Nordwestdeutsche Philharmonie spielt digitales Abonnementkonzert

Thomas Krügler

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Brillantes Spiel. Das Orchester harmoniert in prägnanter Klangschärfe unter Leitung von Dirigent Simon Gaudenz. - © Thomas Krügler
Brillantes Spiel. Das Orchester harmoniert in prägnanter Klangschärfe unter Leitung von Dirigent Simon Gaudenz. (© Thomas Krügler)

Detmold. Seit November kann die Nordwestdeutsche Philharmonie (NWD) keine Live-Konzerte spielen. Das Orchester hat daher ein digitales Abonnementkonzert eingespielt, das auf seiner Internetseite kostenlos abrufbar ist. Unter Leitung von Simon Gaudenz erklingt ein Programm mit Werken von Mozart und Mendelssohn, das im April auch als CD erscheinen wird.

Der Schweizer Gastdirigent Simon Gaudenz ist Generalmusikdirektor der Jenaer Philharmonie. Mit seiner frischen unverbrauchten Herangehensweise vor dem Hintergrund der historisch informierten Aufführungspraxis hat er sich als Interpret klassischer Werke einen Namen gemacht.

Zu seiner vierten Konzertouvertüre „Das Märchen von der schönen Melusine" wurde Mendelssohn 1833 durch die Berliner Opernaufführung „Melusina" von Conradin Kreutzer motiviert. Bei der Uraufführung reagierte das Publikum verhalten, während Robert Schumann begeistert war. Zartes lyrisches Spiel der Holzbläser führt in die sagenumwobene Welt der Meerjungfrau Melusine, die den Ritter Raimund in ihren Liebesbann zieht. Die Musiker der NWD verleihen der farbenreichen romantischen Tonsprache viel Glanz. Das Orchester brilliert in großer Klangschönheit ohne lyrische Wendungen zu vernachlässigen und zeigt sich von seiner schönsten Seite.

Im Sommer 1788 schrieb der damals 32-jährige Mozart seine letzten drei Sinfonien, die als Höhepunkte seines symphonischen Schaffens gelten. Simon Gaudenz entlockt den Musikern durch sein inspirierendes Dirigat eine kontrastvoll leuchtende Interpretation. Der zweite Satz „Andante con moto" wird ganz empfindsam ausgedeutet. Im Finale begegnet eines der farbigsten Rondos der Wiener Klassik, das an ein Perpetuum mobile erinnert. Das flinke Thema mündet in triumphalen Tuttiballungen und unerwarteten Pausen. Der Kontrast von Ruhe und plötzlichem Aufbruch schafft Turbulenzen in fesselnder Dramatik, die eher Sturm und Drang als Klassizismus zum Ausdruck bringt. Mozart verabschiedet sich in der Schlusswendung in origineller Kürze. Ein Konzert, das viel Applaus verdient.

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