Laufendes Gerichtsverfahren polarisiert – Viele Bürger kündigen im Zweifelsfall einen Boykott an
Kalletal-Lüdenhausen. Vor Gericht ringen die Kalletaler Parteien derzeit darum, ob die Rats- und Bürgermeisterwahl in Lüdenhausen wiederholt werden muss. Die LZ ging gestern vor Ort auf Stimmenfang – und hörte die unterschiedlichsten Meinungen. Die Bandbreite reichte von völligem Verständnis bis zum Vorwurf des "Kasperletheaters".
Wie berichtet, deutet nach einer ersten Einschätzung des Oberverwaltungsgerichts Münster einiges darauf hin, dass es in einigen Monaten zu Neuwahlen in Lüdenhausen kommen könnte (die LZ berichtete). Nach dem gestrigen Stimmungsbarometer während der "Mobilen Redaktion" vor dem Lebensmittelgeschäft "Krooß" dürfte die Beteiligung der Lüdenhauser dann aber sehr zu wünschen übrig lassen.
"Es herrscht eine große Politikverdrossenheit. Viele haben die Faxen dicke. Wir wollen unseren alten Bürgermeister Fritzemeier wiederhaben – da hat es solche Ränkespiele nicht gegeben", sagte Peter Wendt. Er sieht zudem die Gefahr, dass es längst nicht mehr um den ursprünglichen Wählerwillen geht. "Eine Neuwahl könnte dem neuen Bürgermeister jetzt zum Verhängnis werden. Herr Karger hat bislang wenig Fingerspitzengefühl und Souveränität gezeigt", sprach Wendt auch den Vorwurf der Vetternwirtschaft im Rathaus an.
Aber auch die Kalletaler Koalition aus SPD, UKB und Grünen, die mit ihrer Ratsmehrheit die Neuwahl in Lüdenhausen beschlossen hatte, bekam gestern ihr Fett weg. "Die SPD kann nicht verkraften, dass sie verloren hat. Dabei müssten doch alle dringend zusammenarbeiten", erklärte Gerd Becker. Für Alfred Solfen steht fest: "Beide Parteien und auch beide Kandidaten gehören in den Kindergarten. Für mich als Bürger ist das alles nicht mehr nachvollziehbar."
Anja Rolf sprach sich deutlich für Neuwahlen aus ("Es war nicht in Ordnung, dass das Wahllokal bei der Auszählung geschlossen war"), wusste aber auch zu berichten, dass sie mit dieser Meinung in der Minderheit sei. Der frisch gebackene Schützenkönig Claus Tünnermann drückte es diplomatisch aus: "Es kann eigentlich nicht sein, dass ein Dorf nachträglich die gesamte Wahl entscheidet. Von der Sache her mag eine Neuwahl hier okay sein, aber es ist unglücklich. Das Ergebnis wird dadurch nicht richtiger." Auslöser der Querelen sieht er in dem knappen Wahlausgang am 30. August 2009, wo Andreas Karger (CDU) am Ende 34 Stimmen Vorsprung vor Uwe Busch (SPD) hatte: "Bei einer komfortablen Vorsprung wäre das alles nicht passiert." Rüdiger Lüder ist das egal: "Wenn es Wahlgesetze gibt, dann muss sich auch jeder daran halten. Ich würde zu einer Neuwahl gehen." (bas/seh)