Barockakademie bringt Haydn-Komposition eindrucksvoll zur Aufführung

Schweigen hätte mehr gesagt

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Haben viel Beifall für ihr Konzert erhalten: Die Mitglieder des Streicherensembles der Barockakademie und Prof. Heiner Eckels (vorne). - © Foto: Schwabe
Haben viel Beifall für ihr Konzert erhalten: Die Mitglieder des Streicherensembles der Barockakademie und Prof. Heiner Eckels (vorne). (© Foto: Schwabe)

Detmold (ans). Ein Streicherensemle der Barockakademie hat die von Joseph Haydn selbst für Streichquartett vorgenommenen Einrichtung seiner Orchestermeditationen zu den "Sieben letzten Worten Jesu Christi am Kreuz" zu Gehör gebracht. Die Aufführung in Heilig Kreuz fand viel Anklang.

Mit ihrem wunderbaren Ton ließ die Geigen-Professorin Ulrike-Anima Mathé  und künstlerische Leiterin das grenzenlose Verlassen des Menschensohns in ihrer Solokadenz fühlbar machen. Hier erfüllte die Musik, was Rilke in einer seiner Duineser Elegien sagt: "Das Schöne ist des Schrecklichen Anfang, das gelassen verschmäht, uns zu vernichten." Im "Erbeben" erschütterte das von Mathé zusammengestellte Ensemble die zu den Worten "Es ist vollbracht" von Haydn friedvoll angestimmte "Versöhnung" noch einmal mit bedrohlich ausformuliertem Forte.

Die "Exegese" von Prof. Heiner Eckels wurde allerdings der theologischen Tiefe dieser Botschaft nicht gerecht. Eckels hätte gut daran getan, die Musik für sich "sprechen" zu lassen, auch wenn deren Entstehungsgeschichte eine "Exegese" zulässt. Aber wir leben nicht mehr im 18. Jahrhundert. Da hätte die eigentliche Chance der Hochschule für Musik gelegen. Qualifizierte Musikvermittlung hätte, vielleicht sogar im Gespräch mit Ulrike-Anima Mathé, der Frage nachgehen können, ob die lautmalerische Symbolik in der Musik Haydns angesichts der Veränderungen klanglicher Gefühlsbilder in den vergangenen 200 Jahren die Menschen wirklich noch zu erschüttern vermag.

Ob es angemessen war, die musikalische Leistung mit Beifall zu goutieren, sei hier auch noch einmal in Frage gestellt. Musik hatte auch einmal eine theologische Dimension. Und von dort her gab es gute Gründe, nach ihr zu schweigen.

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