Gift im Pausenbrot: Weitere Vergiftungsfälle werden geprüft

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Der Mitarbeiter einer Firma in Schloß Holte-Stukenbrock hatte eine seltsame Substanz auf seinem Brot gefunden und daraufhin die Polizei eingeschaltet. - © Symbolbild Pixabay
Der Mitarbeiter einer Firma in Schloß Holte-Stukenbrock hatte eine seltsame Substanz auf seinem Brot gefunden und daraufhin die Polizei eingeschaltet. (© Symbolbild Pixabay)

Schloß Holte-Stukenbrock. Er wollte gerade seine Pause genießen und etwas essen, doch dann stellte der Mitarbeiter einer Firma in Schloß Holte-Stukenbrock eine komische Substanz auf seinem Brot fest. Einer seiner Kollegen wurde wegen versuchten Mordes festgenommen.

Wochen zuvor hatten zwei weitere Mitarbeiter gesundheitliche Probleme. Nun wird geprüft, ob es eine Verbindung zum jüngsten Giftanschlag gibt. "Endgültige Gutachten zu den aufgefunden Substanzen liegen bislang nicht vor", heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei Bielefeld. Die Ermittlungen dauern an.

Der Vorfall ereignete sich bereits Anfang Mai. Nachdem er die Firmenleitung informiert hatte und eine Anzeige bei der Polizei erstattet wurde, konnte am 16. Mai, durch Videoaufnahmen ein Mitarbeiter dabei beobachtet werden, wie er die Brotdose des Kollegen öffnete und eine Substanz auf ein Brot aufbrachte, heißt es in einer Pressemitteilung der Polizei. Die Bildaufnahmen führten zur Identifizierung eines 56-jährigen Mitarbeiters. Der Tatverdächtige wurde daraufhin am Mittwoch festgenommen. In seiner Tasche fanden die Beamten zudem eine kleine Flasche mit einer pulvrigen Substanz.

Bei der Durchsuchung der Wohnung des Tatverdächtigen in Bielefeld, ergaben sich weitere Hinweise auf chemische Substanzen. Die Sicherstellung erfolgte durch Spezialisten der Berufsfeuerwehr Bielefeld. Erste Untersuchungsergebnisse des Anfang Mai sichergestellten Pausenbrotes, durch Spezialisten des Landeskriminalamtes NRW haben ergeben, dass der dringende Verdacht besteht, dass es sich bei der Substanz auf dem Brot um eine toxische Chemikalie handelt. Das LKA ist mit weiteren Untersuchungen beauftragt worden.

Da von einem versuchten Tötungsdelikt durch Vergiftung ausgegangen wird, ermittelt eine Mordkommission (MK Mergel) aus Beamten der Polizei Bielefeld und Gütersloh, unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Bernd Kauschke. Der Tatverdächtige wurde am Donnerstag, 17. Mai, einem Haftrichter vorgeführt, der einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes erlassen hat. Die Ermittlungen dauern noch an.

Ermittler und Kollegen rätseln über Motiv

Was treibt einen 56-jährigen Mann dazu, die Gesundheit eines Kollegen aufs Spiel zu setzen, ihn womöglich mit einer giftigen Substanz auf dem Pausenbrot töten zu wollen? Diese Frage stellen sich die Mitarbeiter eines großen Armaturenherstellers in Schloß Holte Stukenbrock. „Unsere Mitarbeiter sind geschockt und betroffen über den Vorfall, besonders die, die im näheren Umfeld von Täter und Opfer arbeiten", sagt der Unternehmenssprecher.

Beide Männer waren in einer Fertigungshalle für Werkzeugbau beschäftigt und arbeiteten in unmittelbarer Nähe. Anfang Mai fällt dem Opfer auf, dass sich auf seinem Pausenbrot eine seltsame Substanz befindet, die sein Misstrauen weckt. Er wendet sich an den Betriebsrat, der den Betriebsarzt, die Unternehmens- und Personalleitung zu Rate zieht.

Schnell ist klar, dass es sich um ein gesundheitsgefährdendes Mittel handelt. Es wird Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei erstattet. Weil Wochen zuvor zwei weitere Mitarbeiter gesundheitliche Probleme hatten, wird gehandelt. Unternehmensleitung und Betriebsrat stimmen sich ab. Im Pausenraum wird eine Videokamera installiert. So will man den Täter bei einem weiteren Versuch identifizieren.

Am Mittwoch dieser Woche tappt der 56-jährige Mitarbeiter in die Videofalle. Auf den aufgezeichneten Bildern ist zu sehen, wie er die Brotdose des Kollegen öffnet und eine Substanz auf das Pausenbrot aufbringt. Noch an seinem Arbeitsplatz wird der Bielefelder festgenommen und für weitere Ermittlungen ins Bielefelder Polizeipräsidium transportiert. Hier finden Ermittler in einer seiner Taschen eine kleine Flasche mit einer pulvrigen Substanz. Bei der Durchsuchung der Wohnung des Tatverdächtigen ergeben sich weitere Hinweise auf chemische Stoffe.

Am Donnerstag erlässt der zuständige Haftrichter des Amtsgerichts Bielefeld Haftbefehl wegen versuchten Mordes. Seitdem ermittelt eine Mordkommission aus Beamten der Polizei Bielefeld und Gütersloh. Es gilt, Antworten auf viele Fragen zu finden. Was war das Motiv für die Tat? Abgeklopft wird zur Zeit, ob sich die beiden Männer auch privat kannten, sie im Streit lagen, es berufliche oder private Konflikte gab. Ermittlungsbeamte befragen erneut Teile der Belegschaft in dem Armaturenwerk nach besonderen Vorkommnissen.

War der Stoff, der auf das Pausenbrot gegeben wurde, so giftig, dass er hätte töten können? Beim Landeskriminalamt Düsseldorf wird die Substanz derzeit analysiert. Der Bielefelder Strafverteidiger Henning Jansen, der den mutmaßlichen Täter vertritt, möchte diesen Befund erst abwarten. „Erst wenn die Giftigkeit der Substanz und ihre verabreichte Menge klar sind, kann die Tat rechtlich bewertet werden", sagt der Jurist. Seiner Meinung nach hängt die Staatsanwaltschaft den Fall viel zu hoch.

Der Arbeitgeber des Festgenommenen erklärt, dass die verwendete Substanz nicht aus dem Unternehmen stamme, sondern von dem 56-Jährigen vermutlich mitgebracht wurde. In einer Betriebsversammlung wird den Beschäftigten gesagt, dass sie keine Sorge haben müssten. Trotzdem wird ihnen geraten, angebrochene Getränke und Lebensmittel, zu denen der 56-Jährige eventuell Kontakt haben konnte, sofort zu vernichten.

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