75 Jahre Lippe in NRW

MAGAZIN Jahre 75 Lippe in NRW Lippe Tourismus & Marketing GmbH Grotenburg 52 | 32760 Detmold www.land-des-hermann.de #visitlanddeshermann Ob Hermannsdenkmal, Externsteine oder Klimaerlebniswelt oder, oder. Lippemarketing sorgt dafür, dass die vielfältigen touristischen Angebote, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen von Lippe überall bekannt sind! Lippe Tourismus & Marketing GmbH Verlagsbeilage · Mittwoch, 20. Juli 2022

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Liebe Lipperinnen, liebe Lipper, In den vergangenen Monaten musstenwir alle erkennen, dass Frieden und Sicherheit, Freiheit und Wohlstand nicht selbstverständlich sind. Ein Schlüsselerlebnis für mich war der Besuch bei 32 Kindern und ihren Betreuern aus einem Kinderheim in Mariupol am 30. März in Lage. Sie konnten sich aus der umkämpften Stadt, in der Putins Soldaten brutal und völkerrechtswidrig gegen Zivilisten vorgegangen sind, zu uns retten. Und sie fanden Aufnahme in Lage, bei Menschen, die geholfen haben, statt lange zu überlegen. Solidarität und Tatkraft, anderen helfen und anpacken, wo es nötig ist, das ist typisch für die Menschen in Lippe. Beides stand auch am Anfang unserer gemeinsamen Geschichte. Die Herausforderungen vor 75 Jahren waren ungeheuer groß. Städte und Infrastruktur waren durch den Krieg zerstört, Millionen Flüchtlinge und Vertriebene suchten ein Zuhause, die Wirtschaft lag am Boden, Rechtsstaat und Demokratie mussten neu aufgebaut werden. Es gelang damals, Grundlagen zu schaffen, die bis heuteAufstieg undWohlstand für viele ermöglichen. Der Beitrag Lippes dazu war und ist groß. Denn Lippe ist eine wirtschaftlich herausragende Region, innovationsgetrieben und zukunftsorientiert, stark imMittelstandundmit tief verwurzelten Familienunternehmen und Hidden Champions. Die Region ist geprägt von einer reichen Kulturlandschaft und einer wunderschönen Natur. Lippe steht für eine lebenswerte und zukunftsfähige Heimat, für eine gesunde Mischung aus mittelgroßen Städten und einem starken ländlichen Raum. Auch bei den Herausforderungen, vor denen wir aktuell stehen, können die Menschen in Lippe, dem Rheinland und Westfalen zusammen mehr erreichen. Die größte Herausforderung unserer Zeit ist der Schutz unseres Klimas. Das ist ein Generationenprojekt. Wir müssen Klimaschutz in Einklang bringen mit Wachstum und guten, sicheren Arbeitsplätzen. Auch bei dieser großenAufgabewird Lippe mit seiner starken mittelständischen Wirtschaft und seinen Forschungseinrichtungen eine große Rolle spielen. ErneutwerdenwirTatkraft, Mut und Solidarität brauchen. Die Werte, die uns seit 75 Jahren gemeinsam tragen und unser Landauchkünftig zueinemLandder Chancen machen. Mit Lippe als Teil Nordrhein-Westfalens ist unser Land noch stärker, noch schöner, noch vielfältiger und vor allem vollständig geworden. Lippe hat dabei – auf Grundlage der von Heinrich Drake durchgesetzten Lippischen Punktuationen – viel von seiner Eigenständigkeit bewahrt: Dafür stehen Institutionen wie das Landestheater, die Landesbibliothek und das Landesmuseum. Dafür steht auch die Bezirksregierung in Detmold, die mit dafür sorgt, dass die Lippischen Interessen in Düsseldorf vertreten sind. Seit 1947 zeigt die Flagge unseres Landes neben dem Rhein und dem westfälischen Ross auch die Lippische Rose. Freude und Dankbarkeit für diese Bereicherung sind auch nach 75 Jahren kein Stück geringer geworden. Erst derBeitritt Lippeshat unser Land komplett gemacht. Ministerpräsident Hendrik Wüst Heimat geben. Zukunft bieten. 75 Jahre Lippe in NRW © Thorsten Krienke 18649301_800122 75 Jahre Lippe in NRW 3 MITTWOCH 20. JULI 2022

Inhalt Stunde Null und Angliederung Dass Lippe 1947 zu NordrheinWestfalen kommt, ist keinesfalls klar. Seite6 Lippe vs. NRW Ohne seinen dritten Landesteil würde NRW heute ganz schön blass dastehen. Warum, zeigt ein augenzwinkernder Vergleich. Seite20 „Gemeinsam die Zukunft angehen“ Warum NRW und Lippe eine starke Gemeinschaft sind, erläutert Landrat Dr. Axel Lehmann im Interview. Seite24 Satire: Was wäre wenn...? 75 Jahre Lippe in Niedersachsen! Wäre das auch ein Grund zum Feiern? Seite10 Das geteilte Dorf Mitten durch die winzige Ortschaft Reine verläuft eine Landesgrenze. Das bringt einige Kuriositäten mit sich. Seite13 Pferd, Fluss und Rose Das NRW-Landeswappen besteht aus drei Symbolen, von denen eines die Lippische Rose ist. Wie war das möglich? Seite17 Stark für Lippe, Gut für die Menschen: Der Landesverband www.landesverband-lippe.de Projekt1:Layout 1 11.07.2022 11:47 Seite 1 18268801_800122 19033501_800122 75 Jahre Lippe in NRW 4 MITTWOCH 20. JULI 2022

Eine lippische Besonderheit Der Landesverband ist eine bundesweit einzigartige Institution mit vielfältigen Aufgaben. Seite26 Ansichten aus den Rathäusern War es für Lippe die richtige Entscheidung, sich vor 75 Jahren dem Land NRW anzuschließen? Lippes Bürgermeister beziehen Stellung. Seite30 Ein Rest Eigenständigkeit Die Punktationen sind für Lippe ein unglaublich wertvolles Dokument. Warum, erklärt Dr. Hermann Niebuhr. Seite33 Der lippische „Drache“ Heinrich Drake prägte als Politiker die lippische Geschichte und war auch bei der Angliederung an NRWmitten im Geschehen. Ein Biographie-Versuch. Seite36 Arbeitsplätze und Wohnmöglichkeiten für blinde Menschen mit zusätzlichen Beeinträchtigungen Blindenspezifisch gestaltet Wohnräume und Außenanlagen ermöglichen ein Leben in größter möglicher Selbstbestimmung und Selbständigkeit. Mit unserer fachlich fundierten Angebotsstruktur bieten wir seit mehr als 50 Jahren ein individuelles Betreuungskonzept. Vielfältige, auf den Fähigkeiten der Menschen basierende Arbeitsangebote ermöglichen Teilhabe am Arbeitsleben 18287401_800122 75 Jahre Lippe in NRW 5 MITTWOCH 20. JULI 2022

