Spiel mit Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart in St. Marien Lemgo

Karin Laqua

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Am Ende wird alles gut: Fri (Pia Muhle) hat seine Amy (Frieda Schulte) wieder, die mit ihren roten Haaren im 17. Jahrhundert fast als Hexe verbrannt worden wäre. - © Andreas Duderstedt
Am Ende wird alles gut: Fri (Pia Muhle) hat seine Amy (Frieda Schulte) wieder, die mit ihren roten Haaren im 17. Jahrhundert fast als Hexe verbrannt worden wäre. (© Andreas Duderstedt)

Lemgo. 700 Jahre sind eine lange Zeit. Wie kann man sie Kindern und Jugendlichen musikalisch nahebringen? Vor über 700 Jahren, 1320, wurde die Kirche St. Marien in Lemgo geweiht. Das Musical „Zeit ist auch ein Weg oder Die unglaubliche Reise des Fri 2303“ von Matthias Nagel ist laut Mitteilung der Kirchengemeinde am Samstag (11. Juni) in der ehrwürdigen gotischen Kirche uraufgeführt worden. "Die Auftragsarbeit zum 700-jährigen Jubiläum ist ein Spiel mit Vergangenheit, Zukunft und Gegenwart. Und auch die Liebe spielt eine Rolle", heißt es in der Mitteilung.

Zur Handlung des Musicals: Der Titelheld, ein junger Mann von 17 Jahren, lebt im Jahr 2320. Die Marienkirche kann dann ihr 1000-jähriges Jubiläum feiern. In ferner Zukunft gibt es Zeitmaschinen: Mit einem Flug in die Vergangenheit kann Fri seinen Auftrag erfüllen, eine Filmdokumentation über die Geschichte der alten Kirche zu drehen. So landet er gleich zu Beginn, etwas unsanft, im Jahr 2020 und begegnet dort der hübschen Amy.

Es kommt, wie es kommen muss: Die beiden verlieben sich, Amy will mit auf die Zeitreise. Das ist verboten, aber Fri kann nicht nein sagen, und man kommt ins 17. Jahrhundert. Nun wird es für die rothaarige Amy gefährlich: eine Hexe! Sie geht verloren, Fri ist verzweifelt. Nach weiteren abenteuerlichen Zeitstationen wird am Ende alles gut. Textautorin Doris Bläser hat sich eine Geschichte ausgedacht, die Heranwachsende anspricht.

Präziser Vortrag mit spürbarer Freude am Gesang

Mit den beiden Kinderchören der Gemeinde St. Marien, der kleinen und der großen Singschule, sowie dem Jugendchor leitete Kantor Volker Jänig drei Klangkörper mit einer Altersspannweite von vier bis 20 Jahren. "Die gut 60 Kinder und Jugendlichen sangen die anspruchsvolle Musik mit hörbarer Freude und zugleich hoher Präzision. Es zeigte sich aber auch, dass das Agieren auf der Bühne ebenfalls geübt sein will", berichtet die Kirchengemeinde St. Marien weiter.

Matthias Nagel hat zündende Melodien geschaffen und mit Elementen von Jazz, Rock und Pop verbunden. In den Szenen des 17. Jahrhunderts kamen frühbarocke Satztechniken und eine Blockflöte zum Einsatz. Ein andermal ließen schwebende Klänge an die Gregorianik des Mittelalters denken. Flöten (Hartmut Ledebour), Violine (Susanne Menking), Klarinette (Matan David), Cello (Carolin Menking), Klavier (Julian Weller), Keyboard (Ignacio Alcaron), E-Bass (Gedeon Görg) und Schlagwerk (Luis Engelhardt) sorgten für vielfältige und aparte Klangfarben.

Ungewollt aktuell ist der Titel „Zeit ist auch ein Weg“ in Pandemie-Zeiten geworden. Die Uraufführung musste um zwei Jahre verschoben werden. Aber was ist das schon angesichts der Jahrhunderte währenden Geschichte der Kirche St. Marien…

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