So steht es um die Bereitschaft zur Organspende

Martin Fröhlich

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Kämpft für Organspenden: Arzt Gero Frings. - © Bernhard Hospital
Kämpft für Organspenden: Arzt Gero Frings. (© Bernhard Hospital)

Bielefeld. Gero Frings, führender Kopf der Transplantationsbeauftragten in NRW, glaubt, dass das Problem nicht bei den potenziellen Spendern liegt. Im Interview spricht er unter anderem daüber, wie er das Thema auch an Schulen etablieren möchte.

Herr Frings, Sie sind Transplantationsbeauftragter am St.-Bernhard-Hospital von Kamp-Lintfort. Was macht ein Transplantationsbeauftragter?

Gero Frings: Er filtert die Patienten heraus, die als Spender in Frage kommen. Er prüft, ob sie die Voraussetzungen erfüllen, spricht, wenn noch möglich, mit dem Patienten, regelt die Zusammenarbeit der Fachabteilungen. Steht bei einem potenziellen Spender der Hirntod bevor, kümmert er sich darum, dass alles in die Wege geleitet wird. Dazu gehört auch das Gespräch mit den Angehörigen.

Und wenn es so weit ist?

Frings: Dann ist der Beauftragte dafür verantwortlich, dass die intensivmedizinische Weiterbehandlung erfolgt, damit überhaupt eine Organentnahme möglich ist. Er informiert die beteiligten Institutionen, vor allem die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), die die Spende koordiniert. Später muss er bewerten, wie das Verfahren abgelaufen ist.

Es gibt eine Debatte darum, dass die Beauftragten zu wenig Zeit für ihre Aufgabe haben. Wie viel Zeit bräuchten Sie denn?

Frings: Es gibt die offizielle Forderung nach 0,1 Stellen pro zehn Intensivbetten in einem Krankenhaus. Das ist ein symbolischer Wert. Wichtig ist, dass der Beauftragte genügend Raum in seiner täglichen Arbeit hat, um sich darum zu kümmern. Im Fall einer konkreten Organentnahme guckt niemand auf Stellenschlüssel. Dann wird einfach gehandelt.

Wie oft kommt so etwas vor?

Frings: In einem mittelgroßen Krankenhaus gibt es etwa einmal pro Jahr eine Multiorganentnahme.

Würde mehr Zeit automatisch zu mehr Organspenden führen?

Frings: Eine gute Frage. Das können wir noch nicht mit Daten belegen. In Bayern, wo es die Stellenquote gibt, ist die Zahl der Spenden gestiegen. Das zeigt eine Tendenz.

Wie wird die Arbeit finanziert? Kann eine Klinik das direkt mit den Krankenkassen abrechnen?

Frings: Mit den Kassen kann man das nicht abrechnen, aber mit der DSO. Die Frage nach der Finanzierung hat bei uns aber noch keiner gestellt. Am Geld darf diese Arbeit nicht scheitern.

Sie starten mit der DAK eine Kampagne dafür, das Thema Organspende schon in der Schule zu besprechen. Sind Schüler dafür nicht noch zu jung?

Frings: Nein. Ich bin regelmäßig in Schulen zu Gast mit dem Thema. Kinder und Jugendliche haben eine sehr differenzierte und klare Meinung dazu. Sie fragen sehr konkret und wollen zum Beispiel wissen, was mit den Organen bei einer Transplantation genau passiert.

In vielen Ländern gibt es eine Widerspruchslösung. Dort ist automatisch jeder Organspender, der dem nicht widerspricht. Wieso tun sich die Deutschen damit so schwer?

Frings: Tun sie ja gar nicht! Wir wissen aus Umfragen, dass die Mehrheit für die Widerspruchslösung ist und spenden würde. Schwer tun sich die Politik und einige Meinungsmacher. Das ist eine sehr deutsche Diskussion. Jedes Jahr fahren Millionen Deutsche als Touristen in Länder mit Widerspruchslösung. Dort würden sie im Ernstfall Organspender. Wenn sie strikt dagegen wären, würden sie dort nicht hinfahren.

Mitreden beim Thema

Gero Frings ist Gast bei einer Veranstaltung der DAK Gesundheit, der Ärztekammer und dieser Zeitung am Donnerstag, 17. Mai, in Bielefeld. Dann diskutieren mit ihm und dem Publikum in der Ravensberger Spinnerei ab 19 Uhr: Klaus Overdiek, Leiter DAK-Landesvertretung, Theodor Windhorst, Ärztepräsident Westfalen-Lippe, Jan Gummert, HDZ Bad Oeynhausen, Peter Schallenberg, Moraltheologe an der Theologischen Fakultät Paderborn, und Hans-J. Schmolke, Selbsthilfe Organtransplantierter.Schirmherrin ist Susanne Laschet. Anmeldungen sind unter www.dak.de/
;organspende-bielefeld möglich.

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