Mit dem Einmarsch der US-Army in Lippe – hier fahren US-Panzer im April 1945 durch Lemgo – endete die Nazi-Herrschaft auch im damaligen Freistaat. Doch wie es für das kleine Land weitergehen würde, war völlig ungewiss. FOTO: STADTARCHIV LEMGO Eine schwierige Hochzeit In der unmittelbaren Nachkriegszeit wird Deutschland neu geordnet. Das kleine Lippe versucht dabei seinen Platz zu finden, doch wie? Fest steht nur schnell, dass die Eigenständigkeit Vergangenheit ist. BENJAMIN MARQUARDT Kreis Lippe. Konrad Adenauer und Heinrich Drake haben bei genauer Betrachtung so einiges gemeinsam, und damit ist nicht nur eine politischeKarriere gemeint. Beide stammten aus kleinbürgerlichen Verhältnissen. Während Adenauer ein Studium der Rechtswissenschaften absolvieren konnte, musste der Detmolder Drake eine Lehre absolvieren. Beide waren in der Weimarer Republik eher in der politischen zweiten Reihe der Ereignisse, der Rheinländer machte Karriere als Oberbürgermeister von Köln, Heinrich Drake hatte dagegen seit 1925 das Amt des Vorsitzenden des Lippischen Landespräsidiums im beschaulichen kleinen Freistaat inne. Beide Politikerwarenallerdings häufiger in Berlin und kriegten die große Politik zumindest am Rande mit. Adenauer kam zuweilen als Angehöriger und später als Präsident des Preußischen Staatsrates in die damaligeReichshauptstadt,Drake reiste als Vertreter des Freistaates Lippe nach Berlin. Während der Herrschaft des Nationalsozialismus verloren sowohl Adenauer als auch Drake ihre politischen Ämter und zogen sich insPrivate zurück,wo sich beide mit Hingabe um ihre Gärten kümmerten. Ihre große Stunde auf der Bühne der Politik kam erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Während Konrad Adenauer bekanntermaßen1949 der erste Bundeskanzler der neuen Bundesrepublik Deutschland wurde, hatte Heinrich Drake bereits vorher eine ganz andere Aufgabe zu stemmen. Es ging um die Zukunft des Freistaates Lippe, genauer gesagt, die Frage, ob Lippe eigenständig bleiben kann oder in einem größeren Landaufgehensolle.Mit diesemProblem war das kleine Land schon als Fürstentum seit Beginn des 19. Jahrhunderts immer ‡ Wir feiern 75 Jahre Lippe in NRW Gemeinsam viel erlebt. 1947 #wirfürlippe lippische.de 2022 18809801_800122 75 Jahre Lippe in NRW 6 MITTWOCH 20. JULI 2022

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wieder konfrontiert worden, zum letzten Mal diskutierte man das Für und Wieder der Eigenständigkeit während einer Reform in der Weimarer Republik. Dieses Mal behielt Lippe noch seine Selbstständigkeit, wenngleich bereits damals einige Komptenzen, die eine damalige souveräne Landesregierung hatte, bereits an westfälische Behörden abgegeben wurden, um den Landeshaushalt zu entlasten. Nun, zu Beginn der Nachkriegszeit, gewann das Thema wieder an Aktualität. Frühjahr 1945: Für Lippe ist der Zweite Weltkrieg Anfang April vorbei. Die aus dem Südwesten heranrückende US-Army bricht den letzten Widerstand der Wehrmacht, am 4. April wird Detmold besetzt, die US-Truppen schieben sich immer weiter nach Osten. Im Mai 1945 übergaben die amerikanischen Truppen Lippe an die Briten, die das Gebiet als Teil ihrer Besatzungszone übernahmen, die im Prinzip das gesamte Gebiet Nordwest- und Norddeutschlands umfasste. Die britische Militärregierung übernahm zunächst die vorgefundenen Verwaltungsstrukturen und erkannte sofort, dass es, um die Kontrolle auszuüben, auch auf deutsche Funktionsträger angewiesen sein würde. Darunter war auch Heinrich Drake, der schon seit dem April wieder als Landespräsident in Lippe fungierte. Am 15. Juni 1945 wurde er auch für das Land Schaumburg-Lippe zuständig, was allerdings schon 1946 wieder endete, als das kleine Territorium zur Region Hannover bzw. dem späteren Niedersachsen kam. Dies kann als einer der ersten Schritte zur Neugliederung der britischenZonegesehenwerden.Denndie Alliiertenwollten die Gebietsstrukturenvereinfachen sowie derenVerwaltungen neu aufstellen, zumal sich dazu die Gelegenheit und Notwendigkeit durch die Auflösung des preußischen Staates ergab. Man darf nicht vergessen, dass die Struktur Deutschlands damals noch viel kleinteiliger war. Daher beschäftigten sich sowohl alliierte als auch deutsche Stellen mit dieser Frage. Seit Oktober 1945 trafen sich die „Länderchefs“ der bisherigenTerritorien inder britischenBesatzungszonezuBeratungen.Dieswaren die Ministerpräsidenten, Oberpräsidenten und Bürgermeister von Hamburg, Bremen, Schleswig-Holstein, Oldenburg, Hannover, Braunschweig, Westfalen, Nordrhein, Lippe und Schaumburg-Lippe. Dazu kam noch der Zonenbeirat der britischen Zone in Hamburg, der als deutsches Gremium mit beratender Funktion von der Militärregierung eingesetzt wurde. Als dritter „Spieler“ kam noch der „Sonderausschuss zumNeuaufbau der Länder in der britischen Zone“ hinzu. Gemeinsam galt es, folgende Vorgaben umzusetzen: a)DieGrundlage der deutschenVerwaltung innerhalb der Zone ist das Land. b) Es soll nicht mehr als fünf Länder geben und – wenn möglich, weniger. c) Die Frage der Stellung von Nordrhein/Westfalen ist zunächst zurückzustellen, sie kann aber dem Zonenbeirat zu einem späteren Zeitpunkt vorgelegt werden. Der Zonenbeirat kann, wenn er es wünscht, in Betracht ziehen, dass Gebiete wie der Regierungsbezirk Minden und das Land Lippe ganz oder teilweise dem neuen Land Hannover zugewiesen werden. Der Hintergrund zu dem dritten Punkt war, dass die Bildung des Landes NRWdurch einen Londoner Kabinettsbeschluss bereits gefallenwar. Generell war jedoch mit den Vorgaben eine Eigenständigkeit Lippes bereits nicht mehr möglich. Vor diesem Szenario mutet es seltsam an, dass sich der nach wie vor tagende lippische Landtag noch bis September 1946 mit der Erarbeitung einer eigenen Verfassung beschäftigte. Allerdings kann es dafür auch noch einen anderen Grund gegeben haben, wie Dr. Hansjörg Riechert, Leiter des Kreisarchivs Lippe, ausführt. „Möglicherweise ließ Drake den Landtag trotz der für die Briten feststehenden oder erkennbaren Aufhebung der lippischenEigenständigkeit noch an einer eigenen Verfassung arbeiten, um für den Fall der Fälle gewappnet zu sein“, erklärt der Historiker. Dies hätte Drake im Fall der Fälle als Beweis der lippischen Eigenständigkeit nutzen können, umsichVerhandlungsspielräume zu schaffen. ‡ Gebietsstrukturen sollten vereinfacht werden Lippe war damals noch eine eher ärmere Region und sehr ländlich geprägt, wie hier der Blick auf die Marktstraße in Schwalenberg um 1945 zeigt. FOTO: KREISARCHIV LIPPE, K 7 SCHIEDER-SCHWALENBERG BILDARCHIV, NR. 646 18858701_800122 75 Jahre Lippe in NRW 8 MITTWOCH 20. JULI 2022

