Ergreifendes Konzert im Konzerthaus

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Die Musiker ernten viel Applaus nach einem bewegenden Konzert. - © Oratorienchor Detmold
Die Musiker ernten viel Applaus nach einem bewegenden Konzert. (© Oratorienchor Detmold)

Detmold. Florian Ludwig hat mit seiner Konzertplanung einen ganz besonderen Nerv getroffen. Ende November, in einer Zeit, in der die Gedanken zu den Opfern der Judenverfolgung und der beiden Weltkriege gehen, dirigierte er das Oratorium „A Child of Our Time“ von Michael Tippett aus dem Jahr 1938 und kombinierte es kongenial mit dem Cellokonzert von Edward Elgar aus den Schlusstagen des Ersten Weltkrieges. Der Oratorienchor Detmold, die Nordwestdeutsche Philharmonie und fantastische Solisten gestalteten ein tief berührendes Konzert. Erfreulich auch die große Zuhörerschaft: das Konzerthaus war fast ausverkauft.

„Dem erst 19jährigen Solisten von Elgars berühmtem Cellokonzert, Lionel Martin, steht eine große Karriere bevor“, heißt es in der Pressemitteilung. Er spielte den Solopart mit einer immensen Leuchtkraft. Technisch auf allerhöchstem Niveau, emotional ausgereift und musikalisch so vielfältig, dass das Publikum ihn zu einer furiosen Zugabe animierte: Pendereckis „Capriccio per Siegfried Palm“, voller technischer Kabinettstückchen, lustigen Einsprengseln, lauten Rhythmusbewegungen auf dem gesamten Instrument, aber auch leisen, lyrischen Passagen. Fast atemlose Spannung, dann euphorischer Applaus.

Auf die Stille folgt Applaus

Nach der Pause begann Tippetts Oratorium ebenfalls mit fast atemloser Spannung. Es ist die Geschichte von Herschel Grynszpan, dem jungen Juden, dessen Verzweiflungstat Goebbels den Vorwand gab, das Novemberpogrom auszulösen. Tippett gelingt es, das Entsetzen über die kalte Unmenschlichkeit der Judenverfolgung und die Trauer über das grausame 20. Jahrhundert in Musik zu fassen, dieses aber auch in einen übergeordneten Kontext zu stellen: Es ist die Menschlichkeit, die uns aus den Krisen hilft. Musikalisch brachten alle Beteiligten eine äußerst überzeugende Leistung, heißt es weiter. Der Oratorienchor in den leisen, ruhigen Passagen des Eröffnungssatzes, aber auch in der hämmernden, sängerisch herausfordernden Fuge „Burn down their houses“ und den emotional tief bewegenden Gospelsätzen.

Die begleitende Nordwestdeutsche Philharmonie spielte in Höchstform. Als Solisten glänzten Ann-Kathrin Niemczyk, mit ihrem strahlenden Sopran bis in die höchsten Spitzentöne, und Dorothee Bienert mit vollem, warmem Mezzosopran. Bernhard Berchtold, Tenor, überzeugte besonders in der Rolle des verzweifelten, von der Welt alleingelassenen Jungen. Joachim Goltz, mit seinem sonoren, berührenden Bass, war der ideale Interpret des Erzählers. „Musikalisch wurde dieses äußerst vielschichtige Werk meisterhaft zusammengehalten von Florian Ludwig.“ Nach dem Schlusston folgte ein langer Moment der Stille, dann großer Applaus für ein ergreifendes Konzert.

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