Nordkorea-Krise: Angst, Wut und Beschwichtigungen auf Guam

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US-Überseegebiet Guam - © Foto: Tassanee Vejpongsa
Touristen am Strand: Die Einwohner des US-Überseegebiets Guam im Pazifik haben Angst, dass sie in die Schusslinie des Atomstreits zwischen Nordkorea und den USA geraten könnten. (© Foto: Tassanee Vejpongsa)

Hagåtña/Dededo - Wenn die Großen streiten, leiden die Kleinen. Die gegenseitigen Drohungen Nordkoreas und der USA haben die Bewohner der kleinen Pazifikinsel Guam in Alarmbereitschaft versetzt.

Zwar hatte der Gouverneur des US-Gebiets, Eddie Baza Calvo, am Mittwoch in einer Videobotschaft eine akute Bedrohung ausgeschlossen. Er versicherte jedoch zugleich, die Insel sei «auf alle Eventualitäten vorbereitet».

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Nordkorea hatte gedroht, mehrere Raketen auf die rund 3400 Kilometer entfernte Pazifikinsel abzufeuern, auf der die USA einen strategisch wichtigen Militärstützpunkt unterhalten. Dort leben rund 160 000 Menschen. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump offen wie noch kein US-Präsident Nordkorea militärisch gedroht.

Die Einwohner Guams sind Drohungen aus Nordkorea gewohnt. Dennoch sind sie beunruhigt. «Das ist schon ziemlich verrückt», sagte Inselbewohner Victor Bilon dem Fernsehsender KUAM. «Ich sehe mir die Leute hier an, die so tun, als sei es kein Problem. Aber ich denke, es ist ein wirklich großes Problem für uns. Ich denke, ich sollte nach Hause gehen und mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen.»

Lou Meno aus dem nördlichen Dorf Dededo ist wütend auf Trump. «Wir haben kleine Kinder, die nicht wissen, was los ist. Und was tut der Präsident, um uns zu schützen? Ich gebe ihm die Schuld. Er ist reich (...), er ist geschützt. Aber was ist mit uns?», fragt sie. «Es ist beängstigend.»

Der Gouverneur versicherte, derzeit seien weder Guam noch die Inselgruppe der Marianen, zu der Guam gehört, bedroht. Er werde eine Koordinierungsgruppe einberufen, um über die Einsatzbereitschaft von Militär und Rettungskräften zu sprechen, sagte Calvo. Er arbeite mit dem Heimatschutz, dem Konteradmiral und den USA zusammen, um die Sicherheit der Insel zu gewährleisten.

Der Bedrohungsgrad habe sich durch die Ereignisse in Nordkorea nicht erhöht, sagte der Gouverneur unter Berufung auf seinen Heimatschutzberater George Charfauros. Zudem habe ihm das Weiße Haus in Washington zugesichert, dass jeder Angriff oder jede Bedrohung Guams eine Bedrohung oder ein Angriff auf die USA seien. «Sie haben gesagt, dass sie Amerika verteidigen werden», so Calvo. «Guam ist amerikanischer Boden, und es leben 200 000 Amerikaner auf Guam und auf den Marianen. Wir sind nicht nur eine Militäranlage.»

Andere Inselbewohner reagierten relativ gelassen auf das Säbelrasseln aus Pjöngjang. «Wenn es passiert, dann passiert es eben. Lasst uns einfach beten und das Beste aus dem machen, was wir jetzt haben», sagte Louie Joyce der Regionalzeitung «Mariana Variety».

Natürlich sei die Lage beängstigend. «Aber was können wir tun?», fragte sie. «Wir leben auf einer kleinen Insel. Sollte es zu einem Angriff kommen, kann man sich nirgends verstecken.» Ähnlich sieht das auch Paul Mills. «Ich lebe mein Leben momentan normal weiter. Ich denke, wenn es eine reale Bedrohung gibt, werden wir es merken.»

Auslöser des jüngsten Konflikts zwischen den USA und Nordkorea war der Test einer Interkontinentalrakete am 28. Juli, die Nordkorea trotz aller Verbote des UN-Sicherheitsrates und Warnungen aus dem Ausland abgefeuert hatte. Die Rakete hatte nach Berechnungen von Experten eine theoretische Reichweite von rund 10 000 Kilometern und könnte Experten zufolge damit das US-Festland erreichen. Als Reaktion auf den Raketentest verhängte der UN-Sicherheitsrat die bislang schärfsten Wirtschaftssanktionen gegen Nordkorea.

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