In der Folge wurden die Pläne, wie viele Länder und mit welchen Territorien sie gebildet werden sollten, konkreter. Mehrere Vorschläge kamen auf den Tisch, in einigen sollte Lippe zu NRW kommen, in anderen zu Niedersachsen. Doch in der 7. Sitzungdes Zonenbeirates vom18. bis 20. September 1946 erhielt der Vorschlag Heinrich Wilhelm Kopfs, seit 1946 erster Ministerpräsident Niedersachsens, dieMehrheit. Demnach sollte Lippe an sein Bundesland fallen. Angesichts dieser Zuspitzung gab es für Lippe nur noch die Entscheidung: Anschluss an NRW oder Niedersachsen? Zunächst jedoch pochte Lippes Landespräsident Heinrich Drake energisch auf die Eigenständigkeit seines Landes, was keineswegs einen Widerspruch darstellt. Denn er wollte keinesfalls an einer unbedingten Unabhängigkeit festhalten, ihm ging es darum, dass, wenn Lippe schon einem anderen Land beitreten sollte, dies zu den bestmöglichen Bedingungen geschah. Mit anderen Worten: Drakes Sturheit war ein Manöver, um Zeit zu gewinnen. Ob Lippe einTeil NRWs oder doch Niedersachsens werden sollte, war in dem Noch-Freistaat selbst umstritten. Dies wird an unterschiedlichen Berufsgruppen deutlich. Arbeitgeber und Bauern tendierten aufgrund geringerer Ablieferungsverpflichtungen eher zuHannover, Arbeitnehmer eher zum industriell geprägten WestenunddamitNRW. Ärzte bevorzugten wegen damals höheren Brennstoffzuteilugen Niedersachsen. Die Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer sowie Kreisbauernschaft Lippe waren für Niedersachsen. Kurzzeitig hatte das nördlichere Bundesland sogar den Zuschlag für Lippe bekommen, doch nachProtestausLippewurdedieswieder zurückgenommen. Diese Gelegenheit nutzte Drake: Er trieb seinerseits die Anbindung an NRW voran. Er traf sich dazu mit dem ersten Ministerpräsidenten NRWs, Rudolf Amelunxen. Themenwarenu.a. dieVerlegungdesRegierungssitzes des Bezirks von Minden nach Detmold und vor allem, was mit dem Domanialvermögen Lippes aus fürstlichem Ursprung werden sollte. Ende 1946 hatten sich Drake und Amelunxen geeinigt, was in insgesamt 16 Punkten, den berühmten „Lippischen Punktationen“ festgehalten wurde: Unter anderemsollte dieRegierungnachDetmold verlegt werden, Lippe würde ein Mitspracherecht bei der Auswahl des Regierungspräsidenten haben, es würde zudem Verfügungsgewalt über das Domanialvermögen behalten, außerdem sollten kulturelle und soziale Einrichtungen gefördert werden. Drake hatte auch mit Ministerpräsident Kopf verhandelt, jedoch war Niedersachsen aus Sicht des Lippers nicht zu ausreichenden Zugeständnissen bereit. Am 5. Dezember 1946 billigte das NRW-Parlament die lippischen Punktationen. Drake betrieb zudem Überzeugungsarbeit bei den lippischen Abgeordneten, die zuvor für Niedersachsen waren. Die letzte Sitzung des lippischen Landtages am 21. Januar 1947 markierte das Ende der Selbstständigkeit des Freistaates. Ende gut, alles gut – oder? Fast. Denn die Alliierten stimmten nur unter Vorbehalt zu, sie forderten eine Volksabstimmung nach fünf Jahren, doch dazu kam es nie. Doch auch die Angliederung an NRW dauerte Jahre, und es entbrannten teilweise heftige Konflikte umdie detaillierteUmsetzungderPunktationen.Aber es änderte nichtsmehr andemFaktor, dass Lippe seitdem zu Nordrhein-Westfalen gehört. Überzeugungsarbeit für NRW Detmold war schonMitte des 20. Jahrhunderts politisches Zentrum in Lippe. FOTO: STADTARCHIV DETMOLD Heizung-, Sanitär- und Umwelttechnik 32756 Detmold Elisabethstraße 69 Telefon (0 52 31) 6 86 95 Telefax (0 52 31) 6 54 33 E-Mail: info@hj-kollwitz.de GmbH & Co. KG 18289101_800122 75 Jahre Lippe in NRW 9 MITTWOCH 20. JULI 2022

Was wäre, wenn...? 75 Jahre Lippe in Niedersachsen! Wäre das wirklich ein Grund zum Feiern? Wir nehmen einige Vor- und Nachteile dieser hypothetischen Situation satirisch unter die Lupe. ANDREAS BARNEKOW ¥ Es könnte auch ganz anders sein – man stelle sich vor: Lippe wäre ein Teil von Niedersachsen geworden! Heinrich Drake hätte ja stärker seiner Leidenschaft – den Kartoffeln – folgen können und sich dem Kartoffelland schlechthin anschließen wollen. Denn laut niedersächsischemStatischenLandesamt kommt über die Hälfte aller deutschen Kartoffeln aus unserem Nachbarbundesland. Bekanntlich kam es anders, doch, was ist uns dadurch eigentlich erspart geblieben? Oder haben wir vielleicht sogar etwas verpasst? Im Folgenden stellt ein waschechter „Beutelipper“ mit niedersächsischen Wurzeln einige Untersuchungen dazu an. Umdas größteUnheil, dasuns erspart geblieben ist, gleich vorweg zu nennen: Den niedersächsischen Lippern wäre es ans Geld gegangen! Denn, wie in unserem Artikel über die Punktionen in diesem Magazin zu lesen ist, hätte Lippe sein Vermögen beim Anschluss an Niedersachsenwohl kaumbehaltendürfen. Dafür hätten die neidischen Schaumburger oder Oldenburger sicher gesorgt. Die mussten bei ihrer Eingliederung ihren Besitz nämlich brav an Niedersachsen abtreten. Kurzum: Lippe wäre also eine ärmere Region. Und vermutlich nicht so selbstbewusst. Wir hätten bestimmt nicht diese schöne IHKKampagne gehabt mit Sprüchen wie „Lipper können alles – außer Hochdeutsch“. Wie, da habe ich was durcheinandergebracht? Wäre es anders gekommenund Lippe wäre ein Teil Niedersachsen geworden, hätten die Lipper es schwerer gehabt. Zum Beispiel in der Schule. Das zeigt das Beispiel des Teenagers Andreas B. (Ähnlichkeiten mit dem Autor dieses Artikels sind reinunzufällig). Bis zumAlter von 15 Jahren wuchs er in Niedersachsen auf und ist dort auch zur Schule gegangen. 15, klar, schwieriges Alter. Dann stand der Umzug nach Detmold an. Die Koffer und Kisten waren gepackt – aber die Versetzung gefährdet. Vor allem in Mathe stand er nicht so gut da. Das änderte sich schlagartig in seiner neuen Heimat. Von 4- auf 2 in kürzester Zeit. Und das lag nicht nur daran, dass er aufgrund des Umzugs und den damit insgesamt ‡ Lippe wäre durch eine harte Schule gegangen Das Vermögen wäre futsch gewesen Die Rose im Wappen: Lippe hätte eine Stütze für Niedersachsen sein können. Ob das nördliche Bundesland es aber zugelassen hätte, dass Lippes Symbol neben dem Sachsenross Platz findet, darf bezweifelt werden. MONTAGE: DANIEL BOBE 25. Jubiläums-Bauernmarkt in Bad Meinberg am 15. u. 16. Oktober 2022 www.badmeinbergev.de Der Bad Meinberg e.V. gratuliert dem Kreis Lippe ganz herzlich zum 75. jährigen Jubiläum! 19025001_800122 75 Jahre Lippe in NRW 10 MITTWOCH 20. JULI 2022

