In zwei Monaten eröffnet der Kaiser wieder

Carolin Nieder-Entgelmeier

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Monumental: Das zweitgrößte Denkmal Deutschlands ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica - © oliver Krato
Monumental: Das zweitgrößte Denkmal Deutschlands ist das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica (© oliver Krato)

Porta Westfalica. Zwei Monate vor der Wiedereröffnung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals in Porta Westfalica ist für Besucher des zweitgrößten Denkmals in Deutschland noch nicht viel Veränderung erkennbar. Zwei Eingänge auf der Ringterrasse lassen nur erahnen, dass in dem Sockel des Monuments am 8. Juli ein Besucherzentrum und ein Restaurant eröffnet werden.

Die Arbeiten am Denkmal laufen bereits seit Mai 2016. Aufgrund schwieriger Bodenverhältnisse, Baumängeln in der Entstehungszeit von 1892 bis 1896 und der seit 1946 durch eine Sprengung der Briten teilweise zerstörten Ringmauer sind die Bauarbeiten umfangreich: 25.000 Kubikmeter Erdreich mussten für die Baugrube bewegt, 3.800 Tonnen Beton in den Sockel gegossen, 840 Tonnen Sandstein verbaut und 270 Pfähle 30 Meter tief in die Erde gebohrt werden, damit das Monument sicher steht und der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt werden kann.

Information
Tickets für die Eröffnung
Am 8. Juli wird der LWL das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica mit einem Fest ab 13.30 Uhr wiedereröffnen. Der Zugang zum Denkmal ist am Eröffnungstag aus Sicherheitsgründen begrenzt. Der LWL verlost kostenlose Tickets: 
www.kaiser-wilhelm-
eroeffnung.lwl.org

Der Blick in den Bauch des Sockels überrascht: Die Räume für das Besucherzentrum und das Restaurant „Wilhelm 1896" umfassen mehr als 600 Quadratmeter und werden von einer 310 Quadratmeter großen Außenterrasse umringt. Panoramafenster ermöglichen so auch unterhalb der Kaiser-Statue einen traumhaften Ausblick in das Weserbergland.

Um den Charakter des Denkmals nicht zu verfälschen hat sich der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als Eigentümer für den Einsatz von Obernkirchener Sandstein entschieden. Die wieder instand gesetzte Ringmauer sowie die Pfeiler und Bögen des Sockels bestehen aus den in Handarbeit verzierten Sandsteinen.

Das Herzstück des Besucherzentrums ist bereits zu sehen: Eine Panoramawand schlängelt sich durch das Gebäude. „Darauf präsentieren wir den Besuchen die vielen Facetten und Eigenheiten des Denkmals, des Wittekindsbergs und der Region", erklärt LWL-Direktor Matthias Löb. Auch kurze Einblicke in das gewaltige Bauvorhaben sind geplant. „Es gibt jede Menge zu erzählen, wie zum Beispiel den Einfluss von Fledermäusen auf die Bauarbeiten. Die Bauunternehmen mussten Löcher im Gestein des Berges mit Netzen abhängen, damit sich die Fledermäuse während der Arbeiten dort nicht zurückziehen."

Mit diesem gewaltigen Bauvorhaben will der LWL das Denkmal nicht nur erhalten, sondern aufwerten. „Ich bin davon überzeugt, dass die Aufwertung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals mehr Besucher nach Porta Westfalica ziehen wird, wovon die ganze Region profitieren kann", sagt Löb. Der LWL rechnet vorsichtig mit 150.000 Besuchern pro Jahr. Aktuell sind es rund 120.000 jährlich.

Bei der Sanierung des Denkmals geht es dem LWL laut Löb nicht um eine Verklärung des Kaisertums, sondern um eine historische Einordnung. „Im Besucherzentrum informieren wir künftig nicht nur über das Denkmal und Kaiser Wilhelm I., sondern auch über die Geschichte des Ortes, von den Römern in Germanien über Preußens Pathos bis zum Elend der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkrieges in den Stollen direkt unter dem Monument." Der LWL will Denkanstöße geben, aber nicht belehren. Wichtig ist Löb zudem der Verweis auf das Potenzial der Umgebung und die vielen engagierten Ehrenamtler, die sich um die Region und ihre Schätze kümmern.

Damit das Kaiser-Wilhelm-Denkmal ein weit sichtbarer Blickfang bleibt und mit neuen Angeboten künftig länger zum Verweilen einlädt, hat der LWL 16,4 Millionen Euro in die Sanierung investiert. Unterstützt wird der Verband dabei vom Bund mit 5,8 Millionen Euro, von der Stadt Porta Westfalica mit 600.000 Euro und von der NRW-Stiftung mit 300.000 Euro.

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