Diesel-Diebstahl nimmt drastisch zu

Steigende Preise rufen Langfinger auf den Plan

veröffentlicht

Bielefeld. Der Kraftstoff wird jedes Jahr teurer - und mit seinem Preis steigt die kriminelle Energie. Allein in den letzten Monaten hat die Polizei in Ostwestfalen-Lippe mehr als ein Dutzend Fälle von Dieseldiebstählen in der Region gemeldet. Zuletzt wurden in Salzkotten bei Paderborn 1.700 Liter Kraftstoff gestohlen.

Bünde im Februar. Mitternacht auf einer Baustelle an der Straße Im Obrock. Es ist dunkel. Es gibt keine Zeugen. Ein Bagger steht da, drei Lkw - wie auf dem Präsentierteller für die Täter. Sie nutzen die Gelegenheit, brechen die Tankverschlüsse auf, zapfen Diesel ab. In den letzten Wochen haben sich solche Vorfälle in OWL gehäuft; zuletzt schlugen die Täter in Salzkotten bei Paderborn zu. Vor einer Woche haben sie am Schiedersee in Lippe sogar per Schiff Diesel von einem Ponton gestohlen.

"Wenn die Preise hoch bleiben oder steigen, werden auch die Diebstähle weiter zu nehmen", sagt Peter Meintz vom Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC). Sein Eindruck: Täter sind schon jetzt zunehmend bereit, auch für eine geringe Ausbeute ein großes Risiko einzugehen. "Eine leichte Beute sind Landwirtschaftsmaschinen, Lastwagen oder Baufahrzeuge, weil sie häufig unbeaufsichtigt sind", sagt er. Zudem besitzen diese Fahrzeuge einen großen Tank, die Ausbeute ist entsprechend groß.

Martin Schultz, Pressesprecher der Bielefelder Polizei, vermutet, dass es sich bei den Tätern häufig um Mitglieder "professioneller Banden" handelt. "Das geschieht nicht zufällig, sondern gut vorbereitet." Verwertbare Spuren finden die Ordnungshüter nämlich selten, die Aufklärungsquote sei gering. "Dieselklau ist eine Sache von fünf Minuten", sagt ADAC-Experte Meintz. Ihm zufolge spielt der Dieseldiebstahl besonders im Winter eine große Rolle, denn der Kraftstoff kann auch zum Heizen verwendet werden.

Dieseldiebstahl immer größeres Thema
Auch Volker Reck, Bauleiter der Firma Asphalt Kleemann in Bielefeld, glaubt, dass Dieseldiebstahl zu einem immer größeren Thema wird. Seine Firma wurde Mitte Februar von Dieseldieben heimgesucht. Mitarbeiter hatten einen Bagger gerade vollgetankt. In der Nacht schlugen die Täter zu. Ihre Beute: 325 Liter Diesel.

Für die Firma bedeutet das: ein leerer Tank, ein aufgebrochener Tankdeckel, 700 Euro Schaden. Dabei gingen die Täter offenbar besonders dreist vor. "Unser Bagger stand an einer vielbefahrenen Straße, aber niemand hat etwas bemerkt", sagt Reck. Er glaubt ohnehin nicht, dass viel gegen die Dieseldiebe unternommen werden kann: "Die sind raffiniert, irgendwie kommen die immer an den Kraftstoff." Von den Tätern in diesem Fall fehlt bislang jede Spur.

"Besonders gefährdet sind Baufahrzeuge, die auf einem abgelegenen Platz stehen", sagt Bernhard Philipps, Sprecher des Verbandes Spedition und Logistik NRW. "Wenn die Tankdeckel nicht besonders gesichert sind, können Verbrecher sie leicht knacken." Viele Spediteure und Bauunternehmer setzen deshalb auf Sicherungssysteme, die Alarm schlagen, wenn der Tankinhalt rapide sinkt. Diese Systeme seien zwar teuer, doch lohne sich die Anschaffung für viele Speditionen durchaus. Denn Versicherungen kämen zwar für den Schaden durch den gestohlenen Sprit auf, "es muss aber auch nachgewiesen werden, dass der Tank vorher wirklich voll war". Dieser Nachweis sei nicht immer einfach zu erbringen.

Immer öfter werden auch Autofahrer Opfer von Spritdieben. Das berichtet Peter Meintz. Pannenhelfer vom Automobilclub hätten nämlich beobachtet, dass Fahrer auf Autobahnen in Nordrhein-Westfalen immer häufiger mit leerem Tank liegen bleiben - nicht weil sie vergessen hatten zu tanken, sondern weil ihnen der Tankinhalt abgezapft worden war. Der Experte rät Autofahrern, abgelegene Parkplätze zu meiden und im Zweifelsfall das Auto nicht lange unbeaufsichtigt zu lassen.

Copyright © Lippische Landes-Zeitung 2017
Texte und Fotos von lz.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.