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acht Wochen Sommerferien besonders ausgeruht war. Dennder „neue“ Stoff, der hier auf dem Lehrplan stand, war ihm aus Niedersachsen längst bekannt. Die waren da schon weiter. Und ja: Als dieser Vorsprung verpufft war, passte Andreas B. seine Mathenote langsam aber sicher wieder den bekannten Werten an. Doch auch Niedersachsen kann sich in gewisser Weise glücklich schätzen, dass Lippe nicht dazu gehört. Vor allem aus wirtschaftlicher Sicht: Denn dann hätte es die Shopping-Touren der hiesigen Bevölkerung an Allerheiligen oder Fronleichnam. Zu Tausenden fallen wir an diesen Feiertagen in Osnabrück, Hameln oder sogar Hannover ein und bevölkern die Geschäfte ihrer Innenstädte. Während die Einheimischen keine Zeit zum ausgiebigen Bummeln haben, weil sie eben arbeiten müssen. Mittlerweile hat Niedersachsen vor einigen Jahren nachgelegt und sich mit dem Reformationstag am 31. Oktober zumindest einen weiteren freien Feiertag eingeführt. Ein Anschluss an Niedersachsen hätte aus einem zentralen Konflikt der Moderne möglicherweise die Schärfe genommen. Denn vielleicht gäbe es weniger Streit darum, wo Arminius demVarus ordentlich auf die Mütze gegeben hat. Für Detmold spricht das Hermannsdenkmal (das steht schließlich hier). Für die Region rund um Kalkriese sprechen historische Funde. Klares Unentschieden also. Wären wir Lipper also Niedersachsen, könnten alle sagen: Die Schlacht hat bei uns stattgefunden! Woher kommt eigentlich die hiesige Affinität zu Vereinen wie Borussia Dortmund und Schalke 04? Einfach, weil sie relativ in der Nähe sind und zum selben Bundesland gehören? Hätten wir als niedersächsische Fans unser Herz vielleicht anders vergeben?Wäre hier eineHochburg des Traditionsvereins VfL Wolfsburg? So viel weiter weg als die Ruhrpott-Clubs ist der VW-Verein ja nicht. Schwer zu sagen also. Auch mit Blick auf Kandidaten der zweiten Liga könnte alles anders sein: Osnabrück statt Bielefeld! Oder vielleicht doch lieber Hannover und Braunschweig? Immerhin sind die ja ähnlich erfolgreich wie Paderborn oder die Arminen. Es reicht ein Blick aufs Landeswappen von NRW, um einzusehen, dass Lippe etwas Besonderes ist. Als einziger Kreis ist es mit seinem Symbol – der Lippischen Rose – dort vertreten. Oder wie es Ministerpräsident HendrikWüst in seinemGrußwort beton: „Erst der Beitritt Lippes hat unser Land komplett gemacht”. In Niedersachsen wäre den Lippern diese Ehre sicher nicht zuteil geworden. Dort hätte das Sachsenross vermutlich eh nur die Blütenblätter abgefressen. Für das Westfalenross anscheinend undenkbar. Niedersachsen belegt Platz Eins im Ranking „Produktion von Windkraft“ auf www.deutschland.de. Allein 2019 waren es danach 11.325 Megawatt.UnddiederzeitigeLandesregierung setzt darauf, Spitzenreiter zu bleiben und den Ausbau voranzutreiben. Auch eine pauschale 1000Meter-Abstandsregel zur Wohnbebauung wurde gekippt. Wenn das alles Prinz Stephan hört... Weiterer Fakt über Niedersachsen: Nirgendwo wird mehr Grünkohl angebaut – und als traditionelles landestypisches Gericht im Winter auch gegessen. Von daher hätten sich die Lipper auch in Niedersachsen wohl gefühlt und die „lippische Palme“ hätte auch in Niedersachsen gedeihen können. Feiertage wären Mangelware Fanliebe in Lila-Weiß? Keine Kämpfe gegen Windmühlen? Teuto oder Kalkriese? Spielt keine Rolle! Lippische Rose imWappen BUCHSTELLE LAGE Seit über 100 Jahren Buchführung und Steuerberatung (nicht nur) für Land- und Forstwirte Landwirtschaftliche Buchführungs-Genossenschaft Lippe eG Steuerberatungs- und Buchführungsgenossenschaft Friedrich-Ebert-Straße 2, 32791 Lage, Tel. (0 52 32) 95 31-0 Besuchen Sie uns im Internet unter: www.buchstelle-lage.de 18328401_800122 75 Jahre Lippe in NRW 12 MITTWOCH 20. JULI 2022

Zwei Länder, zwei Schilder, eine Ortschaft: Heinrich Schäfer (links) kennt die Geschichte des „geteiltenDorfes“ Reine so gut wie kaumein anderer.Weil Thomas Krause, Geschäftsführer derWassergemeinschaft Reine, auf niedersächsischer Seite beheimatet ist, wohnen zwar beide im selbenOrt – und haben dennoch ihr „eigenes“ Landesrecht. FOTOS: EDITH SCHÄFER „Geteilt, nicht getrennt“ Mitten durch das kleine Dorf Reine im Weserbergland verläuft die Landesgrenze zwischen NRW und Niedersachsen. Das führt zu einigen Kuriositäten, doch letztendlich regiert die Gemeinschaft. YANNICK SONNTAG Extertal-Reine/Aerzen-Reine. Man stelle sich folgendes Bild vor: Während Frau Müller in der Küche ein Schnitzel brät (gerne auch der Gatte und gerne auch ein Veggie-Schnitzel, das ist uns vollkommen recht), sitzt ihr Ehemann im Wohnzimmer und wartet auf das Mittagessen. Nichts Besonderes? Vielleicht sollte man dazusagen, dass der leckere Geruch des Kochens und später auch Frau Müller selbst erst einmal eine Landesgrenze überqueren müssen, bis Herr Müller am Esstisch in den Genuss des Mahls kommt. Man könnte denken, dies ist (Achtung Wortspiel) „reine“ Fiktion, doch im kleinen Dorf Reine im Weserbergland eine durchaus denkbare Vorstellung. Seit 75 Jahren gehört das Lipperland offiziell zu Nordrhein-Westfalen. Nicht zuletzt dank des Verhandlungsgeschicks Heinrich Drakes, der in dem NRW-Beitritt einige Vorteile für Lippe sah. Es hätte aber auch ganz anders kommen können. Denn im Nordosten grenzen Extertal, Barntrup und Lügde unmittelbar an Niedersachsen. Damit ist das nördlichere Bundesland an so mancher Stelle buchstäblich nur einen Steinwurf entfernt. Ganz besonders fällt dies auf, wenn man in der Gemeinde Extertal in Reine steht. Dennmittendurchdie kleine, verträumteOrtschaft verläuft die Landesgrenze zwischen NRWund Niedersachsen. Mit anderen Worten: Das Dorf gehört zur Hälfte zum Lipperland und zur Hälfte zum Landkreis Hameln-BadPyrmont. ‡ Tradition verbindet! Wenn Sie mehr über uns erfahren wollen. ww.weder-gmbh.de 18288501_800122 75 Jahre Lippe in NRW 13 MITTWOCH 20. JULI 2022

