Forstunternehmen dezimiert Wild im Kreis Höxter

Drückjagd auf Rehe in der Kritik

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Höxter (joda). Tierschützer sprechen von einem "Gemetzel", Jäger von einem "möglichen Vakuum" in der Fauna. Für das Forstwirtschaftsunternehmen Boscor ist die Treibjagd auf Rehwild hingegen ein notwendiges Instrument zum Schutz seiner Bäume. Anfang des Jahres hatten Jäger im Auftrag des oberfränkischen Unternehmens bei einer Drückjagd innerhalb weniger Stunden im Höxteraner Forst 47 Rehe geschossen. Am kommenden Samstag steht nun nach Informationen der Neuen Westfälischen wieder eine solche Jagd an.

Rechtsanwalt Dominik Storr hat im Auftrag von verschiedenen Tierschutzorganisationen Anzeige gegen die Geschäftsführer des Unternehmens gestellt. "Diese Art zu bejagen kann nicht weidgerecht sein", sagt er. "Mit der herkömmlichen Jagd hat das nichts mehr zu tun." Er beklagt, dass es den Verantwortlichen nicht um einen nachhaltigen Umgang mit dem Wald gehe, sondern darum, die industrielle Nutzbarkeit zu maximieren. Das Verfahren laufe noch.

Als Vorsitzender der benachbarten Jagdgemeinschaft Siddessen steht auch Paul Wintermeyer dem Vorgehen kritisch gegenüber. "Wir haben Angst, dass das Rehwild zu weit dezimiert wird", sagt er. "Die Menschen sehen gerne auch mal fünf Tiere im Rudel auf einer Lichtung. Das gehört einfach in unsere Natur." Auch wenn er keine akute Gefahr sehe, dass das Rehwild im Kreis Höxter durch eine einzelne Drückjagd nachhaltig geschädigt wird, wünscht er sich ein "gutes Level für alle". Er kritisiert zudem, dass das Forstunternehmen die örtlichen Jagdgenossenschaften im Vorhinein nicht informiert hat.

Die Boscor-Verantwortlichen reagieren deutlich verärgert auf die Kritik und betonen, ihr Vorgehen sei rechtlich abgesichert. Auch Ernst-Heinrich Uber, früher Leiter des Regionalforstamtes Hochstift, bestätigt: "Das ist aus waldbaulicher Sicht in Ordnung."

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