Stiftungen sind wieder im Trend

Matthias Bungeroth

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Symbolbild - © Foto: pixabay
Symbolbild (© Foto: pixabay)

Detmold/Bielefeld. Die Zahl der neuen Stiftungen in Ostwestfalen-Lippe ist wieder steigend. Nach einer aktuellen Bilanz der Bezirksregierung Detmold wurden im Vorjahr 16 neue Stiftungen anerkannt; ein Jahr zuvor waren es lediglich zehn. „Die neu gegründeten Stiftungen brachten ein Kapital von etwa 24 Millionen Euro ein", sagt Andreas Moseke, Sprecher der Bezirksregierung.

Damit beträgt das Stiftungskapital in OWL seinen Angaben zufolge nunmehr rund zwei Milliarden Euro. Von den 536 Stiftungen des Bezirks seien 398 allgemein gemeinnützige oder mildtätige Stiftungen, 81 Stiftungen kirchlich und 57 nicht steuerbegünstigt.

Mit seiner positiven Bilanz liegt der Regierungsbezirk Detmold im Bundestrend, wie Katrin Kowark, Sprecherin des Bundesverbands deutscher Stiftungen (BVDS), im Gespräch mit der Neuen Westfälischen erläutert. „Es werden weiter Stiftungen gegründet", sagt Kowark. Allein im Jahr 2016 seien 582 neue hinzugekommen. Aktuell gibt es dem Dachverband zufolge rund 21.806 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts mit einem Vermögen von rund 100 Milliarden Euro. Die meisten Stiftungen in Deutschland gibt es in Nordrhein-Westfalen. „Dort sind zurzeit 4.258 rechtsfähige Stiftungen bürgerlichen Rechts registriert", so Kowark. Gemessen an der Einwohnerzahl gibt es laut BVDS die meisten Stiftungen in Hamburg.

Im Durchschnitt wurden zwischen 2001 und 2016 jährlich knapp 800 rechtsfähige Stiftungen des bürgerlichen Rechts gegründet, wie Kowark erläutert. Dies seien mehr als die Hälfte aller heute bestehenden Stiftungen dieser Art. Im Laufe der Jahre hat es vier wichtige gesetzliche Änderungen gegeben, die die Arbeit und Besteuerung von Stiftungen betreffen.

„Seit 2013 sind Verbrauchs- oder Teilverbrauchsstiftungen möglich", erläutert Moseke dazu. Hierbei werde das zur Verfügung gestellte Vermögen – ganz oder in Teilen – zusätzlich zu den Erträgen in einem festgelegten zeitlichen Rahmen für die Zweckerfüllung ausgegeben.
Moseke: „Immer mehr Stifter entscheiden sich für diese neue Form, da wegen der anhaltenden Niedrigzinsphase eine Zweckverwirklichung nur aus den Erträgen immer schwieriger wird." Derzeit gebe es in OWL 14 Verbrauchs- und Teilverbrauchsstiftungen.

„Die Niedrigzinsphasen sind natürlich herausfordernd", unterstreicht auch Kowark. Doch sie sagt zugleich: „Die Gründungsmotivation hat sich sogar erhöht." Als Gründe nennt Kowark die Vertreter der Babyboomerjahre, die nun in Rente gingen. Für diese Personengruppe sei eine Stiftung insbesondere im Falle der Kinderlosigkeit „eine schöne Möglichkeit, etwas von dem zurückzugeben, was ich selber erfahren habe".

In vielen Stiftungen stecke zudem unternehmerisch erworbenes Geld, erläutert Kowark. Sei es früher so gewesen, dass sich die meisten Stiftungen mit den Erträgen aus einem festen Stammkapital einem bestimmten Zweck gewidmet hätten, arbeiteten heute nicht wenige auch mit der Methode des Fundraising, also der Mittelbeschaffung. „Andere unterhalten Unternehmensanteile oder Immobilienbestand", so Kowark. Ihren Angaben zufolge sind 95 Prozent aller Stiftungen bundesweit gemeinnützig.

In OWL ist laut Moseke die Stadt Bielefeld mit 144 Stiftungen Spitzenreiter, gefolgt von den Kreisen Lippe und Gütersloh mit 99 und 86 Stiftungen. Im Kreis Paderborn sind 72, im Kreis Minden-Lübbecke 57, im Kreis Herford 51 und im Kreis Höxter 27 Stiftungen anerkannt.

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