Zum einen, wie erwähnt, zu Extertal, zum anderen zum Flecken Aerzen. Diese Teilung besteht bereits seit dem Jahr 1510, als sich der Bischof von Hildesheim und die Fürsten von Lippe darauf einigten, dass das Dorf die Grenze zwischen den Ländereien kennzeichnen sollte. Eine Eigenheit, die das Dörfchen zu einer echten Besonderheit macht – bis heute. Heinrich Schäfer kennt sich mit den durchaus ernsthaften und manchmal kuriosen Tücken dieser Grenzthematik so gut aus, wie kaum ein anderer. Als er 1938 nur 50 Meter von der Grenze – damals noch zum Gebiet Hannover, noch nicht Niedersachsen – entfernt geboren wurde, „war Reine noch vollkommen landwirtschaftlich geprägt“, erinnert er sich. „Jeder Anwohner hatte einen Nutzgarten, hielt sich Schweine, Hühner oder Ziegen.Man half sich untereinander, um bestmöglich zurechtzukommen.“ Eine Mentalität, die sich in dem ländlich-idyllischen Bergdorf schon früh entwickelte und noch heute Bestand hat. Doch zum großartigen Zusammenhalt in der Zwei-Länder-Ortschaft spätermehr –kommenwir zuerst einmal zu einigen der Kuriositäten, die eine so seltene, und man könnte fast sagen, geometrisch präzise – Zweiteilung einer Ortschaft in unterschiedliche Bundesländer mitbringt: Obwohl deutlich weniger als 200 Menschen in Reine ansässig sind, gibt es dort gleich zwei Bürgermeister. Auf lippischer Seite ist Extertals Bürgermeister Frank Meier zuständig. Einige Schritte weiter, auf der niedersächsischen Dorfseite Andreas Wittrock als Bürgermeister von Aerzen. 32699 Exteral-Bösingfeldund31855Aerzen lautendie beiden Postleitzahlen für die winzige Ortschaft. Wenn es auf westfälischer Seite brennt, „rückt die lippische Feuerwehr aus Almena, Meierberg oder Alverdissen aus“, weiß Schäfer. Ab der Ortsmitte ist jedoch Schluss, dort beginnt der Zuständigkeitsbereich der Kollegen aus Niedersachsen. „Ich gehe davon aus, dass die Einsatzzentralen heute eng verbunden sind und man sich auch hilft, streng genommen, ist das aber die Regelung.“ Auch die für die Staßen in Reine gibt es doppelte Verantwortlichkeiten: Auf Westfälischer Seite kümmert sich StraßenbauNRW, einigeMeter weiter ist die NiedersächsischeLandesbehörde für Straßenbau und Verkehr zuständig. Da kann es schon einmal vorkommen, dass sich der Zustand des Straßenbelags im Dorf deutlich unterscheidet. Wenn morgens die Post verteilt wird, können sich die Briefträger aus Westfalen und Niedersachsen mal eben die Hände schütteln, und die Schornsteinfeger grüßen sich vom einem zum anderen Dach zu – und befinden sich in verschiedenen Bundesländern. Bei Kommunalwahlen müssen die Reiner besonders achtsamsein.Nur,weil derNachbarwählen geht, heißt das noch lange nicht, dass jeder im Dorf seine Stimme abgeben darf, denn in Reine finden pro Legislaturperiode zwei Wahlkämpfe statt. Gar nicht so komisch könnten einige Schüler die Zweiteilung des Dorfes finden: In Nordrhein-Westfalenhabendie Sommerferien indiesem Jahr schon am 27. Juni begonnen, in Niedersachsen erst knapp drei Wochen später. Ein denkbares Szenario, dass der beste Kumpel von nebenan schon freudigen Ferienspaß auslebt, während man selbst noch die Schulbank drückt. Naja, immerhin haben die Niedersachsen dann hinten heraus die Möglichkeit auf die gleiche Schadenfreude. ‡ Doppelt hält besser Links NRW, rechts Niedersachsen: Manchmal macht das einen sichtbaren Unterschied. ARCHIVFOTO: KRULL (v. l.) Björn Körtner (Regionalleiter), Frank Sievert (Vorstand), Heinrich Hansmeier (Regionalleiter) und Andreas Nowak (Geschäftsführer OWL Immobilien GmbH) www.verbundvolksbank-owl.de Engagiert für Sie in Lippe Die VerbundVolksbank OWL eG mit den regionalen Zweigniederlassungen „Volksbank Paderborn“, „Volksbank Höxter“, „Volksbank Detmold“, „Volksbank Minden“ und „Bankverein Werther“ ist die führende genossenschaftliche Regionalbank im Wirtschaftsraum Ostwestfalen-Lippe und ein Unternehmen, das Verantwortung für die Menschen und ihre Heimat übernimmt. Die Volksbank Detmold ist dabei mit 160 Jahren die älteste und damit traditionsreichste Wurzel. Dabei setzt die Heimat-Bank auf regionale Verbundenheit, emotionale Nähe, schnelle Entscheidungen, Leistungsstärke aus eigener Kraft, Nachhaltigkeit und ein starkes Netzwerk. 18306201_800122 18343401_800122 75 Jahre Lippe in NRW 14 MITTWOCH 20. JULI 2022

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Vormehr als 140 Jahrenwar es bezeichnenderweise eine grenzüberschreitende Kooperation von vier Bauern – zwei aus dem lippischen, zwei aus dem damals hannoverschen Teil Reines – welche demDorf einen großen Entwicklungsschub mit Nachhaltigkeitscharakter einbringen sollte: Der Bau eines dorfeigenen und grenzüberschreitenden Wasserversorgungsnetzes. „Die Bewohner der Häuser bezogen ihr Frischwasser damals aus Brunnen oder Bachläufen, das war recht mühsam“, kennt Schäfer die Geschichte dahinter. Die Idee war, das Wasser aus den sieben hoch am Berg gelegenen Quellen (am Osthang der „Hohen Asch“ in Lippe) aufzufangen und über Rohre hinab ins Dorf in ein Auffangbecken (in Niedersachsen) zu leiten. Ein cleveres System, denn um das Wasser zu transportieren, reichte das Gefälle vom Berg, Pumpen wurden nicht benötigt. Als der Wasserbedarf der Menschen nach dem zweiten Weltkrieg deutlich anstieg – unter anderem durch die Verbreitung von Spültoiletten – wurde die Verteilung des Frischwassers zunehmend komplizierter. Es entstand die Wasserinteressengemeinschaft Reine (WIG), die mit ehrenamtlichen und fachkundigen Anwohnern beider Dorfteile besetzt wurde. „Wir haben immer versucht, die Zuständigkeiten inderGemeinschaft paritätisch zu verteilen“, so Schäfer. Seit 1997 ist Thomas Krause Vorsitzender, er stammt aus Niedersachsen. Der gelernte Tiefbau-Diplomingenieur Heinrich Schäfer war lange Schriftführer und hat zahlreiche Bauarbeiten, Anträge und Kartierungen mit seiner Expertise begleitet. Die länderübergreifende und selbstorganisierte Zusammenarbeit funktioniert hier bis heute sehr gut. Gleiches gilt für die Abwasserentsorgung im „geteilten Dorf“ Reine. Vor 2002 wurde das Abwasser über Klärgruben abgeführt, seither läuft es über ein Drucksystem bis zur Landesgrenze. Dort wird es vom niedersächsischen Vakuumsystem abgesaugt und in die Kläranlage nach Hameln transportiert. Auch die Qualität des Wassers wird genau wie bei großen Gesellschaften regelmäßig geprüft. Die Kosten werden meist von den ehrenamtlichen Zuständigen selbst getragen. DieWIG liest seit den 80er-Jahren auch dieWasseruhren in Reine ab und übergibt die Zahlen an die Gemeinden Extertal und Aerzen weiter. „Die Kosten der Bewohner werden dann durch die Gemeindesatzungen bestimmt, so zahlenHaushalte, die teils Tür an Tür liegen, unterschiedliche Preise für Wasser, dass aus der exakt selben Quelle auf demBerg in Reine stammt“, schildert Hobby-Jäger Schäfer und muss etwas lachen. Die letzte Ruhe finden in Reine Niedersachsen wie Westfalen ebenfalls gemeinsam. Der Friedhof liegt auf westfälischer Seite, nur weniger Meter vom Grenzweg entfernt, welcher seinen Namen sicher nicht zufälligbekam:DiekleineStraßezieht eine Linie durchs Dorf und kann – wenn auch nicht exakt – als Orientierung für den Verlauf der Landesgrenze gesehenwerden. Sinnbildlich für den trotz Teilung grenzenlosen Gemeinschaftssinn im Dörflein Reine steht auch der Kameradschaftsverein Kyffhäuser, in dem auch Schäfer seit Jahrzehnten Mitglied ist. Nachdem das letzte Gasthaus im Dorf, geführt von Lotti Meyer, vor vielen Jahren seine Türen für immer abgeschlossen hatte, wurde der Gemeinschaftsraum der Kyffhäuser zum letzten echtenTreffpunkt in Reine. „Die Treffen finden immer noch regelmäßig in den Räumlichkeiten meines Elternhauses statt, auf lippischer Seite. Bier wird auch ausgeschenkt“, sagt Schäfer. Selbstverständlich seien auch alle niedersächsischen Reiner herzlichst willkommen. „Sonntags wird auf dem Grenzweg immer geboßelt (ein dem Kegeln ähnliches Spiel, das auf der Straße gespielt wird, Anm. d. Red.) es gibt Kaffeetrinken für die Senioren. Der Vereinmacht imDorf viel für Alt und Jung.“ Vielleicht sind sich Niedersachsen und Westfalen nicht immer ganz grün, aber „davon merkt man in Reine nichts“, so der 83-Jährige. „Das Dorf ist zwar geteilt, das bedeutet aber nicht, dass die Menschen getrennt sind oder man sich nicht versteht“, fügt er an. Manches mag in diesem ganz besonderen Dorf etwas umständlicher sein als andernorts, doch letztendlich zeigen Geschichte und Gegenwart dieses kleinen, geteilten Ortes wohl vor allem eines: Grenzen haben ihren Sinn und Zweck, aber sie machen vor allem auf dem Papier einen Unterschied, nicht zwischen denMenschen. InReine jedenfalls regieren vor allem der Zusammenhalt und die Gemeinschaft, auch über die Landesgrenzen hinweg. „Grenzenloser“ Zusammenhalt Hier ist der Name Programm: Der Grenzweg verläuft einmal quer durch Reine und kann als Orientierung für den Grenzverlauf dienen. FOTO: YANNICK SONNTAG Die Grenzsteine am Friedhof in Reine: „KH“ steht für Königreich Hannover und „FL“ für Fürstentum Lippe. Auch heute noch essenziell für alle Reiner: der Hauptbehälter des dorfeigenenWasserversorgungsnetzes – gebaut 1959. FOTO: HEINRICH SCHÄFER 75 Jahre Lippe in NRW 16 MITTWOCH 20. JULI 2022

