Experten diskutieren über die Zukunft der Theater

Raphael Bartling

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Diskutieren: (von links) Stefan Kaim und Prof. Jens Roselt.     - © Raphael Bartling
Diskutieren: (von links) Stefan Kaim und Prof. Jens Roselt.     (© Raphael Bartling)

Detmold. Quo vadis, Theater? Im Rahmen des NRW-Theatertreffens haben am Sonntag renommierte Experten im Detmolder Landestheater miteinander über die Entwicklung der deutschen Theaterkultur diskutiert. Knapp 20 Besucher kamen zur ersten von insgesamt drei im Zuge des Theatertreffens stattfindenden „Kulturpolitischen Begegnungen" im Festival-Foyer.

Theaterkritikerin Irene Bazinger aus Berlin, Regisseur Niklaus Helbling aus Mainz sowie Dramatiker und Theaterwissenschaftler Professor Jens Roselt aus Hildesheim äußerten sich dort zu der Fragestellung „Theater in postfaktischer Zeit: Politisierung, Traditionspflege oder Abendunterhaltung?" Die Gesprächsleitung übernahm WDR-3-Moderator Stefan Kaim.

Ist das unikale deutsche Stadttheatermodell überholt, wo doch immer weniger Besucher die Ränge der Theatersäle füllen? Nutzen Autoren ihre Inszenierungen in der heutigen Zeit nur noch zur Emotionalisierung und als Sprachrohr für politische Überzeugungen? Und wie soll das Publikum auf die vorherrschende Umbruchsituation reagieren?

„In Zukunft wird es noch stärker darauf ankommen, wie das Theater seinem Publikum begegnet", findet Roselt: „Es muss schauen, was es den Zuschauern zutraut und was es ihnen zumuten kann." Wichtig sei es, das Publikum ernst zu nehmen. Andererseits habe auch der gemeine Theaterbesucher die Pflicht zu zeigen, dass er Theater nach wie vor wertschätzt.

Für Helbling sei es wichtig, dass die Bühnen der Bundesrepublik weiterhin Orte tiefer künstlerischer Mühewaltung bleiben: Wenn jemand auf einer Bühne stehe und dort reihenweise politische Überzeugungen von sich gebe oder eine auswendig gelernte Textpassage zum Besten gibt, sei das für ihn noch längst kein Theater, so der Regisseur. Theaterkritikerin Bazinger hält es indes ganz pragmatisch: „Wenn ich ins Theater gehe, möchte ich schlichtweg gut unterhalten werden."

Absurde Spiele und Erinnerungen

von Alexandra Schröder

Detmold. Der Schluss dieser Rezension zu „Die Glasmenagerie" ist bereits gesetzt. „Mit vorzüglicher Hochachtung", wird am Ende stehen. Der Sonntagnachmittag des NRW-Theatertreffens bot eine Inszenierung erster Güte.

Das Ensemble des Theaters an der Ruhr gastierte mit dem Stück von Tennessee Williams. Eine Sammlung gläserner Tierfiguren ist der titelgebende Sehnsuchtsort für Laura, die behinderte Tochter von Amanda.

In der Inszenierung von Simone Thoma, die zugleich Regie geführt hat und Amanda verkörpert, versammelt sich die Familie in einem kargen Bahnhofsgebäude (Bühne: Adriana Kocijan), einem Nicht-Ort, der Durchreise bedeutet, der weder Start noch Ziel ist. Thoma verstärkt die Dramaturgie und entwickelt perfektioniertes absurdes Theater. Die Erzählung wird in mal mit surrealen, mal mit deutenden Bildern aufgeladen oder zu Wiedererkennung gezwungen.

Das Theater an der Ruhr präsentiert eine vielschichtige und anspruchsvolle Inszenierung. „Toll", könnte man sagen. Aber da das NRW-Theatertreffen Kritik auf höchstem Niveau provoziert, bleibt es bei der „Hochachtung", denn es war keine Offenbarung, die von den Brettern klingt.

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