippe I im Parlament vertritt. „Nur durch Schulungen und Sensibilisierungen auf Basis des Traditionserlasses ist es möglich, das notwendige Verständnis der Soldatinnen und Soldaten im Umgang mit Dingen dieser Art zu schärfen", betont Vieregge. Nächste Woche werde sich der Verteidigungsausschuss mit dem neu erarbeiteten Traditionserlass befassen.

In diese Richtung äußerte sich auch die Bielefelder Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann (Bündnis 90/Die Grünen). „Der Vorgang unterstreicht, die Bundeswehr muss einen umfassenden Blick für unsere Geschichte haben", sagt sie auf Anfrage dieser Zeitung. „In diesem Zusammenhang ist es gut, dass der Traditionserlass der Bundeswehr aktuell überarbeitet wird", fügt die Erste Parlamentarische Geschäftsführerin ihrer Fraktion hinzu.

Christian Sauter (FDP), Bundestagsabgeordneter aus Extertal und Mitglied des Verteidigungsausschusses des Deutschen Bundestages, sagt zu dem Vorgang auf Anfrage: „Ich meine, man muss nun in Ruhe den tatsächlichen Sachverhalt aufklären. Zu Vorverurteilungen sollte es nicht kommen."

Bei der Aufklärung sieht Sauter nun die Bundeswehr am Zuge. Man müsse dabei bedenken, dass laut Berichten auch die Augustdorfer Soldaten das Schild bereits so in dem Lager vorgefunden hätten. Der Begriff „Stalag 13" kennzeichne auch die US-TV-Serie „Ein Käfig voller Helden", die das Thema satirisch aufgearbeitet habe. Letztlich kommt Sauter zu dem Schluss: „Da es ein sehr sensibles Thema ist, sollte ein solches Schild abgenommen werden."

Der Bundeswehrverband war zunächst für eine Stellungnahme zu dem Thema nicht erreichbar. Die Stadt Büren hat das Foto, das zwischenzeitlich auf ihrer Homepage zu sehen war, von ihrer Website entfernt.

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