Kleine Blume auf großem Schild Ross und Fluss prägen unser Landeswappen. Doch wie hat es die Lippische Rose geschafft, hier ihren Platz zu ergattern? BENJAMIN MARQUARDT Kreis Lippe. Sie ist das Symbol des Hermannslandes: die Lippische Rose. Und obwohl der heutige Kreis Lippe nur ein kleiner Teil von Nordrhein-Westfalen ist, findet sich dessen Symbol auf dem Landeswappen – fast so, als seien die Zeiten des Freistaates noch nicht vorbei. Doch warum prangt ausgerechnet die lippische Rose auf dem Wappen zwischen den Wellenbalken des Rheinlandes und dem Westfalenross (das übrigens nicht mit dem Sachsenross der Niedersachsen zu verwechseln ist)? Und warum steht die Rose in so enger Verbindung zum Lipperland? Zumindest die letzte Frage wird wahrscheinlichnie ganz eindeutig zu beantworten sein. Denn die Geschichte der Wappenblume reicht gut und gerne 800 Jahre zurück. Hier befindet man sich in der Zeit von Bernhard II., der unter anderem die Städte Lippstadt und Lemgo gründete. Bernhardverbrachte einigeZeit am Hofe des Sachsenherzogs Heinrich der Löwe (geb. um 1130, gest. 1195). Dieser hatte unter anderemdurch seine Ehe mit Mathilde Plantagenêt, der Tochter des englischen Königs Henry II., enge Verbindungen zum westeuropäischen Adel. Dort war es bereits im Gegensatz zu den deutschen Gebieten üblich, für sich ein Wappen zu wählen. ‡ Ritterzeit ist Wappenzeit Das Wappen von Nordrhein-Westfalen zeigt stilisiert drei Landesteile: die ehemalige preußische Rheinprovinz, ebensoWestfalen und die kleine lippische Rose – die übrigens auf demKopf steht. ABBILDUNG: LAND NRW Wir schaffen Beschäftigung Netzwerk Lippe NWL-25Jahre_216x146mm.indd 1 11.07.2022 16:26:03 18342201_800122 75 Jahre Lippe in NRW 17 MITTWOCH 20. JULI 2022

So überrascht es kaum, dass Heinrich der Löwe bereits um 1154 ein Wappen führte, lange vor den meisten seiner Standesgenossen in Deutschland. Daher ist es möglich, dass auch Bernhard II. – geprägt durch die Kultur am Hof des Sachsenherzogs – sich ein Wappen erwählte. Dass er sich für die Rose entscheid, mag an der Epoche liegen, in der er lebte, es war die Zeit des Minnesangs. Im Kontext dieser kunstvollen Form der Liebeslyrik ist die Entscheidung für die Rose als Sinnbild der Freude und der Liebe denkbar. ‡ Die Rose ist neben Hermann vielleicht das prominenteste Symbol Lippes. Überall lässt sich die Blume im Kreis finden, so zum Beispiel auf – vor allem alten – Gebäuden wie dem Rathaus in Detmold (rechts) oder als Teil eines Wappens an einem Gebäude in der Langen Straße in Detmold. ARCHIVFOTOS: YVONNE GLANDIEN Früher Pferde, heute Kultur! 75 Jahre Lippe in NRW – wir waren immer mit dabei! Stadthalle Detmold www.stadthalle-detmold.de <ÊÄ・ã ›Äãك½›Ù ¦›«ã͚Ý Ä®‘«ã Detmolder Stadthalle Detmolder Stadthallen GmbH 3 ,ŽƚĞů ,ĂůƚĞƐƚĞůůĞŶ &ƵƘŐćŶŐĞƌnjŽŶĞ WĂƌŬƉůĂƚnj ŐĞŐĞŶƺďĞƌ͕ ŶƵƌ ϭ DŝŶ͘ &ƵƘǁĞŐ Detmolder Stadthalle Detmolder Stadthallen GmbH 3 Unterhaltsam · Spannend · Bunt Tradition verbindet - Seit mehr als 60 Jahren sind wir Vertriebs- und Servicepartner der MAN Nutzfahrzeuge Wir sind für Ihren Erfolg bestens aufgestellt. Tradition verbindet - Seit mehr als 60 Jahren sind wir Vertriebs- und Servicepartner der MAN Nutzfahrzeuge Leistungsstarke Konzepte: MAN Fahrzeuge bieten Ihnen beste Fahrdynamik und optimale Transporteffizienz. Steigen Sie ein und erfahren Sie mehr. Wir sind Ihr Spezialist für optimalen Service und Verkauf von MAN Nutzfahrzeugen, Aufliegern und Anhängern. 18216201_800122 18288001_800122 75 Jahre Lippe in NRW 18 MITTWOCH 20. JULI 2022

