Notfallverbund Detmold trainiert die Rettung von wertvollem Kulturgut

Barbara Luetgebrune

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Das Bergungsteam bei der Arbeit: Eckehard Deichsel und Hildegard Deppe packen durchnässte Papiere in eine Transportbox. Christine Rühling und Einsatzleiter Matthias Frankenstein beobachten, wie die beiden dabei vorgehen. - © Bernhard Preuss
Das Bergungsteam bei der Arbeit: Eckehard Deichsel und Hildegard Deppe packen durchnässte Papiere in eine Transportbox. Christine Rühling und Einsatzleiter Matthias Frankenstein beobachten, wie die beiden dabei vorgehen. (© Bernhard Preuss)

Detmold. Bergen – dokumentieren – einwickeln: fertig zum Einfrieren. Die Handgriffe dieses Ablaufs haben gut 40 Detmolder am Donnerstag einen ganzen Tag lang trainiert. Der Notfallverbund Detmold hatte im Außenlager des Landesarchivs NRW Abteilung OWL in Herberhausen eine Übung zur Bergung und Erstversorgung durchnässten Kulturgutes aus Papier angesetzt.

Das Wissen um den richtigen Umgang mit wertvollen Büchern und Schriftstücken, die bei einem Unglücksfall durchnässt und verdreckt wurden, ist wichtig, wenn ihr Verlust verhindert werden soll. Das haben in jüngerer Zeit der Brand der Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar 2004 und der Einsturz der Kölner Stadtarchivs 2009 gezeigt. Beide Ereignisse hätten das Bewusstsein für die Bedeutung dieses Themas geschärft – und in der Folge zur Etablierung entsprechender Notfallverbünde geführt, berichtet Dr. Bettina Joergens, Sprecherin des Detmolder Verbundes. Und dieser hat am Donnerstag seine erste groß angelegte Übung abgehalten.

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Gegenseitige Hilfe im Ernstfall


Der Notfallverbund Detmold ist 2015 gegründet worden. Ihm gehören das Archiv der Lippischen Landeskirche, die Bibliothek der Hochschule für Musik Detmold, das Kreisarchiv Lippe, das Landesarchiv NRW Abteilung OWL, die Lippische Landesbibliothek / Theologische Bibliothek und Mediathek, das Lippische Landesmuseum und das Stadtarchiv Detmold an. Eine enge Zusammenarbeit mit der Detmolder Feuerwehr ist ebenfalls gegeben.

Unter der Einsatzleitung von Matthias Frankenstein, Leiter der Werkstätten beim Landesarchiv NRW in Münster, und angeleitet von Restauratorin Birgit Geller vom LWL-Archivamt lernten die Helfer – allesamt Mitarbeiter der Notfallverbund-Einrichtungen –, wie sie im Ernstfall richtig handeln. Und dieser Ernstfall heißt in der Regel: Wasserschaden. „Die meisten Notfälle in Archiven, Bibliotheken und Museen sind Wasserschäden, auch etwa nach einem Brand", sagt Bettina Joergens.

Eingeteilt in gemischte Teams galt es für die Helfer – darunter Bibliothekare, Archivare und Kuratoren, aber auch Hausmeister und Sicherheitsmitarbeiter –, sechs Paletten mit nassen Papieren zunächst zu bergen. An Erstversorgungsstationen dokumentierten sie dann schriftlich und mit der Kamera, was genau sie da geborgen hatten, ehe die Papiere und Bücher fest in Folie eingeschlagen wurden: Vorbereitung für das Einfrieren des Materials. „Durch das Einfrieren gewinnen wir Zeit. Passiert das nicht, haben wir binnen Stunden Schimmel in den Papieren, und das wäre der GAU", sagt Bettina Joergens.

Später würden die Schriftstücke dann kontrolliert wieder aufgetaut, „dann kann in Ruhe entschieden werden, wie man weiter verfährt", sagt Dr. Johannes Burkardt, Leiter des Landesarchivs NRW Abteilung OWL. Der Wasserschaden selbst sei stets nur die erste Gefahr für das Kulturgut. „Die zweite ist der Umgang der Helfer mit den Schriftstücken. Da kann man unheimlich viel falsch machen." Ein Beispiel: Sollen beim Bergen einzelne Schriftstücke aus den Ordnern herausgenommen werden? Ein klares Nein von Birgit Geller. „Viel zu gefährlich für das Papier."

Sprecherin des Verbundes: Dr. Bettina Joergens. - © Bernhard Preuss
Sprecherin des Verbundes: Dr. Bettina Joergens. (© Bernhard Preuss)


„Solche Fehler wollen wir, daraus können wir lernen", sagt Burkardt. Er und Bettina Joergens, die die Übung beobachten, sind mit dem Ablauf zufrieden. „Dass so viele Helfer mitmachen, ist allein schon ein Erfolg. Und richtig toll ist, wie ruhig und konzentriert alle bei der Sache sind", freut sich Bettina Joergens. Der Notfallverbund Detmold plant, künftig einmal pro Jahr eine Übung abzuhalten.

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