Denkbar ist allerdings ebenso ein religiöser Hintergrund, denn die Rose gilt auch als Symbol der Jungfrau Maria. Es ist bekannt, dass Bernhard die Mutter Gottes sehr verehrte. Falsch hingegen sind alle Vermutungen und Behauptungen, die Rose sei gar germanischen Ursprungs. Hierfür gibt es keine historischenBelege. Woher die Rose auch immer stammt, feststeht, dass mit ihr einer der seltenen Fälle vorliegt, bei dem schon früh im Laufe der Geschichte ein Wappen bzw. ein Wappenelement eines Herrscherhauses zum Symbol für ein ganzes Gebiet wird. Dies war der Fall im 17. Jahrhundert, als dieRose immer breitereVerwendung fand, so zum Beispiel im Wappen lippischer Städte. Die Lipper identifizierten sich mit der Blume und nutzten sie zur Abgrenzung von anderen Territorien. So überdauerte sie die Jahrhunderte und diente Grafschaft, Fürstentum und Freistaat gleichermaßen. Die Geschichte des letzteren endete 1947. Lippe wurde Teil des neuen NordrheinWestfalens. Dieses neue Bundesland entstand mehr oder weniger unter Missachtung kultureller oder historischer Zusammenhänge, indem im Wesentlichendie ehemaligepreußischeProvinz Westfalen mit der ebenfalls preußischen Rheinprovinz zusammengelegt wurden. So fanden Ross und Wellenbogen ihren Weg auf das Wappen des Landes. Heinrich Drake setzte sich aber in seiner Funktion als Präsident des Regierungsbezirks Detmold dafür ein, dass auch die lippische Rose aufs Wappen kam. Die NRWLandesregierung zeigte dafür Entgegenkommen. Wie genau das neue Wappen aussehen sollte, dafür gab es einen Aufruf, um Vorschläge einzuholen. Von den 1077 Antworten wurden die meisten als ungenügend betrachtet, doch der Vorschlag des Heraldikers Wolfgang Pagenstechers erhielt letztlich den Zuschlag. Der Platz der lippischen Rose – die übrigens auf dem Kopf steht – ist nicht sonderlich groß, doch aufgrund der vergleichsweise geringen Größe zum Rest von NRW, durfte Lippe nicht mehr erwarten. Am 23. Dezember 1947 beschloss die Landesregierung die Annahme des neuen Wappens, dies wurde in einem Gesetz über Wappen und Landesflagge vom 10. März 1953 endgültig bestätigt. In Stein gemeißelt war es damit immer noch nicht. Denn um 1960 gab es erneute Diskussionen um die Gestaltung. Im Gespräch war ein „Großes Landeswappen“, das die historischen Territorien NRWs um 1815 mehr berücksichtigen sollte und somit deutlich mehr Regionen gezeigt hätte. Doch letztlich wurde nichts daraus, und es bleib bei dem Design, das bis heute gilt. Rose wird im 17. Jh. zum Symbol Lippes 50 Jahre Erfahrung I h r e P a r t n e r m i t d e m P l u s a n B e r a t u n g www . h e uma n n - s t b g . d e www . a r t a g - g r u p p e . d e www . p i c k - s u g l a n d . d e Seit nunmehr 50 Jahren stehen wir gewerblichen und gemeinnützigen Unternehmen bzw. Organisationen aller Größenordnungen und Rechtsformen, öffentlich-rechtlichen Gebietskörperschaften mit ihren Beteiligungen sowie freien Berufen und natürlichen Personen vertrauensvoll zur Seite. Unsere Gesellschaften bieten Ihnen neben den herkömmlichen Tätigkeiten wie der Erstellung von Steuer- erklärungen, Jahresabschlüssen/Ein- nahmen - Überschuss - Rechnungen sowie Finanz-, Lohn- und Anlagenbuchhaltungen und der Vertretung in Betriebsprüfungen sowie der allgemeinen Rechtsberatung und -vertretung unter anderem auch folgendes Spektrum bezüglich nebenstehender Tätigkeits- und Interessenschwerpunkte. Das uns entgegengebrachte Vertrauen ist uns Verpflichtung und Herausforderung für die Zukunft. Dipl.-Kfm. Niko Lickenbröker, WP/StB (Konzern-)Jahresabschluss- und Sonderprüfungen Prüfung öffentlicher Unternehmen Siegfried Pick, WP/StB Steuerverfahrens- und Steuerstrafrecht Vertretung vor Finanzgerichten/Bundesfinanzhof Dipl.-Kfm. Dipl.-Kfm. Mathias Sprenger, WP/StB/US-CPA (Konzern-)Jahresabschluss- und Sonderprüfungen Due Diligence Reviews/internationales Rechnungswesen Dipl.-Kffr. Anja Ottensmeier, WP/StB (Konzern-)Jahresabschluss- und Sonderprüfungen Due Diligence Reviews Achim Stock, StB Erbschaft-/Schenkung- und Umwandlungsteuerrecht Fachberater für Unternehmensnachfolge (DStV e. V.) Dipl.-Kfm. Bernd Wiedemeier, StB Internationales Steuerrecht/Umsatzsteuerrecht Zertifizierter Berater für Gemeinnützigkeit (IFU/ISM gGmbH) Dipl.-Betrw. (FH) Christoph Nickel, StB/LL. M. (Com.) Umsatzsteuerrecht/E-Commerce/Onlinehandel Steuerliche Gestaltungsberatung/Steuerstrafrecht Dipl.-Finanzw. (FH) Dipl.-Kfm. Daniel Fromme, StB Steuerliche Rechtsbehelfe/Gutachten Einkommensteuerrecht/Ertragsteuerrecht Ralf Sugland, RA/FA f. StrafR Arbeits-/Handels- und Vertragsrecht Wirtschafts- und Steuerstrafrecht Helmut Wöhler, RA/FA f. ArbR/StrafR Arbeits-/Sozial- und Strafrecht Miet- und allgemeines Zivilrecht Dipl.-Kfm. Frank Molitor, WP/StB (Konzern-)Jahresabschluss- und Sonderprüfungen Unternehmensbewertungen/Gemeinnützigkeit Dipl.-Betrw. (FH) Bernd Mollenhauer, StB Ertragsteuerrecht/Einkommensteuerrecht Existenzgründungsberatung Heinrich Klassen, StB Erbschaft- und Schenkungsteuerrecht Existenzgründungsberatung Bärbel Büschemann, StB Ertragsteuerrecht/Einkommensteuerrecht Personenhandelsgesellschaften/Erneuerbare Energien Katja Montag, RA Steuerliche Rechtsbehelfe/Vertragsgestaltung Steuerstrafrecht/MaBV-Prüfungen Dipl.-Kfm. Axel Pick, US-CPA/RA Unternehmensbewertungen/Ratingverfahren Gesellschafts-/Bilanz- und Steuerrecht Gerichtsstraße 26 32791 Lage Tel.: 05232/9498-00 Fax: 05232/9498-10 Bismarckstraße 29 32657 Lemgo Tel.: 05261/9498-00 Fax: 05261/9498-10 Walhallastraße 18 32108 Bad Salzuflen Tel.: 05222/9998-00 Fax: 05222/9998-10 Marienstraße 62 32427 Minden Tel.: 0571/82829-30 Fax: 0571/82829-29 Lagesche Straße 19 32756 Detmold Tel.: 05231/9710-00 Fax: 05231/9710-10 18557701_800122 75 Jahre Lippe in NRW 19 MITTWOCH 20. JULI 2022

Was Nordrhein-Westfalen bis heute alles durch die Lappen gegangen wäre, wenn es sich vor gut 75 JahrendenBedingungenHeinrich Drakes widersetzt hätte? Unumstritten eine ganze Menge, wie dieser zugegeben nicht immer ganz ernst gemeinte Vergleich von Redakteur Niklas Böhmer zeigt. Nehmen Sie das folgende Geschriebene daher mit einem Augenzwinkern– und erfreuen sich an den Besonderheiten unseres einzigartigen Lipperlands! Ohne Lippe wäre NR Hermannsdenkmal & Kaiser-Wilhelm-Denkmal WashabenLipperundAuswärtige gemeinsam? Wohl unmittelbar denselben Gedankengang, wenn es darumgeht, das ostwestfälische Wahrzeichen schlechthin beim Namen zu nennen. Das Hermannsdenkmal als die höchste, majestätischste und schillerndste Statue Deutschlands und allgemeingültiges Nationalsymbol dürfte wirklich jedem – undumHimmelsWillennicht nur in Nordrhein-Westfalen – zumindest mal ein Begriff sein. Im Jahr 1875 von Ernst von Bandel fertiggestellt, erinnert der 26,57 Meter große Hermann seitdem an die Schlacht im Teutoburger Wald im Jahre 9 – und zählt mit 500.000 Besuchern jährlich zu den beliebtesten Ausflugszielen in Deutschland und gar Europa. Ohne Lippe wäre NRWalsoumeinepochalesWahrzeichen ärmer – und müsste sich mit einem verhältnismäßig winzigen Abbild des Wilhelm I. von Preußen begnügen. Nicht unerwähnt sollte bleiben: Er war es, der das Denkmal auf der Grotenburg in jenem Sommer einweihte. Der Hermann stahl ihm quasi schon damals die Show. Heute thront die Statue des Kaiser Wilhelm zwar majestätisch auf dem mehr als 280 Meter hohen Wittekindsberg in Porta-Westfalica, das im „Zyklopenstil“ errichtete Denkmal selbst besticht in seiner Erscheinung aber vor allem durch das ganze Drumherum. Die Historie lassen wir mal bewusst beiseite. Ganz klar: 1:0für Lippe. Rheinkirmes &Wilbasen Nach zweijähriger Zwangspausefindetmitder„GrößtenKirmes am Rhein“ in der nordrheinwestfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf derzeitwieder eines der größten Volksfeste in Deutschland statt. Aber groß bedeutet keineswegs immer besser, so auch selbsterklärend in diesem Vergleich. Denn während sich gerade auf der linksrheinischen Festwiese in Oberkassel wieder abertausendeBesucheraufdem17HektargroßenGelände tummelnundsichvor den Fahrgeschäften die Beine in den Bauch stehen, geht es hier „auf dem Land“, genauer vor den Toren der Stadt Blomberg imOrtsteil Siebenhöfen, traditionell am zweitenSeptember-Wochenendedeutlich familiärer zu. Der Wilbaser Markt ist mit seiner 600-jährigen Geschichte die älteste Kirmes in Ostwestfalen-Lippe und feiert ebenfalls in diesem Jahr sein heiß ersehntes Comeback. Mit ihm kehrt ein Garant für Spaß, Nervenkitzel und Nostalgisches zurück. Der Wilbaser Pferdemarkt gehörte einst zu den größten inWestdeutschland. Von Nord, Süd, Ost und West rollten die Händler an. Überlieferungen zufolge tauchte das erste Karussell auf Wilbasen 1835 auf und wurde als große Sensation gefeiert. Damit hat Lippe bei diesem Vergleich in Sachen Tradition die Nase vorn. Und der Spaßfaktor ist bei weniger Wartezeit mal mindestens genauso hoch. 2:0für das Land des Hermann! FOTO: PIXABAY FOTO: PICTURE ALLIANCE/DPA ARCHIVFOTO: TORBEN GOCKE 75 Jahre Lip 20 MITTWOCH 20. JULI 2022

RWnur halb so schön! Residenzschloss Detmold & Schloss Nordkirchen Keine Frage: Das Schloss Nordkirchen, eingebettet inmitten eines weitläufigen Landschaftsparks im westfälischen Münsterland, stellt eine imposante Erscheinung dar und zählt nicht umsonst zu den größten und bedeutendsten Wasserschlössern Westfalens. Bis heute gilt die im Jahr 1734 fertiggestellte Anlage als das „westfälische Versailles“, weist das barocke und symmetrisch aufgebaute Ensemblemit seinemInnenhof auf der Süd- und dem Garten auf der Nordseite durchaus Parallelen zum französischen Vorbild auf. Kommen wir zum großen „Aber“: Denn obwohl das denkmalgeschützte Wasserschloss in seiner 300-jährigen Geschichte von Zerstörungen durch Brände oder Krieg verschont geblieben ist, bringt es eine durchaus turbulente Geschichte mit sich. Bereits kurz nach der Einweihung verstarb Schlossherr Ferdinand von Plettenberg,dessenFamiliekonnteden hochverschuldeten Besitz bis zu ihremAussterben imJahr1813nur mit Mühe unterhalten. Im Fortlauf des ein oder anderenVermächtnissesverfiel dieAnlage zunehmend, doch es fanden sich immer wieder Investoren. Erst war es ein Herzog, dann sprang nach dem Zeiten Weltkrieg das Land NRW als Betreiber der zwischenzeitlich einsturzgefährdeten Schlossgebäude ein – und ließ darin die heutige Hochschule für Finanzen entstehen. Was wollen wir mit diesem kurzen Einblick bezwecken? Richtig: Dass Lippe schon immer für Kontinuität stand – und das Haus zur Lippe dies mit seinem Residenzschloss bis heute fürstlich symbolisiert. Im Gegensatz zum Schloss Nordkirchen verfügte das Detmolder Pendant somit stets über konstante Kümmerer. Heute ist Prinz Stephanzur LippeChef des Hauses, seine Familie ein festerBestandteil derDetmolderund lippischen Gesellschaft. Das Residenzschloss Detmold ist in diesem Vergleich mehr Sein als Schein – und erhöht daher auf ein souveränes 3:0 für den dritten Landesteil von NRW. Theater Dortmund & Lippisches Landestheater Sind wir ehrlich: Wäre Dortmunds altes Stadttheater imZuge des Zweiten Weltkriegs durch Bombenangriffe nicht in Schutt undAsche gelegt worden, hätte der Verfasser dieser Zeilen nun deutlich größere Probleme damit, dieses direkte Duell selbstredend zugunsten von Lippe zu entscheiden. So lässt der äußerliche Eindruck des aus Stahl, Glas und Beton erbauten und im Jahr 1966 eröffneten Nachfolgers nur ein Resümee zu: Punkt für die Residenz und ihr Landestheater. Die mit dreieckigen Kupferplatten verzierte Kuppel über demZuschauerraummag zwar als Eyecatcher durchgehen, erinnert bei sofortiger Betrachtung aber eher dem Schädel einer Schlange. Bei allem Respekt für eines der mit über 500 Mitarbeitern größten Theatern Deutschlands ähnelt die Architektur eher einem Reptilienzoo als einem Opernhaus. Der eher spröde daherkommende Querbau mit Bühnenaufbau und Funktionsräumen tut sein Übriges und könnte baulich leider ebenso gut als Justizvollzugsanstalt in Betracht gezogen werden. Dagegen versprüht das Landestheater der Residenz mit seinem sechssäuligen Entrée auch weiterhin traditionellen Charme und theaterwürdigen Flair. Damit nichtgenug:Auchpunktetesalsdie größte Reisebühne Europas. Die Hälfte der rund 600 Vorstellungen einer Spielzeit findet nämlich außerhalb von Detmold statt. Seit jeher versorgen die Lipper landesweit Städte und Gemeinden ohne eigenes Ensemble mit Theaterkultur – so manches Mal ging es auch schon darüber hinaus. Die lippische Schauspielkunst schwappte schon bis ins belgische Hasselt, nachLuxemburgundseit2014einmal imJahrnachWinterthur inder Schweiz über. Ohne das uneigennützige Lippe würde NRW also reichlich Schauspielkunst durch dieLappengehen.NächsterPunkt! FOTO: INA FASSBENDER/DPA ARCHIVFOTO: ANDREAS BARNEKOW FOTO: PIXABAY FOTO: LANDESTHEATER DETMOLD/DPA ppe in NRW 21 MITTWOCH 20. JULI 2022

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